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Voicehub App: Social Media trifft Gruppen-Podcasts und Live-Unterhaltungen

Mit Voicehub startet derzeit eine App, die Live-Gruppen-Podcasts für spezifische Communities popularisieren möchte. In den USA hat Clubhouse das schon geschafft. Erfahre, was es mit Voicehub auf sich hat.

Voicehub App

© Voicehub, Anders Jildén - Unsplash

Wenn man sich die jüngsten Entwicklungen digitaler Kommunikationsplattformen anschaut, kann der Eindruck entstehen, dass die Digitalwelt vor einer großen Veränderung der Kommunikationspraxis steht. Denn gerade aufgrund der Coronakrise sind die Möglichkeiten, im Rahmen von Konferenzen oder Meetups mit branchenspezifischen Interessengruppen in den Austausch zu kommen, eingeschränkt worden. Diese oft produktive Kommunikation hat sich mehr und mehr in Videokonferenzen oder textbasierte Unterhaltungen verschoben. Doch insbesondere das – auch spontane – Formen von Fokus-Gruppen, ja regelrechten Hubs, und das unkomplizierte Format des Gruppengesprächs können die eigenen Entwicklungen und Ideen vorantreiben.

Im Silicon Valley sorgt mit Clubhouse bereits eine App für Furore, die quasi die Bildung von Audio-Chatrooms erlaubt – und inzwischen mit über 100 Millionen US-Dollar bewertet wurde. Hierzulande schickt nun Voicehub seine eigene interaktive Social Podcast App in den Test. Was genau die Voicehub App möglich macht und warum sich die Hubs darin deutlich von bekannten Social Media distanzieren, erklärt uns der Gründer Tom Mayr.

Audio meets Chat Hubs: Unerschöpfte Potentiale nutzen

Audio-basierte Inhalte wie Podcasts erfreuen sich schon seit Jahren großer Beliebtheit, was Plattformen wie Spotify längst zu Influencern des Nutzungsverhaltens vieler User gemacht hat. Trotzdem ist der digitale Audio-Markt in anderen Kontexten als jenem des Audio-Konsums noch weniger weit entwickelt als die visuell beherrschten Plattformen wie Instagram oder TikTok. Raum für einen Austausch in Interessengruppen bieten große soziale Medien wie Facebook mit den Messenger Rooms oder Unternehmen wie Google und Microsoft dank Hangouts, Meet oder Skype und Teams an. Innovativ erscheint jedoch die Kombination der Vorteile von geschlossenen Hubs für einzelne Gruppen und der speziell auditiven Kommunikation – die ähnlich wie bei Podcasts – Spielraum für eine Parallelnutzung lässt.

Apps zur Förderung themenspezifischer Diskussionen auf Audio-Basis könnten im Business-Kontext besonders an Gewicht gewinnen. Denn Social Distancing und eine ohnehin immer digitalaffinere und -zentriertere Gesellschaft sorgen für eine Verlagerung von kreativen Zusammenkünften in den digitalen und dabei sehr oft Mobile-Kosmos. Zu Voicehub, einer App in der sich Menschen mit den gleichen Interessen austauschen und miteinander in Verbindung treten können, erklärt der Gründer Tom Mayr dementsprechend:

Tom Mayr von Voicehub
Tom Mayr von Voicehub, © Voicehub

Audio ist über die letzten Jahre bereits stark gewachsen. Amazon Echo, Google Home und AirPods haben das Wachstum im Markt befeuert und unter anderem dazu beigetragen, dass der Konsum von Audio-Inhalten extrem angestiegen ist. Voicehub bietet da zusätzlich einen neuen Ansatz. Wir ermöglichen es Menschen aus aller Welt untereinander in den Austausch zu kommen und gemeinsam extrem einfach Audio-Inhalte zu erstellen. Ohne teures Equipment zu kaufen oder Gäste zu Interviews einzuladen. Das stößt gerade in Zeiten von Social Distancing und geringerem Reiseaufkommen auf großes Interesse.

Mayr und sein Team schicken die gerade entwickelte App derzeit in einen Beta-Test mit 100 Usern, darunter auch VCs aus den USA. Gleichzeitig untermauert die App Clubhouse in den USA, wie relevant ein solches Medium werden kann. Denn Clubhouse hatte vor Kurzem noch weniger als 5.000 Beta-Test-User, wie Forbes berichtet. Trotzdem wurde die App mit über 100 Millionen US-Dollar bewertet, da die renommierte Risikokapitalgesellschaft Andreessen Horowitz ein Series A Funding auf den Weg gebracht hatte, das laut Forbes mindestens zehn Millionen US-Dollar an Vorabkapital beinhaltete. Für den Boost in Sachen Popularität und das finanzielle Interesse sorgte unter anderem ein Auftritt des Comedy Stars Kevin Hart, der in einem der virtuellen Chat Rooms auftrat.

Bei Clubhouse können User Pop-up Audio Chat Rooms nutzen. Sie verschwinden nach dem Ende des Meetups. Die Spontaneität dieser Kommunikation soll zu ihrem Reiz beitragen. Bei der New York Times wird Sonia Baschez, eine Digital-Marketing-Beraterin und Beta-Userin von Clubhouse, wie folgt zitiert:

It’s like walking into a party where you know people are ready to mingle. Sure, you could be talking to people on the phone, but that just seems so weird. You’re not forced to be part of the conversation the entire time on Clubhouse. You can just listen to other people talking about interesting subjects and jump in when you want.

Das ermöglicht also auch ungeplantes Reinhören bei interessanten Konversationen. So habe Baschez mit der App täglich drei bis fünf Stunden für den Job verbracht.

