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User Privacy Test: Zeichnet Google Gesagtes sogar bei geschlossenem Browser auf?

Ein YouTuber zeigt in einem Live-Video vermeintlich, dass Google beim geschlossenen Browser dein Mikro abhört, um zielgerichtet Werbung zu schalten.

© Nathaniel dahan - Unsplash

Der US-amerikanische YouTuber Mitchollow fragte sich aufgrund der aktuellen Facebook-Skandale, ob auch Google dein Mikrofon abhört und Gesagtes aufzeichnet. Dazu schaltete er vor gut einer Woche ein Live-Video auf YouTube. Mit einer über halben Millionen Klicks machte Mitchollow auf das brisante Thema aufmerksam.

Die Ausgangssituation des Live-Tests

Der YouTuber Mitchollow wollte wissen, ob Google und Facebook ihm zuhören, selbst wenn er seinen Browser geschlossen hat. Um das zu testen, startete er ein Live-Übertragung auf der Plattform. Dabei nutze er Google Chrome in Verbindung mit Windows 10. Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, entschied er sich die Werbeanzeigen zu beobachten.

Er hält ein Din A4-Blatt hoch, auf dem er das Thema geschrieben hat, mit dem er Google enttarnen will: dog toys. Zu Beginn öffnet er diverse Websiten, ohne dass er einen Hund besitzt oder jemals zuvor nach Hundespielzeug gesucht hat. Wie erwartet ist keine Werbung für Spielzeugknochen oder Hundekörbchen auffindbar. Nachdem er die Ausgangssituatuion präsentiert hat, schließt er seinen Browser und beginnt sich ausführlich über Hundespielzeug auszulassen. Er wiederholt das Wort viele Male, betont, dass er unbedingt Spielzeug für sein Haustier kaufen möchte. Knochen, gelb oder schwarz, etwas, auf dem sein Hund kauen kann, aber die Dinge sollen auch nicht zu teuer sein. Nach einer guten Minute, in der der YouTuber lautstark sein Interesse an Hundespielzeug propagiert hat, öffnet er erneut seinen Browser.

Für Mitchollow ist das Ergebnis eindeutig

„Oh my goooood“, dröhnt es aus Mitchollows Mundwerk. Auf den angeklickten Websites ist in fast allen Fällen Hundespielzeug und -zubehör zu finden. „Everybody burn your microphones!“, dramatisiert er seinen Live-Beweis. Er ist sichtlich überrascht und meint, dass es schlichtweg unmöglich sei, dass es geklappt hat. Tatsächlich prangt auf vielen Seiten, die Mitchollow ausgewählt hat, Werbung für Hundezubehör. In diesem Zuge fragt sich der YouTuber, ob Google seine scheinbar aufgezeichneten Worte sogar speichern würde. Bei geschlossenem Browser erwähnte der Mitchollow, dass er auch gerne einen gelben oder schwarzen Knochen kaufen wollen würde. Nun stößt er tatsächlich auf eine Werbeanzeige für einen schwarzen Spielzeugknochen. Der YouTuber fällt aus allen Wolken: „No way, that’s insane!“

Kritik am Experiment: Wahrheitsgehalt wird infrage gestellt

Neben vielen zustimmenden Meinungen werden unter den YouTube-Usern allerdings auch kritische Stimmen laut. Mitchollow könnte unter den Nutzungsbedingungen für Google natürlich den Zugriff auf sein Mikrofon verweigern. Zudem klickt er gleich auf die erste Werbeanzeige für Hundespielzeug. Allein deshalb ist es schon wahrscheinlicher, dass ab jetzt mehr Werbung für Hundezubehör geschaltet wird. Ein User hebt zum Beispiel hervor:

Okay, at the first look this is clearer evidence then I’ve seen before. But by clicking in the first ad for dog toys he saw, he influenced the ads for the next pages. Also he went to petsmart and then of course the next ad is gonna be for petsmart again.

Viele kommentieren, dass das zweifelsfrei ein gefälschtes Video sei. Noch jemand erklärt, dass es bei einem selbst nicht funktionieren würde:

Try doing this yourself, it doesn’t work. Obviously staged but definitely funny. I had a good laugh.

Die Personen, die das Video gesehen haben, sind zweigeteilter Meinung. Die einen sind sich sicher, dass Google die User belauscht, die anderen sind der festen Überzeugung, dass dies realtitätsfern sei. Unabhängig davon, ob das Video nun gestellt ist oder nicht, ist Googles Algorithmus letztendlich so präzise, dass er die Verhaltensmuster der jeweiligen Nutzer gut kennt und in der Lage ist zu errechnen, was wir uns als nächsten anschaffen wollen könnten, ohne dass wir es bis dato in Erwägung ziehen. Diese Tatsache kann User verständlicherweise verwirren. Ob das Video nun Fake ist oder nicht, der Google-Algorithmus kennt jeden von uns. Die hohe Klickzahl des Videos zeigt, dass die Thematik viele User interessiert, ja sogar verunsichert.

Über Maja Hansen

Maja Hansen

Seit 2017 unterstützt Maja die Redaktion von OnlineMarketing.de. Dabei widmet sie sich primär dem Karrieremagazin mit den Themenfeldern rund um Jobs und Karriere, schreibt aber auch über digitales Marketinggeschehen.

Ein Gedanke zu „User Privacy Test: Zeichnet Google Gesagtes sogar bei geschlossenem Browser auf?

  1. Marco Uras

    Die Geschichte ist ganz sicher überzogen und wie geschildert, wurde am Ende der Eindruck durch den ersten Klick auf die Anzeige auch noch forciert. Trotzdem musste ich gleich an ein eigenes Erlebnis denken. In meinem Fall ging es um die Kamera und nicht das Micro. Ich genehmigte mir bei der Arbeit ein Stück Schokolade, kurz darauf erschien eine Anzeige: wollen sie 5 kg Schokolade gewinnen. Von da an belächelte ich niemanden mehr, der seine Kamera zuklebt.

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