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Trumps Fake News Awards werden zur Farce – nicht nur dank eines 404 Errors

Donald Trumps Fake News Awards sind vergeben. Doch zunächst konnte keiner die Liste der „Gewinner“ sehen und neben Spott droht auch noch politischer Gegenwind.

© Flickr / Gage Skidmore, CC BY-SA 2.0

Die Fake News Awards, von US-Präsident Donald Trump als großes Ereignis angekündigt, werden auf verschiedenen Ebenen zur Lachnummer. Erst ein 404-Error, dann mangelnde Sachkenntnis, schlechte Presse und womöglich politische Konsequenzen. Doch zum Lachen ist das Phänomen nicht.

Fake News Awards eines Präsidenten: Eine Absurdität in sich

Donald Trump maßt sich an, Medienhäusern schlechte, ja falsche Berichterstattung zu unterstellen, wenn ihm diese nicht passt. Dass das nicht gerade demokratisch und zudem in einem politischen Amt wenig sachdienlich ist, scheint seine Anhänger kaum zu stören. Doch es unterminiert nicht nur seine Kompetenz, sondern trägt auch aktiv zur Spaltung einer Nation bei.

Mit den Fake News Awards wollte Trump den von ihm persönlich geächteten Medien Preise der Schande verleihen.

Schon die Ankündigung sorgte für Unmut und Ungläubigkeit.

Zunächst, so berichtet Sabrina Siddiqui im Guardian, sollte das „Event“ schon am achten Januar stattfinden, wurde aber auf den 17. verschoben. Angeblich tat man sich im Weißen Haus schwer damit, die Notwendigkeit der Veranstaltung zu demonstrieren. Während die Menschen in den USA dann am 17. lange auf eine TV-Show oder ähnliches gewartet haben, wurde von Trump selbst am Abend in einem Tweet die Liste der „Loser“, also Fake News Award-Gewinner, verlinkt.

Fehler über Fehler

Die nächste Peinlichkeit in dieser bitteren Komödie ließ nicht lang auf sich warten. Denn zunächst führte der Link die Nutzer auf eine Seite mit 404-Error, sodass niemand die Liste wirklich ansehen konnte.

Das Problem wurde in knapp einer Stunde behoben; doch dann war die Enthüllung wenig spektakulär. Die Website der GOP, des Republican National Committee, stellt dort elf Berichterstattungen an den Pranger.

Dabei wirkt diese Diffamierung nur wie ein persönlicher Rachefeldzug. CNN erhielt vier Plätze, die New York Times zwei sowie ABC, The Washington Post, Time und Newsweek je einen. Immerhin hat etwa die New York Times 122 Pulitzer Preise (beziehungsweise Zitate in der Siegerkategorie) vorzuweisen. Aber neben der lieblosen Aufzählung der „Loser“, die nur durch die Ergänzung „FALSELY“ legitimiert wird, fällt auch Unwissenheit auf. Wie etwa Twitter-Nutzer Johannes Hillje erkennt, erhält in Trumps Liste ein Kolumne von NYT-Journalist Paul Krugman Platz eins. Doch genau genommen sind Kolumnen Meinungen, keine News.

Zudem kann man Platz elf, der einfach der „RUSSION COLLUSION“ (Verdunkelung oder Absprache in Bezug auf Russland) zugesprochen wird, nur als Versuch verstehen, die Berichterstattung über die Ermittlung hinsichtlich des US-Wahlkampfes von 2016 als illegitim darzustellen.

Es darf angemerkt werden, dass Trump zumindest in einem Fall immerhin auf missverständliche und falsch dargestellte Berichterstattung abhebt und damit richtig liegt. Platz sechs schreibt er der Videoedition CNNs zu, nach der es aussah, als habe Trump beim Besuch bei Japans Premierminister Abe einige Kois maßlos und ungeniert überfüttert. Allerdings folgte er mit seiner Geste lediglich jener des Gastgebers, was die von GOP gepostete Darstellung des Guardian zeigt.

Keine Beachtung beim Ranking fand dagegen Showmaster Stephen Colbert, der sich sogar bei Twitter beworben hatte.

Trump macht sich mal wieder zur Lachnummer im Netz – und weiter?

Man wird einfach das Gefühl nicht los, dass der US-Präsident sich allerlei erlauben kann, ohne wirklich Gefahr zu laufen, seines Amtes enthoben zu werden oder anderweitige Konsequenzen fürchten zu müssen. Dabei geht der medial geschulte Trump die Dinge mit einem gewissen Kalkül an. Er baut auf klare Fronten. Denn mitunter resultiert aus seinen Provokationen eine Anti-Trump-Mentalität, die sich auch in undifferenzierten Berichten widerspiegelt. Es bleibt aber wichtig, gerade wenn es um Trump geht, seine Darstellungen auf Fakten zu stützen.

Die Spaltung des Landes geht derweil weiter. Nicht nur, weil selbst Politiker aus Trumps eigener Partei inzwischen derlei Taktiken für Verfehlungen halten.

Darüber hinaus verliert Donald Trump durch diesen PR-Stunt weiter an Glaubwürdigkeit, weil er sich mit der infantilen Herabsetzung renommierter Medienhäuser beschäftigt. Was ihn im Übrigen nicht davon abhält, ein so wichtiges Sprachrohr wie die NYT ebenfalls für sich zu nutzen. Auch in der ausländischen Berichterstattung erhalten die Fake News Awards vor allem Häme und Spott – aber auch Aufmerksamkeit. So hieß es laut dem Telegraph von einer Sprecherin der Republikaner:

Tonight, [the Republican Party website]  saw more traffic than ever before.

Das Denken über Fake News wird manipuliert

Und an dieser Stelle setzt mindestens in den USA ein Überdenken der Medienlandschaft ein, das die Demokratie und Pressefreiheit tatsächlich gefährdet. Denn laut einer Studie von Gallup, die im NYT-Bericht von Matt Flegenheimer u

Four in 10 Republicans consider accurate news stories that cast a politician or political group in a negative light to always be ‘fake news‘.

Dies sind beängstigende Aussichten für die US-amerikanische Medienlandschaft. Trumps Medienpolitik hat also bereits Wirkung gezeigt und man darf nicht den Fehler machen, seine Berechnung diesbezüglich als Stümperei misszuverstehen. Es gilt zu erkennen, was es eigentlich darstellt.

Und die Devise für demokratische und aufgeschlossene Menschen muss sein, die Kontexte und Perspektiven in den Medien zu betrachten. Fehler in der Berichterstattung sind ebenso möglich wie eine bestimmte Ausrichtung eines Medienhauses gegeben ist. Dennoch braucht es den – auch differenzierten – Journalismus, um nicht in eine despotische Gesellschaft zu rücken. Mutwillig falsche Berichterstattung, Diffamierungen usw. sind hingegen ein offener Angriff auf die Würde.

Als Optimist lässt sich Trumps Farce der Awards also auch als Appell an alle Nutzer und Leser sehen, der Faktizität und Rationalität ihren gebührenden Platz einzuräumen.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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