Die 6 schlimmsten Job Interviews: Wenn Arbeitgeber zu weit gehen

Manchmal überschreiten Personaler Grenzen. Bewerber werden warten gelassen, beleidigt oder wie Abschaum behandelt. Doch so etwas muss sich niemand bieten lassen.

© Nick Fewings - Unsplash

Allgemein ist inzwischen bekannt, dass bestimmte Fragen in einem Bewerbungsgespräch nichts verloren haben. Dazu gehören Themen wie Beziehungsstatus, Familienplanung, Gesundheit und religiöse Anschauungen. Doch manchmal schießen Arbeitgeber noch weiter über das Ziel hinaus. Vor kurzem berichteten wir euch bereits von einem Job Interview, in welchem die Bewerberin erniedrigt und beleidigt wurde. Heute möchten wir euch weitere dieser Horrorgeschichten erzählen, basierend auf den Erfahrungen von Quora- und Reddit-Usern – und euch zeigen, dass ihr euch bei der Jobsuche nicht alles gefallen lassen müsst.

Story 1: Auf der Suche nach Dieben

Ein Reddit-User aus den USA erzählt, dass er sich in seiner Jugend auf einen Nebenjob im Einkaufszentrum beworben hatte. Das dazugehörige Bewerbunsggespräch machte ihn plötzlich zum Dieb. Zunächst wollte der Chef wissen, wie der Bewerber auf einen diebischen Kollegen reagieren würde. Soweit noch verständlich. Doch wie aus dem Nichts kam die Frage: „In welchem Geldwert hast du bisher schon Waren geklaut?“ Als der Bewerber mit null Dollar antwortete, fühlte sich der Interviewer veralbert. Er lies nicht locker, auch nachdem die Antwort mehrmals wiederholt wurde. Schlussendlich knickte der Bewerber ein und sagte sarkastisch einen Toaster für 16,42 Dollar. Dies schien den Chef zufrieden zu stellen. Im Endeffekt bekam der Reddit-User die Stelle sogar angeboten – und lehnte ab.

Fazit: Zwingt man euch im Bewerbungsgespräch dazu, euch fälschlicherweise als Dieb zu outen, ist der Job vermutlich nicht das, was ihr sucht – oder verdient.

Story 2: Mein Chef, der Chauvinist 

User Flaxmoore bekam im Bewerbungsgespräch tatsächlich die Frage gestellt, wie seine ideale Frau wäre. Schon allein dies hätte ihn stutzen lassen sollen. Trotzdem begann er über Persönlichkeit und Intelligenz seiner Traumfrau zu philosophieren. Der Chef unterbrach ihn jedoch rasch und stellte klar, worauf er eigentlich hinaus wollte: „Nein, ich meine körperlich. Wie groß sollten ihre Titten sein?“. Ob er auf die Frage antwortete, verriet Flaxmoore nicht. Jedoch berichtet er, dass er nach dem Bewerbungsgespräch seine Bewerbung augenblicklich zurückzog.

Fazit: Ein Chef, der so auf die weibliche Oberweite fokussiert ist, würdigt keine anderen Qualitäten von Frauen. Diskriminierung und sexuelle Belästigung gehören wohl eher zum Arbeitsklima dort als Offenheit und Respekt. Bist du aber selber ein Chauvi, wäre der Job womöglich ideal.

Story 3: Ein bestimmter Typ wird gesucht

Die Einteilung von Menschen nach Persönlichkeitstypen ist in Assessment Centern nicht ungewöhnlich. Einer der Reddit-User erzählt jedoch, dass er in einem Bewerbungsgespräch gefragt wurde, ob er eine Typ-A-Persönlichkeit wäre. Der Bewerber hatte keine Ahnung, was dies bedeutete und antwortete vor lauter Panik mit „Ja“. Daraufhin folgte die Frage, wieso er eine Typ-A-Personalität sei. Er stotterte eine an den Haaren herbeigezogene Antwort hervor und wurde vom Interviewer unterbrochen. Mit den Worten: „Sie sind kein Typ-A“, verließ dieser den Raum und ließ einen verdatterten Bewerber zurück. Was eine Typ-A-Persönlichkeit ist, weiß er bis zum heutigen Tage nicht.

Fazit: Die Einteilung nach Typen kann hilfreich sein, limitiert aber auch die Sicht des Personalers. Doch natürlich sollten Fragen auch nicht bejaht werden, wenn diese nicht verstanden werden. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann vor dem Bewerbungsgespräch ja noch den neuesten Psychotest in der Bravo machen.

