14 Momente in denen ich dein Bewerbungsgespräch am liebsten direkt abgebrochen hätte

Die grundsätzliche Meinung des Personalers, ob es passt oder nicht, entsteht häufig sehr schnell. Kleine Momente geben den Ausschlag. Momente, die du vermeiden solltest.

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Leistest du dir eine oder mehrere der folgenden Aktionen bei deinem Bewerbungsgespräch, sinken deine Chancen auf den Job immens. In unzähligen Bewerbungsgesprächen sind einige Situationen immer wieder aufgetreten, in denen ich das Gespräch am liebsten direkt abgebrochen hätte. Die folgenden Momente solltest du daher tunlichst vermeiden.

1. Du kommst völlig verschwitzt an

Du fährst gerne Fahrrad. Kein Problem! Aber nicht bei 30 Grad im Sommer und zu deinem Bewerbungsgespräch. Der erste Eindruck zählt und wenn du da im weißen, komplett durchgeschwitzten, Hemd und mit Schweißperlen auf der Stirn stehst, geht das gar nicht.

2. Du bist zu früh

5 bis 10 Minuten vorher sind völlig in Ordnung und nicht der Rede wert. Kommst du jedoch mehr als 15 Minuten vorher, kann das durchaus negativ auffallen. Es zeugt davon, dass du denkst, der Personaler hätte nichts zu tun und wartet nur auf dich.

Hier gilt es auch Fingerspitzengefühl zu zeigen. In einem riesigen Konzern mit großem Gelände und verschiedensten Wartebereichen solltest du sogar früher kommen, um dich zu orientieren und in jedem Fall pünktlich zu sein. Bewirbst du dich jedoch in einer kleinen Agentur, gilt dies nicht. Dort störst du den Ablauf, wenn du deutlich vorher da bist.

3. Du erzählst die ganze Zeit, dass du total nervös bist

Was wollt ihr mit dieser Aussage erreichen? Der Personaler merkt es schon selbst früh genug. Darauf zu hoffen, dass man aus Mitleid eingestellt wird, hat sicherlich nicht die höchsten Erfolgschancen. In der Arbeitswelt wird von euch erwartet, dass ihr professionell auftretet, mit Druck umgehen könnt und in Stresssituationen cool bleibt. Ist dies alles nicht erfüllt, besteht der berechtigte Eindruck, dass ihr nicht für die Arbeitsumgebung geeignet seid.

4. Du nimmst nichts zu trinken

Es gehört sich nicht. Es kommt das Gefühl auf, als ob du schnell wieder weg möchtest. Bonus für dich: Du hast etwas in den Händen und kannst dich mit dem Glas ablenken. Nicht übertreiben natürlich.

5. Du bist zu spät

Ohne vorher Bescheid zu geben, geht es unter keinen Umständen in Ordnung. Wenn du es absolut nicht vermeiden kannst zu spät zu kommen, rufe vorher an und erkläre deine Situation. Dir wird in den meisten Fällen Verständnis entgegengebracht. Ausreden wie „Ich habe verschlafen“ sind natürlich nicht förderlich. Vor allem bei Personen, die noch in einem Job sind und nach ihrem Feierabend zum Gespräch kommen, ist eine Verspätung bei vorherigem Bescheid sagen gar kein Problem.

6. Du fragst nicht nach dem Gehalt

Meistens wird der Chef oder der Personaler das Thema ansprechen, aber nicht immer. Jeder hat Interesse an einem angemessenen Gehalt. Deswegen gehört das Thema auf den Tisch und du musst es ansprechen. Zusätzlich wird dadurch allen Seiten Arbeit und Zeit gespart. Wenn das Thema viel zu spät auf den Tisch kommt und die Differenzen der beiden Parteien viel zu groß sind, ist die Zeit davor verschenkt.

7. Du lästerst über deinen Ex-Chef oder deine letzte Firma

Problemmitarbeiter und Lästermäuler sind selten willkommen. Selbst wenn der letzte Chef oder die letzte Firma noch so schlimm waren, gehört es nicht in dein Bewerbungsgespräch. Keiner möchte jemanden einstellen, bei dem die Gefahr besteht, dass der Bewerber in der Zukunft auch über die eigene Firma herzieht.