Wie interaktive Live Podcasts: Voicehub geht einen ähnlichen Weg

Mit Voicehub möchten Tom Mayr und sein Team eine neue Art von Live-Unterhaltungen ermöglichen, die Live Groups genannt werden. Hierbei können Zuhörer auch ganz einfach zu Moderatoren werden und selber an Gesprächen partizipieren. Es ist praktisch eine sehr interaktive Art von Podcasts.

Bei Voicehub finden sich diverse Hubs mit mehreren Live-Gruppen, © Voicehub
Bei Voicehub finden sich diverse Hubs mit mehreren Live-Gruppen, © Voicehub

Mayr eklärt, dass die Live Group Podcasts in einzelnen Communitys stattfinden, die auf Voicehub Hubs heißen. In Hubs können Nutzer mit den gleichen Interessen an einem Ort zusammenzukommen und durch Gespräche miteinander connecten. Zusätzlich gibt es die Option entweder während der Live-Gruppen oder zu einem beliebigen Zeitpunkt kleine Audio Snippets aufzunehmen, um weitere Beiträge in Form von Mini-Podcasts innerhalb der Hubs zu teilen.

Ansicht eines spezifischen Hubs, © Voicehub
Ansicht eines spezifischen Hubs, © Voicehub

Voicehub möchte dabei möglichst für alle Themenbereiche ein Zuhause schaffen, ob für Nischenthemen oder große Diskurse.

Unser größtes Ziel ist es, dass in der Zukunft jeder, egal woher er oder sie kommt und an was sie interessiert sind, auf Voicehub kommen kann und andere Menschen findet, mit denen über Themen gesprochen werden oder bei deren Unterhaltungen zugehört werden kann,

so Mayr. Trotzdem stehen während der Testphase zunächst ganz konkrete Communities im Mittelpunkt. Denn Voicehub müsse sich die Frage nach dem eigenen Mehrwert stellen.

Einfach gesagt: Welche Probleme können dadurch gelöst werden, dass Menschen miteinander reden?

Ein konkretes Beispiel ist der BeforeThePodcast Hub. In dieser Community geht es darum, jungen Podcastern oder Usern, die einen Podcast produzieren wollen, dabei zu helfen ihren Podcast richtig an den Start zu bringen. In der Community gibt es bereits einige erfahrene Podcaster, die ihre Erfahrungen und Learnings teilen. Des Weiteren hat Voicehub aber auch Hubs für User, die als Unternehmer oder Investoren arbeiten. Dort geht es vor allem darum, sich mit anderen zu verbinden und Erfahrungen auszutauschen und bei interessanten Gesprächen zuzuhören. Eine Praxis, die besonders bei Konferenzen zum Tragen kommt – aber 2020 in den Hintergrund treten musste.

Was Voicehub Usern bieten möchte, © Voicehub
Was Voicehub Usern bieten möchte, © Voicehub

Was Voicehub von anderen Community-Plattformen unterscheidet

Auf Voicehub ist es nicht möglich, einem Hub beizutreten und einfach den Link zur eigenen Webseite irgendwo zu posten. Das klinge zunächst nicht besonders wichtig, mache aber einen großen Unterschied, erläutert Tom Mayr. Denn auf Voicehub gehe es darum, echte Beziehungen zu den anderen Menschen aufzubauen und einander zu unterstützen, indem man miteinander redet.

Jeder von uns ist schon mal einer Community beigetreten und musste feststellen, dass es eigentlichen gar keine Community ist, sondern die Nutzer diese Gruppe nur dafür nutzen, um Links zu ihren Websites zu teilen. Auf Voicehub kommt man nur weiter, wenn man aktiv Beziehungen zu anderen Nutzern aufbaut.

Personenübersicht in einer Live-Gruppe. Auch die Option, nur zuzuhören, besteht, © Voicehub
Personenübersicht in einer Live-Gruppe. Auch die Option, nur zuzuhören, besteht, © Voicehub

Dass die Kombination von sozialen Elementen und Business-Interessen funktional sein kann, beweist der Erfolg der Plattform LinkedIn. Dort verschwimmen zusehends private und geschäftliche Interessen, während auch die Sprachnachricht im Messenger an Frequenz gewinnt. Eine Erfolgsgarantie bieten die derzeit guten Voraussetzungen und technischen Entwicklungsstände den App-Betreibern jedoch nicht.

Die Risikokapitalgesellschaften in den USA haben bereits auf Clubhouse gesetzt. Dabei ist längst nicht klar, ob die App nur einem Hype unterworfen ist oder sich langfristig als relevante Plattform oder als alltägliches Tool zur Kommunikation etablieren kann. Da sich die Digitallandschaft und insbesondere das noch stiefmütterlich bestellte Audio-Feld einem ständigen Wandel ausgesetzt sehen, könnten Audio Chats oder Live-Podcast-Gruppen wie bei Clubhouse und Voicehub vom Hype zum echten Trend werden. Dafür gilt es allerdings, eine Notwendigkeit, ja vielleicht sogar eine intrinsische Motivation für die Nutzung dieser innovativen Apps zu vermitteln. Der Beta-Test Voicehubs dürfte hierzu erste wichtige Erkenntnisse liefern. Zu den Pionieren eines möglichen Wandels im Mediennutzungsverhalten gehören die Macher in jedem Fall.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik ist studierter Literatur- und Medienwissenschaftler und schreibt für OnlineMarketing.de seit Jahren über diverse Themen im Digital-Marketing-Bereich. Von der Mobile-First-Indexierung über die DSGVO bis hin zum Aufstieg von TikTok hat er schon manche Entwicklung der Branche begleitet.

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