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Vertrauliches Dokument: Wie Yelp Googles Suchergebnisse prüft

Stiehlt Google nun Traffic von anderen oder nicht? Jetzt tauchte eine Präsentation der Bewertungsplattform Yelp auf, die genau das untersucht.

© Yelp via TechCrunch

Jüngst landete eine Präsentation von Mitarbeitern des Bewertungsportals Yelp im Netz, die eigentlich für interne Recherchen gedacht war. Das Dokument bietet Spielraum für Interpretationen. Zwei gegensätzliche Positionen stellen wir hiermit vor.

Das Problem

Google steht schon seit jeher in der Kritik, Traffic auf die eigenen Produkte umzuleiten und Konkurrenten in den Suchergebnissen benachteiligt zu positionieren. Daher ist es nicht gerade verwunderlich, dass auch bei Yelp die Vermutung aufkam, dass Google bei einer expliziten Suche nach dem Bewertungsportal seine eigenen Dienste in den Vordergrund rückt. Dies führte zu einer internen und vertraulichen Studie, die der Sache auf den Grund gehen sollte. TechCrunch berichtet weiterhin, dass das EU Antitrust-Verfahren Einfluss auf die Entscheidung zu der Untersuchung hatte.

Die nun veröffentlichten Präsentationsfolien mit den Ergebnissen der Studie stellt TechCrunch hier zu Verfügung. So kann jeder selbst darüber urteilen, ob Google Traffic „stiehlt“ oder eben nicht.  Josh Constine von TechCrunch spricht von 20 Prozent an Klicks, die Google anstatt sie Yelp zuzuspielen, auf Google+, Google Places und Google Maps umleitet. Danny Sullivan, Founding Editor von Search Engine Land, behauptet das Gegenteil. Seiner Meinung nach ist die Einmischung vonseiten der Suchmaschine nicht in dem Maße präsent, wie es Constine darstellt. Nun ist es sicherlich schwierig herauszufinden, was die Mitarbeiter von Yelp glauben und die Folie mit den Schlussfolgerungen bedeutet nicht, dass diese auch so angenommen wurden. Doch ein genauer Blick auf das Dokument eröffnet durchaus interessante Einsichten.

Die Studie

Die Ausgangslage bilden zwei Suchanfragen. Eine Google-Suche nach „gary danko sf“, einem Restaurant mit berühmten Chefkoch in San Franciso, liefert die folgenden Ergebnisse:

via TechCrunch

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An erster Stelle erscheint die Homepage des Restaurants mit Rezensionen auf Google Places und Google+ Seiten (betitelt als Google+ Barnacle). Auf der rechten Seite finden sich ein Google Maps Link und weitere Google Dienste (zusammengefasst als Google+ Card). Die Seite von Yelp erscheint an zweiter Stelle als erstes Element der organischen Suchergebnisse. Fügt ein User in der Suche nun den Term „yelp“ hinzu, präsentiert sich dem Interessenten folgende SERP:

via TechCrunch

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Die erste Website ist wiederum die des Restaurants mit den gekoppelten Google Diensten. Erst dann folgen die Yelp Treffer. Dies nahm Yelp zum Anlass, besagte Studie durchzuführen und ließ mit der Plattform vertraute Probanden die zweite Suchanfrage stellen. Dann untersuchten die Mitarbeiter, auf welche Links die 209 Teilnehmer klickten. An dieser Stelle sollte man bereits erwähnen, dass 209 Probanden nicht sehr repräsentativ sind.

Dies sind die Ergebnisse:

Studie Yelp

via TechCrunch

167 Klicks gingen an Yelp, 40 an Google+ Dienste und zwei an „Andere“. Die Schlussfolgerungen des Bewertungsdienstes sehen so aus:

via TechCrunch

via TechCrunch

Die Präsenz der Google-Produkte ist laut diesen Ergebnissen demnach gewollt und zielt darauf ab, Traffic umzuleiten. Diesen beziffert Yelp mit 20 Prozent. Allerdings hält die Folie weiterhin fest, dass der gesamte Traffic der Plattform davon nicht negativ beeinträchtigt wurde.

Die Gegenposition

Danny Sullivan stellt diese 20 Prozent der Klicks hingegen in Frage und verweist auf eine genauere Betrachtung der Studie. Das erste Suchergebnis, die Website des Restaurants, kann seiner Meinung nach einen Großteil des Traffics für sich beanspruchen, der Google zugerechnet wird:

The study counted any click in this area as a Google+ Local click, regardless of whether the clicks actually led to content on Google+, Google Maps or instead to the restaurant itself. […]  No one actually clicked on the link for Google+ reviews. No one clicked on the link for the restaurant’s Google+ page. One single click happened on the ‚Write a review‘ link.

Nach seiner Rechnung kommt er auf 1,4 Prozent Traffic für Google, anstatt auf ein Fünftel, wie die Studienergebnisse vermitteln. Er führt weiterhin eigene Suchanfragen durch und zeigt, dass Yelp keinesfalls von Google benachteiligt wird, wenn User nach „gary danko reviews“, „gary danko“ oder „gary danko yelp reviews“ suchen und nennt die Arbeit des Suchmaschinenriesen „a pretty decent job“ im Hinblick darauf, dass Yelp im Prinzip ein Konkurrent ist.

Wie beurteilt ihr die Ergebnisse der Studie? Handelt Google fair, oder positioniert sich die Suchmaschine mit ihren Diensten vorteilhafter als die Konkurrenz?

 

Über Anton Priebe

Anton Priebe

Anton Priebe ist Redaktionsleiter und seit Ende 2013 bei OnlineMarketing.de aktiv. Der studierte Germanist und Soziologe fokussiert sich auf Technologie, kreative Marketingstrategien und SEO. In seiner Freizeit klettert Anton gerne Wände hoch, bereist die Welt und freut sich über gutes Essen oder neue Musik.

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