Krankschreibungen durch Depressionen steigen: Doch Probleme werden oft belächelt

Der DAK-Psychobericht 2019 zeigt, dass sich die Zahl der Fehltage durch psychische Erkrankungen in den letzten Jahrzehnten verdreifacht hat. Arbeitgebern fehlt es an Sensibilisierung.

© Anthony Tran - Unsplash

Psychische Erkrankungen sind ein Problem unserer Gesellschaft, dass von einigen inzwischen zwar offen kommuniziert wird, jedoch in vielen Kreisen immer noch ein Tabu darstellt. Dieser Status führt dazu, dass sich die Situation der Betroffenen noch weiter verschlimmert, weil sie sich entweder nicht trauen über ihre Probleme zu sprechen oder gar ausgegrenzt werden. Dabei zeigt der DAK-Psychoreport 2019 eindeutig, dass psychische Erkrankungen ernst genommen werden müssen, denn: Die Anzahl der Krankschreibungen aufgrund von Depressionen und Co. hat sich in den letzten Jahren mehr als verdreifacht. Für den Bericht wurden die Daten von 2,5 Millionen Erwerbstätigen ausgewertet,

Depressionen und Anpassungsstörungen als Hauptauslöser

2018 war jeder 18. Arbeitnehmer wegen einer psychischen Erkrankung krankgeschrieben. Hochgerechnet kommt man auf einen Wert von 2,2 Millionen Betroffenen. Im letzten Jahr lagen psychische Erkrankungen auf dem dritten Platz der häufigsten Krankheitsursachen. In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies 236 Fehltage pro 100 Arbeitnehmer. Die meisten Krankschreibungen verursachten dabei Depressionen mit 93 Fehltagen pro Arbeitnehmer, direkt gefolgt von Anpassungsstörungen mit 51 Tagen. Besonders letztere verzeichneten in den vergangenen Jahren einen enormen Anstieg. Grund hierfür ist, laut DAK-Vorstandschef Andreas Storm, dass Betroffene sich von ihren Ärzten mehr ernst genommen fühlen. In den meisten Praxen sind psychische Leiden kein Tabu mehr und dementsprechend erfolgen auch eher Krankschreibungen dahingehend.

Die Zahl der Fehltage aufgrund von Burnout sei in den letzten sechs Jahren stark gesunken. Jedoch wurde 2018 wieder ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet mit 5,3 Fehltagen je Versicherten. Besonders im Alter nimmt die Diagnose Burnout wieder zu. Arbeitnehmer über 60 leiden häufiger daran und verzeichnen neun Fehltage. Der Anstieg der Krankschreibungen wegen Burnouts – das Syndrom wurde von der WHO erst dieses Jahr als Krankheit anerkannt – sollte, trotz der niedrig klingenden Zahl, ernst genommen werden. Besonders Arbeitnehmer stehen hier in der Verantwortung ihre Mitarbeiter zu entlasten und zu unterstützen. Schritt eins dafür ist es, psychische Erkrankungen anzuerkennen und vorzubeugen.

Unterschiede nach Geschlecht, Branche, Bundesland 

Wenig überraschend gibt es auch eine Gender Gap in diesem Bereich des Lebens. Frauen werden fast doppelt so oft krankgeschrieben wie Männer. So verzeichnen die weiblichen Erwerbstätigen 298 Fehltage, die männlichen lediglich 183. Die Ursache dafür ist nicht, dass Frauen „weicher“ sind als Männer, sondern sich eher eingestehen, dass sie ein Problem haben. Tatsächlich scheinen die Themen Burnout, Depression und Co. in Männerkreisen stärker verpönt zu sein und ein Zeichen von „Schwäche“ darzustellen. So ist es nicht verwunderlich, dass männliche Betroffene sich ihre Krankheit teilweise nicht eingestehen und somit auch keinen Arzt aufsuchen.

Ein Blick auf die verschiedenen Branchen verrät, dass besonders die öffentliche Verwaltung und das Gesundheitswesen unter psychischen Erkrankungen leiden. So kamen beim erstgenannten 358 Fehltage auf 100 Arbeitnehmer, bei letzterem 236 Fehltage. Außerdem werden Erwerbstätige im Saarland am häufigsten wegen psychischer Leiden krankgeschrieben, dich gefolgt von Bremen und Berlin. Umgekehrt verzeichnet Bayern die wenigsten Fehltage nach entsprechender Diagnose.

Das Bewusstsein für psychische Erkrankungen ist in den letzten Jahren gestiegen und das Thema immer weiter aus der Tabuzone gerückt. Von einer weitgehenden Akzeptanz kann jedoch noch lange nicht die Rede sein. Vielen Unternehmen, aber auch Einzelpersonen, fehlt es an Sensibilisierung. Nichtsdestotrotz ist es gut, dass immer mehr Betroffene sich bei ihrem Arzt sicher fühlen und sich ihre Probleme eingestehen – und sich vor allem krankschreiben lassen, um diese beispielsweise zu behandeln oder ihnen mit Hilfe entgegenzutreten. Je mehr Aufklärungsarbeit betrieben wird, umso mehr Akzeptanz und vor allem Hilfe können Betroffene erfahren. Und so hören vielleicht auch die sinnfreien Ratschläge wie „Sei doch nicht so weich/sensibel/traurig/gestresst“ irgendwann auf und entwickeln sich zu einer ernsthaft helfenden Hand.


Wie immer bei solchen Thematiken, möchten wir auf Hilfsangebote Hinweisen. Wenn du glaubst oder weißt, selbst betroffen zu sein, kannst du dich an diverse Stellen wenden. Neben dem Hausarzt und engen Vertrauten, denen du dich gegebenenfalls anvertrauen kannst, bietet die Deutsche Depressionshilfe ebenfalls diverse Möglichkeiten für dich:

Deutsche Depressionshilfe: Selbsthilfegruppen, Online-Foren, Beratung, Kliniken und mehr

Info-Telefon Depression: 0800 / 33 44 533
Mo, Di, Do: 13:00 – 17:00 Uhr
Mi, Fr: 08:30 – 12:30 Uhr

Hab keine Angst davor, dass dein Problem zu unbedeutend sei oder man dich nicht ernst nehmen würde. All diese Hilfsangebote nehmen Depressionen als ernsthafte Erkrankung wahr und bieten zusätzlich auch Unterstützung für Angehörige an.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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