Social Media Marketing

Essen vor der Webcam: So verdienen einige YouTuber ihr Geld

Sie essen vor der Kamera und verdienen damit mehr als mit ihrem Vollzeitjob. Der Video Trend Muk-Bang hält sich seit Jahren und kommt langsam zu uns.

© Dorothy - YouTube

Seit 2009 hält sich ein Trend, der auf der Livestreaming-Plattform Afreeca.TV begann und mittlerweile auch auf YouTube seine Nische gefunden hat. Die Rede ist von Muk-Bang, das sich in „essen“ und „broadcasting“ übersetzt. Bei diesem Internet-Video-Trend verzehren Menschen große Mengen an meist ungesundem Essen und filmen sich dabei. Die Broadcast Jockeys (kurz BJs), wie sich die Darsteller nennen, verdienen mit den Fressorgien ihr Geld. Die Angaben schwanken hier zwischen 7.000 und 10.000 US-Dollar, denn über ihr Einkommen reden die, meist südkorenischen, BJs nicht gern.

Die bekanntesten Broadcast Jockey generieren mehrere Millionen Klicks

Eine der bekanntesten Muk-Bang BJs ist Dorothy. Sie hat 2,6 Millionen Abonnenten auf YouTube und ihr neuestes Video wurde nach drei Tagen bereits über 800.000 Mal aufgerufen. In einem ihrer erfolgreichsten Videos verzehrt sie extrem scharfe Nudeln und erreichte damit ganze 17 Millionen Klicks.

Was fasziniert die Zuschauer an den Fressorgien?

In Südkorea ist es nicht die Norm alleine essen zu gehen, da dies als soziales Ereignis gilt, erklärt Simon Stawski, einer der Gründer von Eat Your Kimchi. Teil der Beliebtheit von Muk-Bang kann also sein, dass die Livestreams das Essen von Singlehaushalten wieder zu einer sozialen Interaktion machen. Schließlich essen die Broadcaster nicht nur, sie interagieren auch mit ihrem Publikum, indem sie erzählen, Fragen beantworten und sogar kleine Aufgaben der Zuschauer erfüllen.

In Korea, it’s not common for people to go out to eat by themselves. Dining is a social activity, and you don’t sit and eat alone. For those that can’t eat with others, they’ll more than likely stay home to eat alone, but they’ll still have the urge to socialize while eating, which is what I think mukbangers replicate,

so Stawski, der 2008 nach Südkorea zog. Zudem seien viele Zuschauer auf Diät und würden durch das Zusehen indirekt ihr eigenes Verlangen nach Essen stillen. Dass dieses Format für beide Parteien, die vor und die hinter der Kamera, nicht gesund sein kann, ist die Meinung vieler Ernährungsspezialisten. Auch wenn die meisten Mukbanger außerhalb ihrer Videos eine strenge Diät halten: Sich bis zu drei Stunden am Tag vollzustopfen, ist eine große Belastung für den Körper. Doch nicht nur das Stillen des eigenen Appetits, auch das Auslösen von ASMR (Autonomous Sensory Meridian Response) trägt viel zur Beliebtheit der Videos bei. ASMR beschreibt die Erfahrung eines Kribbelns, das auf der Kopfhaut beginnt und sich teilweise bis zur Wirbelsäule herunterzieht. Durch ruhige Stimmen, aber auch bestimmte Geräusche wie Schlürfen, Schmatzen oder Räuspern kann ASMR hervorgerufen werden. Das Gefühl wird als angenehm beschrieben und bietet seit einigen Jahren Fläche für Videos auf YouTube, die die Empfindung hervorrufen sollen. Besagte Clips wurden teilweise millionenfach angesehen.

Das lässt sich mit dem Essen vor der Kamera verdienen

Interessant ist, dass die Broadcaster auf Afreeca.TV ihr Geld hauptsächlich über sogenannte Star Balloons verdienen, die die Zuschauer ihnen freiwillig zukommen lassen. Als Danke oder als Aufforderung zu einer Aktion verschicken sie die umgerechnet 10 Cent kostenden Spenden. Auf YouTube werden zusätzlich Anzeigen geschaltet. Ein großes Geschäft liegt dabei sicher auch in den Produktplatzierungen. Schließlich geht es in den Videos hauptsächlich um Essen – insbesondere um leckeres Essen. Welch bessere Werbung könnte es also für eine Marke geben, als BJs, die schmatzend und genießend eines der Produkte vor der Kamera verzehren – mit Tausenden von Zuschauern? Nach Angaben von Afreeca.TV verdienen die Top 500 der Showmaster in Südkorea mehr als ein durchschnittliches Vollzeitgehalt.

Doch nicht nur in Südkorea breitet sich der Trend aus: Mittlerweile gibt es auch zahlreiche Mukbanger in Amerika und Kanada. „It really depends on how you use your platform,“ erzählt Soo Tang, deren YouTube Channel, MommyTang, über 476.000 Abonnenten hat, Today gegenüber. Auch Tang verdient, wie die meisten erfolgreichen YouTuber, ihr Geld durch die Monetarisierung ihrer Videos. „I’m based in the U.S., so payout is different from mukbangers in Korea.“ Bei erfolgreichen Videos und steigender Bekanntheit liegt mehr Verdienst zum Teil auch in anderen Bereichen:

However, once you get popular, you can make close to $100,000 a year here in the U.S. There are many endorsements, e-book and product review payouts.

Kommt der Trend auch nach Deutschland?

Die Verbreitung von Muk-Bang startete 2009 und erfuhr ab 2014 eine steigende Popularität. Zunächst nur in Südkorea verbreitet, entdeckte der Trend bald besonders auch das englischsprachige Publikum für sich, was sich besonders an den guten englischen Untertiteln der Videos deutlich macht. In Amerika und Kanada adaptierten einige YouTuber das Konzept und fanden ihre eigene Fangemeinde. Obwohl der eigentliche Gedanke von Muk-Bang – das gemeinsame Live-Essen vor der Kamera – dadurch verloren geht, erfreuen sich die Videos großer Beliebtheit und das auch noch im Jahr 2019. Bis jetzt konnte der Trend in europäischen Ländern noch nicht wirklich Fuß fassen, doch wenn man bedenkt, dass er sich seit zehn Jahren konstant hält und jetzt auch ein amerikanisches Publikum hat, kann es nur als Frage der Zeit betrachtet werden, bis die ersten deutschen YouTuber vor der Kamera Spätzle und Klöße in sich hineinschaufeln und damit ihr Geld verdienen – vielleicht mit einem ausländischen Publikum, dem so urdeutsches Essen näher gebracht wird. Schließlich könnte argumentiert werden, dass die Muk-Bang-Fressorgien nicht unwesentlich zur Beliebtheit von Ramen, Kimchi und Co. in Ländern außerhalb Südkoreas beigetragen haben.

Ein Gedanke zu „Essen vor der Webcam: So verdienen einige YouTuber ihr Geld

  1. Pascal

    Irgendwas mach ich in meinem Leben falsch. Mit Denken und Wissen Geld verdienen ist irgendwie anstrengender als Nudeln vor ner Webcam zu vertilgen.

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