8. Du fragst, wann du das erste Mal Urlaub machen kannst

Du hast den Job doch noch gar nicht. Diese Frage ist zum Zeitpunkt des Bewerbungsgesprächs deplatziert. Hier gibt es jedoch auch Ausnahmen. In einigen Fällen soll der Job möglichst heute und nicht morgen besetzt werden. Wenn du zum Beispiel einen lang geplanten Urlaub vor dir hast oder in der Zukunft eine Abschlussfeier deiner ehemaligen Universität ansteht, kannst du es gern ansprechen und die Firma wird dir bei Interesse an deiner Person entgegenkommen.

9. Du stellst keine Fragen

Gar keine Fragen zu stellen, zeugt von großem Desinteresse an der Firma und an dem Job. Mache dir vorher Gedanken oder recherchiere im Internet. Es gibt immer offene Fragen.

10. Du hast keine Ahnung, auf welche Position du dich beworben hast

Wenn von Anfang an das Gefühl besteht, als ob du gar nicht weißt, wo du bist und was du hier machst, stehen deine Chancen nicht sonderlich gut. Du solltest zumindest die Aufgaben aus dem Stellenprofil wiedergeben können.

11. Du plauderst Geschäftsgeheimnisse deiner vorherigen Firma aus

Grob sollst du natürlich über deinen Job und deine vorherige Firma reden, jedoch haben konkrete Umsatzzahlen oder Infos über massenhafte Entlassungen hier nicht zu suchen. Niemand möchte dich einstellen, wenn der Eindruck entsteht, dass du alle Interna nach außen trägst.

12. Du bist nicht informiert

Informiere dich über die Firma. Finde heraus, was herauszufinden ist. Wer nicht erklären kann, was die Firma überhaupt macht, bei der er sich beworben hat, ist raus.

13. Du beantwortest Fragen ohne weitere Ausführungen

Erzählt mehr und beantwortet Fragen nicht nur mit „Ja“ oder „Nein“. Der Personaler möchte euch nicht jedes Wort aus der Nase ziehen. Hier gilt es den gesunden Mittelweg zu finden. Zu viel erzählen, zu ausschweifend zu werden und nicht auf den Punkt kommen, funktioniert auch nicht.

14. Du hast deine Hände und/oder Füße nicht unter Kontrolle

Du wippst ständig mit deinen Beinen? Knackst mit deinen Fingern? Popelst in der Nase? Lass es einfach sein und gewöhne es dir ab.

Kurz zusammengefasst

Der erste Eindruck zählt. Tappe nicht in diese einfach zu vermeidenden Fallen. Personaler sehen viel, mach es ihnen also nicht zu leicht, dich sofort auszusortieren oder einen falschen Eindruck von dir zu bekommen.

Dies sind natürlich nur erste Indizien und kein Bewerber wird aufgrund einer einzigen Sache ausgemustert. In einigen Fällen sind für die Personaler unzählige Bewerbungsgespräche zu führen und es gibt einfache, hier genannte, Punkte und Momente, die nicht förderlich für ein erfolgreiches Gespräch sind. Danach und auch davor werden selbstverständlich noch viele weitere, hier nicht genannte, Bewertungskritierien hinzugezogen.

Über Marc Stahlmann

Marc Stahlmann

Marc Stahlmann ist Geschäftsführer von OnlineMarketing.de, dem größten Digitalportal zum Thema Online Marketing. Als studierter Betriebswirt, Startup-Fan und Online Marketer ist er vertraut mit dem aktuellen Marktgeschehen. Zudem ist er Mitgründer und Organisator vom Online-Karrieretag, der größten Karriereveranstaltung für die Digitalbranche.

10 Gedanken zu „14 Momente in denen ich dein Bewerbungsgespräch am liebsten direkt abgebrochen hätte

  1. Thomas Meschke

    Mit Verlaub, Herr Strahlmann, und ich versuche es höfflich auszudrücken,
    ihr konservatives (HR) Weltbild gehört in die sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts.

