SEO - Suchmaschinenoptimierung

Linkjuice gegen Bares: Linkkauf an der TU Dresden?

Handelt die sächsische Elite-Universität mit Links? Seltsam platzierte Links legen den Verdacht nahe – und das gilt nicht nur für Dresden.

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Während es sich in der Branche spätestens seit Googles Penguin-Update herumgesprochen hat, dass Linkkauf nicht zu den SEO-Maßnahmen erster Wahl zählen sollte, ist das allem Anschein nach noch nicht in Sachsen angekommen.

Auffallend viele Links ohne Bezug

Öffentliche Universitäten sind weitestgehend unabhängige, werbefreie Räume, in denen wissenschaftlich fundierte Fakten gelehrt werden. Dass das so nicht ganz der Fall zu sein scheint, zeigt ein bereits seit einigen Jahren bekanntes Phänomen an mindestens zwei Universitäten in Sachsen, in denen offenbar noch immer Linkkauf betrieben wird. Dass die Lehranstalten weitestgehend staatlich finanziert werden, um sich ihre Unabhängigkeit zu wahren, ist ein pikantes Detail, sollte sich der Linkkauf als echt herausstellen.

Sammy Zimmermanns von Zimmermanns Internet & PR-Beratung veröffentlichte kürzlich einen Artikel mit seinen Funden auf der Webseite der Technischen Universität Dresden. Die dort entdeckten Links zu externen Seiten sind Dofollow und vermutlich gehandelt worden. Klickt man sich ein wenig durch die Seiten der TU, sind tatsächlich auffallend viele Links platziert.

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Gutscheine für Studenten

Auch auf der Unterseite Forschung werden keine Gefangenen gemacht und völlig irrelevante Links platziert:

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Kaffeevollautomaten und Autowaschprodukte

Auf die Spitze treibt es der Ratgeber-Blog der Uni, in dem sich ein Artikel nach dem anderen aneinanderreiht, die überwiegend in keinen Zusammenhang mit Wissenschaft oder Forschung zu bringen sind.

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Das Vorgehen ähnelt sich in allen Fällen: Es wird eine (weit hergeholte) Brücke zum Kontext geschlagen ( a lá „Pauken macht müde, mit einem Kaffeevollautomaten kann man dem entgegen wirken“ oder „Es gibt schlimmere Studentenjobs als Autowäscher, vor allem mit den Produkten von xyz…“) und ein bis zwei Links der TU Dresden sowie ein externer, werblicher Link integriert.

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Lange bestehender Vorwurf ohne Konsequenzen

Der Vorwurf des Linkkaufs ist dabei nicht neu. Bereits vor über einem Jahr wurde in Googles Produktforen ein Thread zu dem Thema eröffnet. Der Ersteller hatte die Links auf der Webseite der TU Dresden sowie auch auf der Webpräsenz der TU Chemnitz entdeckt und die Frage gestellt, warum es seitens Google trotz einer Meldung zu keiner Abstrafung gekommen sei. Laut eines Google-Mitarbeiters habe es diese gegeben, sie sei allerdings nicht unmittelbar erkennbar. Weitere User monierten indes, dass auch nach langer Beobachtung kein Abfall im PageRank zu verzeichnen gewesen sei.

Es ist schon richtig, dass Studenten in den meisten Fällen über ein geringes Einkommen verfügen und Tipps zum Geld sparen stets herzlich willkommen sind. Eine Universität allerdings sollte sich nicht dazu berufen fühlen, unter dem Vorwand der Hilfestellung abhängige Tipps zu geben, in Wirklichkeit aber ihren guten Ruf zu monetarisieren. Es ist aber nicht in erster Linie die verkaufte Unabhängigkeit, die Bauchschmerzen bereitet, obwohl dieses Vorgehen auch für andere von Googles Richtlinien untersagt wird. Eine zusätzliche, auch nicht gerade unwichtige Frage ist, wohin das Geld fließt? Im Falle der TU Chemnitz wird die Webseite von der Agentur Scharfe Media geführt. Ob die Integration von externen Unternehmen aus der freien Wirtschaft, die überhaupt keinen Bezug zur Universität geschweige denn dem Studieren haben, auf die Agentur zurückgeht oder auf die Uni, bleibt fraglich.

