Video Marketing

Mehr Schutz für Kinder: YouTube setzt verschärfte Richtlinien für Kids Content um

Im Herbst 2019 kündigte YouTube drastische Änderungen bei Videos für Kinder auf der Plattform an. Diese werden ab jetzt realisiert. Doch das könnte Werbeeinnahmen einschränken.

Nahaufnahme der YouTube-Startseite

© Christian Wiediger - Unsplash

Im September 2019 musste YouTube eine Rekordstrafe von gut 170 Millionen US-Dollar zahlen. Das hatte die US-Aufsichtsbehörde Federal Trade Commission (FTC) entschieden, nachdem bei Videos für Kinder auf der Plattform ein deutlicher Verstoß gegen die Richtlinien der Children’s Online Privacy Protection Rule („COPPA“) festgestellt worden war. YouTube setzte daraufhin klare Änderungen im Kontext von Kids Content auf der Plattform in Gang. Nun sind sie realisiert worden.

Schutz der Privatsphäre der Kinder bei YouTube wird umgesetzt

Um sicherzustellen, dass die Privatsphäre von Kindern, die Videos mit Kids Content auf YouTube anschauen, nicht kompromittiert wird, schaltet die Plattform im Kontext solcher Videos nun einige Features ab. Dazu gehören personalisierte Werbeanzeigen, Kommentare, Live Chats, Playlists und Optionen zur direkten Monetarisierung wie der Super Chat. Bei Videos des populären Kinder-Influencer Ryan von Ryan’s World sind die Kommentare beispielsweise bereits deaktiviert.

Kanäle, die komplett auf Kinder ausgerichtet sind, haben ab jetzt keine Stories, keine Benachrichtigungen und keinen Community Tab mehr aufzuweisen. Denn all diese Funktionen benötigen konkrete Nutzerdaten. Da YouTube nie für Nutzer unter 13 Jahren ausgelegt gewesen sei, würden diese Änderungen nun umgesetzt. So können keine Nutzer auf diese Funktionen zugreifen, ob Kinder oder Erwachsene.

YouTube reagiert damit auf Anforderungen aus der COPPA. Nach diesen müsste die Videoplattform das Einverständnis der Eltern einholen, wenn Daten von Kindern generiert und genutzt werden sollen. Das konnte die Plattform in der Vergangenheit nicht gewährleisten. Das Versäumnis, dieser Anforderung nachzukommen, kostete das Unternehmen vergangenes Jahr also eine Riesensumme. Jetzt beugt YouTube mit den inkraft getretenen Änderungen einem solchen Verstoß vor.

Sind Werbeumsätze gefährdet?

YouTube selbst verweist im Zuge der aktuellen Änderungen immer wieder auf die YouTube Kids App, die inzwischen auch über Desktop zugänglich ist.

Allerdings ist die Hauptplattform für Viewer und Creator meist verlockender. Für letztere besonders auch deshalb, weil dort die Monetarisierung stark vorangetrieben wird. Diese könnte nun bei Creatorn von Videos für Kinder einen Einschnitt erfahren.

Zwar ist Werbung im Kontext dieser Videos weiterhin erlaubt; doch sie bezieht sich auf den Videoinhalt, nicht auf etwaige Interessen des Viewers. Weniger personalisierte Videos ohne Korrelation zu den Nutzerdaten dürften für Werbetreibende wiederum weniger vielversprechend klingen. Deshalb könnten einige Creator nun Ausfälle bei den Werbeeinnahmen befürchten. Wie groß die Auswirkungen tatsächlich sein werden, lässt sich noch nicht ermessen. Der Impuls, Content für Kinder stattdessen zunehmend auf anderen Plattformen – wie etwa TikTok – zu monetarisieren, mag dann naheliegen. Allerdings gelten die Bestimmungen der COPPA für jegliche Dienste in den USA.

Definition von Content für Kinder bei YouTube

YouTube stellt klar, dass Creator unabhängig von ihrem Standort die Regeln der COPPA zu befolgen haben. Außerdem sind sie dazu verpflichtet, Kids Content als solchen zu kennzeichnen. Im YouTube Support heißt es:

Wir verlassen uns auf deine Angaben, ob deine Inhalte für Kinder bestimmt sind. Du kennst deine Inhalte am besten. Wir vertrauen darauf, dass Creator ihre Inhalte korrekt kennzeichnen, und ändern die ausgewählte Zielgruppe nur bei Fehlern oder Missbrauch. Sobald du deine Zielgruppe angegeben hast, beschränken wir basierend auf dieser Einstellung möglicherweise die Verwendung und Erhebung von Daten.

Das ließe die Option offen, Inhalte für Kinder nicht zu kennzeichnen, um keine Engagement- oder Monetarisierungs-Optionen zu verlieren. Kommt das aber heraus, könnte YouTube die Creator bestrafen. Die Plattform selbst stünde dann schlimmstensfalls wieder im Fokus der FTC oder anderer Aufsichtsbehörden. Wie schnell YouTube Kids Content auf seiner Plattform, der nicht als solcher gekennzeichnet ist, ohne entsprechende Meldung ausfindig macht, lässt sich von außen jedoch nicht erahnen.

YouTube beziehungsweise Google wird seinen Werbekosmos wohl nur ungern einer Beschränkung aussetzen, wie sie aus den Änderungen bei den Videos für Kinder hervorgehen könnte. Allerdings will sich das Unternehmen womöglich auch nicht erlauben, in der Öffentlichkeit erneut als unsichere Plattform für Kinder dazustehen – von den Strafen einmal abgesehen. Der Schutz der Privatsphäre der Kinder sollte nun also bei YouTube deutlich erhöht werden. Diese eher forcierte Neuerung könnte aber ein konkretes Beispiel dafür werden, wie die Abkehr von spezifischen Datensammlungen zum Problem für Advertiser und ihr Targeting wird.

Wer für seine Inhalte prüfen möchte, ob es sich nach YouTubes Richtlinien um Kids Content handelt, kann im Support die Definitionen dafür finden.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik ist studierter Literatur- und Medienwissenschaftler und schreibt für OnlineMarketing.de seit Jahren über diverse Themen im Digital-Marketing-Bereich. Von der Mobile-First-Indexierung über die DSGVO bis hin zum Aufstieg von TikTok hat er schon manche Entwicklung der Branche begleitet.

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