Politik

Werden bei YouTube Daten von Kindern zu Geld gemacht?

In den USA kommt es zur offiziellen Beschwerde gegen YouTube. Der Grund: Google wird vorgeworfen zu wenig für den Schutz der Privatsphäre der Kinder zu tun.

© Kelly Sikkema - Unsplash

Die Verwendung von Nutzerdaten großer Plattformen steht nicht erst seit dem Facebook Datenskandal unter scharfer Beobachtung. Bei dieser wichtigen Thematik werden immer wieder Fragen an Facebook, Google und Co. gestellt. Jetzt kommt es zur Beschwerde gegen YouTube, weil der Plattform eine Missachtung des Children’s Online Privacy Protection Act (COPPA) vorgeworfen wird.

Beschwerde vonseiten der Verbrauchergruppen

In den USA haben sich die Campaign for a Commercial-Free Childhood (CCFC) und das Center for Digital Democracy mit 21 weiteren Organisationen zusammengetan, um vor der US-amerikanischen Federal Trade Commission Beschwerde gegen die Videoplattform YouTube einzulegen. Dabei verschreiben sich die Gruppen dem Schutz der Privatsphäre von Kindern im Online-Raum. Im Rahmen dieser Tätigkeit empfinden sie die Haltung YouTubes und damit auch Googles gegenüber dem Children’s Online Privacy Protection Act (COPPA) als unangemessen. Bei Marketing Land berichtet Robin Kurzer von diesem Vorgehen.

Nun hat die Campaign for a Commercial-Free Childhood auf der eigenen Website erst gestern ein Statement zur Thematik veröffentlicht. Darin heißt es, dass Google nicht einmal versuche, sich an die Richtlinien des COPPA zu halten. Während es in den Richtlinien YouTubes zum Jugendschutz heißt, dass Jugendliche „ein wichtiger Teil der YouTube-Community“ sind, aber Kinder unter 13 Jahren kein Google-Konto einrichten dürfen, ist nicht von der Hand zu weisen, dass ebenso die jüngeren Kinder sehr viel auf der Plattform unterwegs sind. Im offiziellen Dokument der Beschwerde werden Statistiken angeführt, nach denen 2017 ganze 80 Prozent der Sechs- bis Zwölfjährigen US-amerikanischen Kinder sogar täglich auf YouTube unterwegs waren.

Die Anklage der Verbrauchergruppen

Im CCFC-Statement wird die eigentliche Anschuldigung gegenüber der Videoplattform deutlich:

Our coalition is calling on the FTC [Federal Trade Commission, Anmerkung d. Red.] to hold Google accountable for serious COPPA violations: collecting billions of data points from millions of children and making untold amounts of money off the use and sale of that data without ever telling parents. This illegally-collected data includes things like location and browsing habits, and Google uses it to target ads to people across the internet, including across different devices.

Im Beschwerdedokument werden Beispiele für auf Kinder ausgerichtete Werbevideos angegeben.

Werbung für Kinder bei YouTube aus dem Dokument zur Beschwerde vor der FTC, © Center for Digital Democracy et al.

Bei der Werbung für die Barbie darf vermutet werden, dass Kinder unter 13 Jahren angesprochen werden sollen – und für das Anschauen von Videos braucht es schließlich kein Konto. Genau an dieser Stelle liegt nun ein Knackpunkt, den die Organisationen anprangern. Denn laut COPPA müsste YouTube ein Einverständnis der Eltern für das Sammeln, Nutzen oder Offenlegen von persönlichen Informationen der Kinder erlangen.

Das geht aus dem zentralen Abschnitt „SEC. 1303. REGULATION OF UNFAIR AND DECEPTIVE ACTS AND PRACTICES IN CONNECTION WITH THE COLLECTION AND USE OF PERSONAL INFORMATION FROM AND ABOUT CHILDREN ON THE INTERNET“, Satz 1, (b) (A) (ii) hervor. Dort ist von dem Erhalt von „verifiable parental consent for the collection, use, or disclosure of personal information from children“ die Rede. Allerdings wird im Folgenden die Notwendigkeit des Mitwissens der Eltern relativiert; doch bei genauem Hinsehen kann YouTube sich wohl nicht auf diese Angaben stützen.

Regulierung zum Schutz der Kinder?

So gibt die Campaign for a Commercial-Free Childhood sogar an, dass Google beziehungsweise YouTube das Gesetz umgeht und von den Daten der unter 13-Jährigen – darunter Lokaldaten oder Browsergewohnheiten – profitiert. Daher rufen die an der Beschwerde beteiligten Organisationen dazu auf, dass die großen Plattformen besser reguliert werden. Dem ist gerade in Bezug auf die Nutzungsgewohnheiten von Kindern im Netz zuzustimmen. Denn Zehnjährige werden sich kaum Richtlinien durchlesen oder darauf achten, welche Daten sie durch bestimmte Einstellungen im Browser oder auf Plattformen preisgeben.

Dass YouTube und Google auf die Daten der Nutzer angewiesen sind, um Werbung zu verkaufen, ist dabei nur natürlich. Dennoch sind Beschwerden dieser Art, wenn sie rechtlich begründet sind, mehr als legitim. Daher wird es spannend sein, wie die Federal Trade Commission auf die Beschwerde reagiert. Welche Organisationen daran außerdem beteiligt ist, lässt sich dem Dokument entnehmen.

Letztlich bleibt unabhängig vom Ausgang dieser Affäre etwas Wichtigeres im Raum. Die Kinder müssen nicht nur geschützt, sondern vor allem frühzeitig über die Abläufe im Internet aufgeklärt werden. Gerade hinsichtlich der Verwendung ihrer und der Daten überhaupt. Vielleicht könnte YouTube sich in dieser Richtung engagieren. Und Stellung beziehen insofern, dass akzeptiert wird, dass jedes Kind, ob mit Konto oder ohne, als potentieller YouTube-Nutzer gilt. Demnach hat dann jedes Kind, vor allem aber auch dessen Eltern, ein Recht zu erfahren, dass es sich durch die Rezeption von Videos zur Zielscheibe von Werbung macht.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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