Story 4: Wenn Erfahrung negativ ausgelegt wird

Ein User, der anonym bleiben möchte, berichtet auf Quora von seinem Albtraum. Es ging um seinen ersten festen Job nach dem Studium und die Personalerin meinte direkt, als frischer Absolvent hätte man kein Wissen über irgendetwas. Natürlich wehrte sich der Bewerber sachlich gegen die Behauptungen und berichtete von seinen zahlreichen Praktika. Diese sollten ihm während des Studiums so viele Einblicke ins Arbeitsleben wie möglich bringen. Davon wollte die Personalerin jedoch nichts wissen und schlussfolgerte geistreich, dass der Bewerber keinen Fokus im Leben hätte, seine Karriere nicht selbst regeln könne und überschätzt sei. Zum Schluss war sie außerdem der Überzeugung, der Bewerber wüsste bestimmt nichts über das Arbeitsfeld der Firma (Spoiler: doch wusste er). Ihre falschen Annahmen begründete sie wie folgt: „Ich habe Psychologie studiert und ich werde dafür bezahlt, Menschen zu kennen. Und ich weiß genau, wie du bist.“

Fazit: Offensichtlich bevollmächtigt ein Psychologiestudium dazu, direkt in jeden Menschen hineinzusehen. Aber ernsthaft: Gerade als Einsteiger ist solch ein Interview demotivierend und erniedrigend. Lass dich jedoch nicht entmutigen, auch wenn manche Menschen der Meinung sind, Absolventen wären unwissende Kinder, die in ihrem Leben noch nie etwas geleistet hätten. Beweise ihnen das Gegenteil.

Story 5: Wenn selbst die Mitarbeiter von dem Job abraten

Eine Firma in Indien suchte jemanden für die IT. Nachdem der Bewerber erschien, musste er zunächst zwei Stunden warten, ehe das Assessment Center überhaupt startete. Daraufhin wurde der Bewerber in einen Raum geschickt und sollte eine Problemstellung durch Programmieren lösen. In 15 Minuten sollte jemand vorbeikommen und sich seinen Fortschritt ansehen. Die Lösung des Problems stellte keine Schwierigkeit da, doch erneut hieß es warten. Nach 90 Minuten war immer noch niemand aufgetaucht, also verließ der Bewerber den Raum und sprach ein paar schnatternde Angestellte darauf an. Diese lachten nur und meinten, dieses Verhalten der Personalabteilung würde sie nicht wundern. Sie selbst würden es bereuen, je in der Firma angefangen zu haben. Schlussendlich plagten den Bewerber Hunger und Zweifel und er entschied sich das „Bewerbunsggespräch“ abzubrechen – und stattdessen etwas essen zu gehen.

Fazit: Wenn die Mitarbeiter dir von der Firma abraten, nimm die Beine in die Hand und lauf. Außerdem vertraue auf dein Bauchgefühl – in solch einem Fall ist es wichtiger den Hunger zu stillen, als an einem lächerlichen Assessment Center teilzunehmen.

Story 6: Wir haben kein schönes Arbeitsklima!

Ein weiterer Bewerber wurde zunächst eine Stunde lang warten gelassen, weil sich die Mitarbeiter gerade in der Mittagspause befanden. Kurz bevor derjenige die Firma wieder verlassen wollte, erklärte sich dann doch eine Personalerin dazu bereit, das Bewerbungsgespräch zu starten. Auf die Frage hin, wieso der Bewerber dort arbeiten wolle, erklärte er, dass das Unternehmen ein guten Ruf beim Thema Arbeitsklima hätte und es Spaß machen soll, dort zu arbeiten. Anscheinend gefiel das Lob der Interviewerin nicht, denn sie schimpfte los: „Denken Sie, dass hier sei ein Spielplatz? Dass sie hier herumlungern könnten und nichts tun!?“ Der Bewerber tat das einzig Richtige, nämlich lachen und das Interview abbrechen.

Fazit: Viele Unternehmen rühmen sich mit ihrem freundlichen Arbeitsklima. Aber anscheinend gibt es auch Arbeitgeber, die nichts von solchem Lob halten und lieber an totalitäre Strukturen glauben. Wer weiß, vielleicht hätte der Bewerber in dieser Firma einen eigenen Schreibtisch in einem Käfig samt Aufseher erhalten – schade, Chance verpasst.

Das Fazit aller Fazits

Diese Geschichten und unsere stellenweise nicht ganz ernst gemeinten Kommentare dazu sollen eigentlich nur eines zeigen: Nicht immer sind die Bewerber das Problem, sondern oft auch die Arbeitgeber. Jedoch fühlt man sich als Jobsuchender häufig in der unterlegenen Position und geht eher Kompromisse ein. Solltest du jedoch ein Bewerbungsgespräch führen, bei dem du dich absolut unwohl fühlst, das Unternehmen einen schlechten Eindruck macht oder du gar herablassend behandelt wirst – dann lass dich nicht darauf ein. Diese Anzeichen deuten schon im Vorhinein auf ein toxisches Arbeitsklima hin. Egal wie dringend deine Suche nach Arbeit ist, einen Job anzunehmen, den du nach wenigen Arbeitstagen bereits bereust, kann dich seelisch zerstören.

Es macht keinen Unterschied, ob du bereits jahrelange Erfahrung hast oder ein Neueinsteiger bist: Verkaufe dich nicht unter deinem Wert und betrachte die Situation realistisch. Unberechtigte Forderungen und falsche Annahmen musst du nicht hinnehmen. Und bedenke, dass du nicht nur etwas vom Unternehmen willst, sondern das Unternehmen auch von dir. Du musst nicht zu allem Ja und Amen sagen.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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