    Die Betrachtungsweise ändert sich (wahrscheinlich) erst im Alter und diese sagt mir, Urteile nie(mals) nach dem Äusseren. Selbst wenn dieser Typ, der vor Ihnen sitzt kpl. verschwitzt ist und aus Ihrer Sicht krude Klamotten und kein Hemd trägt, er ist unter Umständen der geniale Kopf der Ihnen noch fehlt.

    Was Sie bekommen werden, nach ihren obigen Punkten zu urteilen, ist eine (Büro-)Welt voller langweiliger aalglatter Blender und Kardashians. Was Ihnen entgeht sind Spezialisten und Individualisten. Was Ihnen fehlt ist der nötige Respekt gegenüber des Bewerbers ( den dieser mit Sicherheit Ihnen gegenüber mitbringt )

    Besonders im Bereich des Softwaredevelopments werden Sie es mit dieser/ihrer Einstellung sehr sehr schwer haben. Kein Monat vergeht an dem ich nicht einen “durchgeknallten” Developer kennen lerne. Insofern stimmt das Klischee zum grössten Teil.

    Ich habe das dringende Bedürfnis , mit meinem DeLorean in Ihr Jahrhundert zu fahren um das auszudiskutieren und um ihr Weltbild gerade zurücken.

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  2. Paul Amselfelder

    Wenn ich mir Ihren Lebenslauf anschaue, Herr Stahlmann, frage ich mich, was Sie qualifiziert, derart überhebliche Aussagen zu treffen. Ich lese hier eine Ansammlung von Stereotypen und Platitüden, zusammengesucht aus irgendwelchen “Karriereratgebern”. Sammeln Sie mal Berufserfahrung, dann lernen Sie schon, dass diese Herumduzerei (kennen wir uns?) pseudoinnovativ und respektlos ist. Professionelle Kandidaten machen nach Lektüre dieses Artikels auf jeden Fall einen großen Bogen um Sie und Ihr Unternehmen.

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  3. Henrik Zaborowski

    Moin Herr Stahlmann,

    ich glaube, mit dem Artikel haben Sie uns allen keinen Gefallen getan. Auch wenn manche Punkte stimmen, sind da doch einige andere sehr sehr fragwürdig. Wie Sie an den Reaktionen ja sehen.
    Beste Grüße,
    Henrik Zaborowski

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  4. Nina Isabel Dietz

    Ich bin sehr enttäuscht, dass hier oberflächliche Äußerlichkeiten vor fachliche Kompetenz gestellt werden. Wenn ein Personaler einen tollen Kandidaten nicht einstellen möchte, weil er schwitzt, aufgeregt ist, oder mit dem Fahrrad im Sommer zum Bewerbungsgespräch kommt, dann sollte der Personaler überlegen, ob er seinen Job wirklich im Sinne des Unternehmens ausübt und nicht im Sinne seines eigenen Machtanspruchs . Das ist doch unternehmerischer Wahnsinn, im Jahr 2017 solche Oberflächlichkeiten vor die fachliche Kompetenz eines Menschen zu stellen. Solche Tipps hätte ich am Altherren-Stammtisch erwartet, aber nicht bei einem Portal wie onlinemarketing.de

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  5. Thomas

    Nur ein einziger Moment an dem ICH das Gespräch aus Berwerbersicht abgebrochen hätte:
    Wenn ich ihnen gegenüber gesessen hätte!

    Wer individuelle ( evtl. einzigartige ) persönliche Macken weit vor fachlicher Kompetenz stellt, hat den potientiellen Bewerber nicht verdient, egal wie gut oder schlecht dieser ist.

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  6. Wolfgang Leideck

    ich finde auch: “das Titelbild ist der HIT” und umschreibt schon den geläufigen Umgang mit Bewerbern.

    Sicherlich gibt es “Momente” die man vermeiden sollte (Punkt 10 und 12), allerdings sind wir alle nur Menschen und keine Maschinen – es gilt doch zu unterscheiden ob ein Bewerber gerade von der Schule / Uni kommt, oder bereits einige Jahre an Erfahrung mitbringt. Von letzterem kann man schon ein “professionelles” Auftreten erwarten.

    Mich würde mal interessieren ob Herr Stahlmann selbst diese Bewerbungsgespräche geführt hat? Leider verliert der Beitrag an “professionalität” und gewinnt den Eindruck an Überheblichkeit.