Die TU Dresden hat zwischenzeitlich eine Stellungnahme dazu abgegeben:

















Mit Online-Werbung im Internet arbeitet die TUD schon seit Dezember 2000. Wir arbeiten dazu mit der Vermarktungsagentur CAMPUS-SERVICE GmbH zusammen,  die ihren Sitz in Köln hat und bundesweit über 350  Hochschulen und Universitäten mit crossmedialem Hochschulmarketing betreut.
 Der Vertrag mit der Agentur regelt ganz klar die ethischen Grundsätze für beworbene Inhalte und die Reglementierung der Platzierung auf wenigen ausgewählten Webseiten (so ist z.B. eindeutig festgelegt,  dass es keine externe Werbung auf der Startseite der TU Dresden geben wird).
Aktuell existieren Links zu externen Anbietern im Fußbereich folgender Seiten:
 http://tu-dresden.de/die_tu_dresden
 http://tu-dresden.de/forschung
 http://tu-dresden.de/service
 die mit der Überschrift "Informationen von externen Partnern" eindeutig
 gekennzeichnet sind.
Seit Sommer 2013 bietet CAMPUS-SERVICE eine neue Werbeform an, die noch eindeutiger als externe Werbung gekennzeichnet ist: In einem Ratgeber-Blog (http://tu-dresden.de/service/inf_ex/ratgeber) werden redaktionelle Artikel mit Links zu externen Anbietern (so genannte Advertorials) - strukturiert nach den Kategorien
 - Gesundheit
 - Finanzen und Versicherungen
 - Lifestyle
 - Karriere und Bildung
 eingestellt.
 Die Seite verweist mit einer farbigen Überschrift sehr deutlich darauf, dass es sich um externe Informationsangebote handelt (Zitat: "Auf dieser Seite veröffentlichen wir Informationen von externen Partnern. Die dargestellten Inhalte liegen in der redaktionellen Verantwortung der jeweils benannten externen Partner.")
 Mit den Einnahmen, die die TU Dresden aus der Online-Werbung generiert, können über Honorarverträge wechselnd-aktuelle Aufgaben in der Öffentlichkeitsarbeit der Uni erfüllt werden.
 Die Einnahmen  der TU Dresden - so auch aus Onlinewerbung – werden gesetzeskonform im TU-Haushalt verarbeitet und versteuert.
Übrigens: CAMPUS-Service betreut nach meiner Erinnerung auch das Studentenwerk Dresden. Von den sächsischen Hochschulen vermarktet meiner Kenntnis zufolge noch die TU Chemnitz ihre Webseiten, allerdings selber, nicht über eine Agentur.

Über Tina Bauer

Tina Bauer

Studierte Sozialwissenschaftlerin mit Hang zu Online und Marketing. Seit 2014 als Redakteurin & Content Managerin bei OnlineMarketing.de.

5 Gedanken zu „Linkjuice gegen Bares: Linkkauf an der TU Dresden?

  1. Ralf

    …wie peinlich. Ihr seid echt die BILD-Zeitung der Onlinemarketingbranche geworden.

    Ich glaube, ich schreibe mal nen Blogpost über die Linkkauf-und Linkverkaufsaktivitäten der hier beteiligten aus den letzten Jahren.

    Antworten
  2. Uli Rzany

    Einen höheren Status (Authority) erhalten Hochschulen (Städte, Regierungseinrichtungen) von Google kostenlos – dieses Geschenk nun an Werbetreibende zu verramschen finde ich schäbig!

    Und dann die Stellungnahme!

    Mit einer „der Zweck heiligt die Mittel Argumentation“ das Unlautere mit hohen Kosten für die Öffentlichkeitsarbeit zu entschuldigen ist einer Universität nicht würdig.

    Es müssen jetzt keine neuen Regeln geschaffen werden oder Köpfe rollen. Nein. Ich bin einfach nur enttäuscht!

    Antworten
  3. Schaumschläger

    [Loriot] Ach!… [/Loriot] :-D
    Für mich stellt sich nur die Frage: Warum der Aufriss UND
    gibt es keine Ehre mehr in der SEO-Szene? Wenn man hier
    jede Linkquelle öffentlich macht, dann ist aber Action.
    Kindergarten ;-)

    Antworten

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