Die Angst am Sonntag: Wenn die Arbeit zum Horrorszenario wird

Sonntagabend und der Gedanke an den nächsten Morgen löst Herzrasen aus. Doch woher rühren diese „Sunday Scaries“ und was können wir dagegen unternehmen?

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„Ach man, bald ist das Wochenende auch schon wieder vorbei“. So oder so ähnlich erklingt es aus den meisten deutschen Schlafzimmern im Laufe des Sonntags. Der Montags-Blues setzt ein, und zwar schon am Vortag. Natürlich mögen die wenigsten von uns das Gefühl, dass die freie Zeit sich dem Ende neigt. Für manche Menschen sind diese „Sunday Scaries“ jedoch ein echter Horrortrip, der sich in Stimmungsschwankungen und Angstzuständen bemerkbar macht. Doch wieso empfinden wir sonntags so und können wir die Ursachen bekämpfen?

Was ist die Angst am Sonntag?

In einer US-Studie wurde festgestellt, dass 76 Prozent der Beschäftigten sich vor dem Montag gruseln. Eine Art Sonntags-Blues stellt sich ein, der ihnen die Freude an den letzten Stunden des Wochenendes nimmt. Und auch hier kennen es viele. Wie gesagt, ist es völlig normal, dass man am Sonntagabend mal etwas wehleidig wird und am Montag mit dem falschen Fuß aufsteht. Wird dieser Zustand jedoch zum Status quo, dann läuft etwas falsch. Der immer wiederkehrende Sonntags-Blues äußert sich wie folgt:

  • Stimmungsschwankungen im Laufe des Tages
  • Erschöpfungserscheinungen trotz der vorhergegangenen Freizeit
  • Herzrasen
  • Angstzustände beim Gedanken ans Schlafengehen
  • Keine Freude an Aktivitäten
  • Ständige Gedanken an die Arbeit
  • usw.

Ursachen für die Angst am Sonntag

Doch wieso leiden so viele von uns an den depressiven Stimmungen am Sonntag? Hauptursache ist, dass wir nicht abschalten können. Die ständige Erreichbarkeit auch am Wochenende, hindert uns daran, die Arbeit hinter uns zulassen. Hier schnell eine E-Mail beantworten, da nochmal was korrigieren… und schon sitzen wir in unserer Freizeit da und arbeiten. Eine weitere Ursache ist, dass sich unser Mindset verändert hat. Viele Leute arbeiten nicht mehr, um ein gutes Leben führen zu können, sondern haben das Gefühl nur noch für die Arbeit zu leben. Dadurch wird aus dem Job ein Zwangskorsett, dass uns der Freizeit beraubt.

Doch der anhaltende Sonntags-Blues deutet noch auf etwas anderes hin: Unzufriedenheit im Berufsleben. Die Gründe variieren dabei von Person zu Person. Langeweile und Unterforderung sind ebenso Auslöser wie Überforderung, Überarbeitung und ein schlechtes Verhältnis zu Chef und Kollegen. Betroffene sehnen sich schon am Sonntag den nächsten Freitag herbei. Dieser Zustand sollte nicht unterschätzt werden, denn er greift sowohl Körper als auch Geist an. Krankmeldungen sind eine häufige Folge.

Kampf gegen die Angst am Sonntag

Im Netz gibt es allerlei Tipps zur Bekämpfung der „Sunday Scaries“, wie beispielsweise einen Feel Good-Film anzusehen oder den Sonntag mit Freunden und Familie zu verbringen. Diese Ratschläge sind meist aber nur ein Pflaster über einer tiefen Fleischwunde. Wirklich wichtig ist es, die Ursachen zu bekämpfen. Und das funktioniert nur, wenn wir diese kennen. Wer also am Sonntags-Blues leidet, sollte sich die Zeit nehmen und reflektieren: Wovor habe ich am Montag am meisten Angst? Sind die Gründe gefunden, kann dagegen angegangen werden. Der erste Schritt für alle Betroffenen sollte sein, am Wochenende den Job abzulegen. So schwer es auch sein mag. Das bedeutet, dass man das Firmenhandy nach Feierabend ausschaltet und die Finger von E-Mails und Chats lässt. Hier sind auch die Arbeitgeber gefragt. Diese sollten klar kommunizieren, dass die ständige Erreichbarkeit in der Freizeit unerwünscht ist und die Angestellten ihre freie Zeit zur Regeneration nutzen sollten.

Unangenehme Aufgaben sollten freitags nicht auf Montag verschoben werden. So startet man, nach Erledigung, unbeschwerter ins Wochenende und muss den Montag weniger fürchten. Sind die „Sunday Scaries“ jedoch tief mit der Unzufriedenheit im Job verwurzelt, sollte man einen Schritt weiterdenken. Ein Arbeitsplatz schenkt uns eine gewisse Sicherheit im Leben. Doch wenn dieser nur noch an unseren Kräften zerrt und Angstzustände auslöst, sollte die Notbremse gezogen werden. Ein neuer Job und ein neues Arbeitsumfeld, dass uns die Chance auf einen Restart gibt und durch vielseitige Aufgaben und interessante Kollegen die Freude an der Arbeit zurückkehren lässt, sind der Schlüssel. So kann es gelingen, der Angst am Sonntag ade zu sagen.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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