    Dem Kommentar von Herrn Peterson kann ich sehr gut zustimmen. Es herscht ein Umgang am Arbeitsmarkt der unbedingt einer Veränderung bedarf. Mehr und gegenseitiger Respekt, Wertschätzung und Emphatie wären schonmal ein guter Einstieg für Veränderung.

    Was ich immer ganz “lustig” finde ist folgende Aussage, bezogen darauf, dass man beim Unternehmen telefonische Rücksprache hält ob die Berwerbung eingegangen ist, da noch keine Bestätigung (nach drei Tagen) vorliegt:
    “Wir bekommen soviel Bewerbungen, dass wir eine Bestätigung nicht versenden. Dafür müssten wir eine gesonderte Person einstellen”. – HALLO???

    Wenn Bewerbungsgespräche / Vorstellungsgespräche als “Macht-Instrument” missbraucht werden, macht der Personaler etwas “falsch”,

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  7. Jan Hoffmann

    Man kriegt so langsam den Eindruck, Personaler legen ausschließlich Wert auf irgendwelche Oberflächlichkeiten, die in man in bestimmten Kursen lernen kann. Mit Eignung für die Position oder sonstigen relevanten Inhalten beschäftigt sich ein Personaler nicht. Wer braucht so jemanden?

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    1. Marc StahlmannMarc Stahlmann Artikelautor

      Danke für den Kommentar. Habe es auch im Artikel nochmal klar gestellt. Natürlich sind diese Momente nur erste Indizien und nicht geeignet für eine voll-umfängliche Betrachtung des Bewerbers. Davor und danach werden in allen Fällen weitere Kriterien herangezogen. Personaler bzw. Personen die das Bewerbungsgespräch führen sind auch nur Menschen und viele der oben genannten Momente sind nun mal nicht immer förderlich.

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  8. Sven Petersson

    Aus aktuellem Anlass die neun Dinge bei denen ich am liebsten direkt wieder gegangen wäre
    (aus Bewerbersicht):

    1. Du lässt mich warten. Das Bewerbungsgespräch ein Prozess gegenseitiger Erwartungen. Auch Du stellst Dein Unternehmen bei mir vor, Unpünktlichkeit ist ein schlechtes Vorzeichen.
    2. Du bist überrascht und zwar von meinem Lebenslauf. Ich merke Dir sehr schnell an, dass Du Dir nicht die Mühe gemacht hast meinen Lebenslauf zu lesen und Dich vorzubereiten.
    3. Du hast viel zu berichten. Und zwar von Dir und Deinem Unternehmen, leider komme ich kaum zu Wort. Es ist schön, dass Du Dich wohlfühlst und eine tolle Karriere gemacht hast – gib mir doch auch die Chance dazu.
    4. Du bist wichtig. Und zwar so wichtig, dass Du auch während unseres Gespräches online sein musst um Deine Mails und potentielle weitere Bewerber zu sichten.
    5. Du stellst Fragen um abzuklären ob vorbereitet bin. Das ist richtig und wichtig. Fragen die ich aber noch nicht einmal als Insider beantworten könnte gehören hier jedoch nicht hin.
    6. Du sprichst mit Deinem Körper und mit Deinen Augen. Körpersprache ist ein wichtiger Teil der Kommunikation, das Verdrehen der Augen im Gespräch ist jedoch irritierend.
    7. Du verhandelst gerne – aber bitte nicht über mein Gehalt. Ich habe mich im Vorfeld informiert und kenne meinen Marktwert. Wenn ich Dir eine Summe nenne dann ist dies nicht die Aufforderung an dieser Stelle einen Basar zu eröffnen.
    8. Du wirst beobachtet. Ein stiller Begleiter sitzt neben Dir. Schön wäre es, wenn Du Deine Begleitung kurz vorstellst. Nicht nur in meinem sondern auch in seinem Interesse.
    9. Du versprichst Dich zu melden. Im Privatbereich bekommt man sicherlich den ein oder anderen Korb. Im beruflichen Kontext ist dies jedoch ein unverzeihbares Verhalten. Insbesondere dann wenn Du Dich bei Rückfragen zum aktuellen Stand verleugnen lässt.

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