Social Media Marketing

TikTok von Scam überflutet: Fake-Accounts und sexuelle Inhalte vermehren sich rapide

Das stetige Wachstum von TikTok lockt auch Scammer an, die versuchen vom Content anderer zu profitieren und so Likes, Follower und Geld zu erhalten.

© tenable

Social Media-Plattformen sind ein gefundenes Fressen für Scammer. Gleichzeitig mit der Beliebtheit von Instagram, Facebook und Co. wuchs auch die Zahl der Fakes und anderer Betrüger. Kein Wunder also, dass besonders die stetig wachsende Plattform TikTok momentan mit einem großen Scam-Problem zu kämpfen hat. Das berichtet zumindest Satnam Narangfür tenable in einem 50-seitigen Bericht.

User werden zu pornografischen Inhalten weitergeleitet

TikTok teilt die Meinungen: Die einen finden die Plattform mit ihren kurzen Clips großartig, andere eher peinlich. Nichtsdestotrotz sprechen die eine Milliarde Downloads für sich. Scammer versuchen dementsprechend das wachsende Potenzial von TikTok zu nutzen. Eine wirklich perfide Art des Scams ist das Weiterleiten der User zu pornografischen Inhalten oder Datingseiten für Erwachsene. Gerade in Anbetracht der großen Zahl minderjähriger User ist dies problematisch. Hinzu kommt, dass die Scammer Videos von Frauen in Bikinis oder Sportkleidung von Instagram und Snapchat klauen, auf TikTok posten und dann, mit dem Versprechen auf Nacktfotos und Videos, die User zurück zu einem Snapchat Account locken. Hier wird zudem dazu aufgerufen, via PayPal Geld zu bezahlen, um Premiuminhalte sehen zu können. TikTok User werden so in die Irre geführt und zudem kann der Ruf der Frauen aus den geklauten Videos erheblichen Schaden nehmen.

TikTok selbst sagt, sie seien stetig dabei Fake und Scam, der den Richtlinien der Plattform widerspricht, zu löschen. Jedoch gab das Unternehmen keine Auskunft darüber, wie viele dieser Accounts sich schätzungsweise dort tummeln. Auch kann die Effektivität des Vorgehens gegen Scam infrage gestellt werden, denn durchschnittlich haben die betroffenen Accounts 650 Follower und über 1.700 Likes generiert, bis sie unschädlich gemacht wurden. In einem Extrembeispiel waren es sogar über 12.000 Follower.

Identitätsklau für mehr Likes und Follower

Eine weitere Form des Scams auf TikTok ist es, sich für eine andere Person auszugeben. Scammer stehlen die Inhalte beliebter TikTok-Influencer, übernehmen Profil-Beschreibung und Namen und erstellen so ihren Fake-Account der nur eine einzige Absicht verfolgt: Likes und Follower zu ergattern. Irgendwann, wenn die gewünschte Anzahl vorhanden ist, können die Scammer das Profil einfach in ihren eigenen Privataccount umwandeln und so von den bereits vorhandenen Followern profitieren. Dabei gibt es verschiedene Formen und Vorgehensweisen, die Scammer betreiben und die es schwer machen, den Fake zu erkennen:

1. Eine kleine Namensänderung

Die beliebte TikTok Influencerin Salice Rose hat immer wieder mit Fake Accounts zu tun. Ein beliebter Trick der Scammer hier ist, den Usernamen leicht zu verändern, meist indem untypische Buchstaben genutzt werden. Im folgenden Vergleich kann man sehen, dass das „s“ zum „ś“ und das „e“ zum „ē“ wurde. Usern wird es so erschwert, Fakes auf den ersten Blick zu erkennen. Und das, obwohl die echte Salice Rose durch den „Popular Creator“-Badge verifiziert ist.

© tenable

2. Eine Fan Page aufmachen

Im ersten Moment klingt es vielleicht wie eine Ehre, dass Fans ein Profil erstellen, um ihr Idol zu würdigen. Tatsächlich ist die Intention der meisten dieser Fan Pages jedoch lediglich, vom Erfolg der anderen Person zu profitieren. Diese Accounts klauen und posten ebenfalls die Inhalte beliebter TikTok Influencer und sammeln so Follower und Likes. Einige von ihnen haben den Begriff „Fan Page“ nicht einmal in ihrer Beschreibung erwähnt.

Dieses Beispiel zeigt eine Fan Page, die über 12.000 Follower generieren konnte mit den Inhalten einer anderen Person. © tenable

3. Zweitaccounts oder Backups

Einige Scammer gehen so weit, dass sie ihren Fake Account als Backup des Originals verkaufen, beziehungsweise schlichtweg als Zweitaccount. Dass sich durch diese hinterlistige Methode eine große Anzahl an Followern und Likes generieren lässt, zeigt das folgende Beispiel:

© tenable

Besonders schwierig wird das Erkennen von Fake Accounts, wenn diese eine Verifikation erhalten. Dies ist der beliebten Userin Liza Koshy passiert. Auf dem Originalprofil hat sie den „Popular Creator“-Badge. Ihr angeblicher Backup Account hat tatsächlich auch eine Verifikation erhalten, obwohl dieser nicht von Koshy geführt wird. Wie dies möglich wurde, ist nicht bekannt.

Aufgepasst auf Social Media

Natürlich gibt es auf TikTok neben den aufgezählten Scam-Methoden auch die auf anderen Plattformen übliche Crosspromo von Fake Account zu Fake Account, ebenso wie das Versprechen, man solle einer bestimmten Seite folgen, umso eine große Anzahl kostenloser Follower zu erhalten. Die Auswertung von tenable zeigt wieder einmal eindrucksvoll, dass wir als User auf Social Media-Plattformen immer zweimal hinsehen und nicht alles glauben sollten. Natürlich können wir selbst auch dazu beitragen, TikTok, Insta und Co. Fake-freier zu machen, indem wir entsprechende Seiten melden und blockieren. Doch die Anzahl dieser steigt stetig und ist kaum noch in den Griff zu bekommen.

TikTok gibt an, alle in dem Bericht genannten Accounts gelöscht zu haben und intensiv gegen Scam, der eindeutig gegen die Richtlinien verstößt, vorzugehen. Doch wie ist es dann möglich, dass die Plattform Fake Accounts eine Verifikation erteilt? Narang selbst schreibt in seinem Bericht, dass er denkt, die Scam-Aktivität auf TikTok stecke sogar noch in den Kinderschuhen und wir müssten uns auf noch mehr gefasst machen. Ob es wirklich so kommt, bleibt abzuwarten. Schlussendlich bleibt zu sagen: Wenn dir etwas auf Social Media suspekt vorkommt, halte dich lieber fern und falle nicht auf die betrügerischen Maschen der Scammer herein.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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