Elizabeth Gilbert: In drei Schritten zu einem entspannteren und kreativeren Leben

Die Autorin von Eat, Pray, Love erklärte auf der INBOUND in ihrem Vortrag, warum ein entspanntes Leben das Ziel von jedem sein sollte und wie man es erreicht.

© Sven Scheuermeier - Unsplash

Ich habe keine Zeit.

Diesen Satz haben schon viele von uns gesagt, wenn es darum ging, eine Entschuldigung dafür zu finden, dass wir unsere Träume und Ziele immer weiter nach hinten verschieben. Ähnlich erging es Elizabeth Gilbert, die mit ihrem Spotlight auf der INBOUND in Boston das viertägige Event eröffnete. Die Autorin des Bestsellers Eat, Pray, Love hatte zu dem Thema ihre eigene Geschichte zu erzählen. Sie selbst kam als junge Frau nach New York, um zu schreiben. Doch um sich das Leben dort leisten zu können, arbeitete sie in mehreren Jobs, so dass sie letztendlich keine Zeit zum Schreiben fand. Sie selbst erhielt damals die Erkenntnis, die sie nun am ersten Tag der INBOUND den gut 6.000 Leuten vor der Main Stage beibringen wollte, von einer in ihrem Viertel wohnenden Künstlerin, die das Leben zu haben schien, das sie wollte. In einem Gespräch, das der damals 24-Jährigen vor Augen führte, dass sie zwar ihre Jobs brauchte, um zu überleben, sie aber ihre Freizeit anders verbringen könnte, fragte besagte Künstlerin Gilbert, wie es mit ihrem Schreiben voran ginge und sie antwortete ehrlich, dass sie dazu keine Zeit fände. Das wollte die Künstlerin nicht hinnehmen: Es käme nur darauf an, was sie bereit sei aufzugeben, um das von ihr angeblich erträumte Leben zu führen.

Am Ende wird alles gut

Hieraus entwickelte Elizabeth Gilbert letztendlich ihre Philosophie. Drei Schritte, erklärte sie dem Publikum, seien dabei erforderlich, um ein kreatives und entspanntes Leben zu führen. Und kreativ sei dabei nicht zwangsläufig, wie sie betonte, der Output von Kunst oder Text, sondern vielmehr eine Lebenseinstellung und die Entscheidung dazu, Neugier über Angst zu stellen.

1. Prioritäten 

Wie wichtig der erste Punkt, und zwar Prioritäten erkennen und zu setzen, ist, wird vielen bewusst, wenn sie einen Blick in ihr E-Mail-Postfach werfen. Dort stapeln sich oftmals Mails, die vermutlich nie beantwortet werden. Wir möchten es uns nicht eingestehen, aber das liegt meist einfach daran, dass sie uns nicht wichtig genug sind. Sich selbst darüber bewusst zu sein, welche Prioritäten man hat und warum, erleichtert einen nicht nur um die unbeantworteten Mails, die auch nie beantwortet worden wären, sondern es erleichtert auch das Leben im Allgemeinen.

2. Grenzen

Was und wer ist mir wichtig und was nicht? Was ist mir heilig? Sobald dies feststeht, wird in einem zweiten Schritt eine klare Grenze um diese Prioritäten gezogen. Und wenn diese Grenze nach außen hin klar kommuniziert wird, werden auch andere bald erkennen, dass es nicht nur einen selber, sondern gleichzeitig auch sie schützt. Niemand weiß gern nicht, woran er ist. Ein Statement dazu abzugeben, dass das vorgeschlagene Projekt in Zukunft nicht in Angriff genommen wird, schützt einen selbst vor unnötiger Arbeit und den anderen vor langer Warterei. Nein zu sagen, ist kein Unding, sondern vielmehr eine Chance für alle Parteien, weiterzumachen

3. Der Sinn für etwas Größeres

Den dritten Punkt ihrer Liste entnimmt sie vermutlich ihren Reisen, die sie im Buch Eat, Pray, Love, das auch verfilmt worden ist, aufarbeitet. Der „Sinn für etwas Größeres“ entstehe oft an einem absoluten Tiefpunkt, der einen mit dem Gefühl hinterlässt, dass irgendwie am Ende alles gut werden wird. Diese Entspanntheit, die sich in unserer Zeit, in der alles schneller, größer und besser sein muss, kaum finden lässt, kann als Endziel betrachtet werden. Denn welche Person im Raum ist die, die man gerne sein möchte? Richtig, die entspannteste. Denn im Radius einer entspannten Person werden alle entspannter, genau so wie sich die Nervosität und Anspannung einer Person auf uns übertragen kann.

Am Ende ihres Vortrages erhielt Elizabeth Gilbert Standing Ovations und das Thema zog sich durch den weiteren Verlauf des Events. Nicht umsonst ist das Wort „Achtsamkeit“ seit einiger Zeit in aller Munde. Doch beherzigt man Gilberts Ratschläge, die zunächst so einfach scheinen, sind gar keine Apps und Podcasts nötig, nur ein ständiges Hinterfragen der eigenen Motivationen – sei es im Privat- oder Arbeitsleben.

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