Marketing Strategie

The Italian Sabbatical: Airbnb schickt dich für 3 Monate nach Italien

Airbnb setzt sich für vom Verfall bedrohte Bergdörfer in Italien ein und sucht jetzt freiwillige Helfer, die dabei unterstützen.

Das beschauliche Dorf Grottole steht dank der Abwanderung junger Einwohner kurz vor dem Untergang.

Airbnb ist auf der Suche nach vier ambitionierten Menschen, um ihnen einen dreimonatigen Urlaub in einer der schönsten Regionen Italiens zu sponsern. Der Haken dabei? Es gibt keinen.

Italienische Bergdörfer leiden unter Landflucht

Um die Zukunftsaussichten junger Generationen ist es in urbaneren Gegenden weit besser bestellt als auf dem Land. Kein Wunder also, dass sie ihre heimatlichen Bergdörfer zugunsten der Städte scharenweise verlassen. Die Folge: Wachsender Leerstand und zunehmender Verfall der mitunter unter Denkmalschutz stehenden Gebäude. Um dem entgegenzuwirken und die historischen Dörfer vor dem Aussterben zu bewahren, hat der italienische Tourismusberater Giancarlo Dall’Ara das Konzept Albergo diffuso entwickelt – das über den Ort verteilte Hotel. Die Idee dahinter ist, die Attraktivität der Bergdörfer mittels Aufwertung für Touristen zu steigern und so die Landflucht der verbliebenen Einwohner einzudämmen. Die Touristen kommen dabei nicht einfach in Hotels unter, sondern werden zu einem Teil der Kommune. Statt neue Resorts hochzuziehen, werden die vorhandenen Gebäude umgenutzt und Touristen in unbewohnte Häuser einquartiert, die zu Unterkünften umfunktioniert worden sind. Die Besucher sollen sich so als Teil der Kommune fühlen und selbstverständlich auch die lokalen Angebote einheimischer Restaurants oder Einkaufsmöglichkeiten nutzen.

Airbnb ist Vermittler von privaten Unterkünften sowie Erlebnissen und damit eines Lebensgefühls: Wer mit Airbnb reist, der ist kein Tourist, sondern Entdecker und durch unmittelbare Nähe zu den Locals Mitglied einer Gemeinschaft – wenn auch nur für die Dauer seines Aufenthaltes. Man ist Zuhause, aber im Urlaub. Auf die Erfahrung beim Reisen zu Gast bei Jemandem zu sein, legen immer mehr Menschen Wert, weshalb sich Airbnb gerade bei Individualurlaubern einer großen Beliebtheit erfreut und mit seinem vielfältigen Entdeckungsangebot für Abwechslung sorgt. So können auf der Plattform nicht nur private Feriendomizile, sondern inzwischen auch Unternehmungen gebucht werden, wie etwa regionale Gerichte mit Einheimischen zu kochen oder Ausflüge angeboten von ebenjenen. Die Plattform ist weniger Dienstleister als Vermittler des Gefühls Teil einer Gemeinschaft zu sein. Und hier finden das Konzept des Albergo diffuso und das Airbnbs zusammen. Gemeinsam soll ein nachhaltiger Tourismus zur Rettung und Revitalisierung der vom Verfall bedrohten Bergdörfer gewährleistet werden.

Airbnb unterstützt aktiv beim Erhalt und der Revitalisierung vom Verfall bedrohter Gemeinden

Kampf ums Überleben: Das von der starken Landflucht gepiesakte Bergdorf Grottole ist nur eines von knapp 20.000 in Italien und soll durch Airbnb wieder zum Leben erweckt werden. Quelle: Wonder Grottole, The Italian Sabbatical

Bei dem in der süditalienischen Region Basilikata gelegenen Grottole handelt es sich um einen solchen Fall. In Partnerschaft mit dem kleinen Ort will Airbnb ihm nun wieder mehr Leben einhauchen. Aktuell leben in Grottole knapp 300 Einwohner, 600 Häuser stehen derweil leer und der historische Teil droht zu verfallen. Der Gedanke nachhaltigen Tourismus zu betreiben, passt auch in das Konzept Airbnbs: Ziel ist es nicht haufenweise Touristen in die Dörfer zu karren, sondern dass die Besucher sich für die Zeit ihres Urlaubes wie ein Teil der Gemeinschaft fühlen – und sich dort auch einbringen. Mit The Italian Sabbatical startet Airbnb nun gemeinsam mit der ortsansässigen Initiave Wonder Grottole eine Nonprofit-Kampagne für den Erhalt des Bergdorfes. Dazu stellt die Plattform die finanziellen Mittel zum Kauf und der Aufbereitung dreier Gebäude zur Verfügung, die in ein Gemeindezentrum umgewandelt werden sollen. Darüber hinaus finanziert Airbnb Sabbatical sowie Unterkünfte für vier Personen über drei Monate. Dabei verpflichten sich die Auserwählten lediglich dazu Unternehmungen in der „Entdeckungen“-Sparte der Plattform anzubieten und Events der Locals aktiv zu unterstützen.

Airbnb verhalf Civita schon 2016 schon zu neuem Leben. Copyright: Roberto Rosa, Airbnb

Airbnb setzt sich seit einigen Jahren für den Erhalt bedrohter Dörfer ein. Bereits 2016 verhalf die Plattform Civita, einer kleinen Stadt, etwa 120 Kilometer nördlich von Rom zu neuem Leben. Die von regelmäßigen Erdbeben geplagte Stadt hatte mit einer starken Abwanderung zu kämpfen und stand kurz vor dem Aussterben. Airbnb beteiligte sich an der Aufwertung und Vermietung eines verfallenen Gebäudes, das heute Künstlern und Reisenden zur Verfügung steht. Mit den Einkünften aus den Buchungen werden gemeinschaftliche Kunstprojekte finanziert und der Ort am Leben erhalten. Auch in Japan hat der Anbieter bereits ein solches Projekt ins Leben gerufen und mit dem Yoshino Cedar House ein Gemeindezentrum errichtet, um die kleine Stadt zu retten. War die Gemeinde noch vor wenigen Jahren vom Untergang bedroht, konnte Airbnb mit dem Aufbau des Zentrums und lokalen Entdeckungsangeboten einen nennenswerten Teil dazu beitragen, dass sie heute wieder Touristen anzieht, die in die Kultur eintauchen und mitten unter den Bewohnern leben wollen.

Das Yoshino Cedar House lockt Reisende in eine ursprüngliche Gegend Japans, deren Fortbestand lange nicht gesichert war. Mit dem Errichten des Gebäudes konnte Airbnb die Ökonomie der Gemeinde erfolgreich ankurbeln.

Vier Ambassadors für nachhaltigen Tourismus

Um Grottole vor dem Untergang zu bewahren und das Bergdorf auf den Plan von Reisenden zu rufen, sucht Airbnb nun gemeinsam mit Wonder Grottole vier Unterstützer, die für drei Monate die Werbetrommel vor Ort rühren. Gemeinsam sollen sie mit den Locals Events ausrichten und Unternehmungen für andere Touristen auf Airbnb anbieten, für Presse sorgen und den Tourismus wieder ankurbeln. Airbnb kommt für Kosten in Höhe von knapp 900 Euro im Monat pro Person auf. Bewerben kann sich jeder Interessierte auf der Website von The Italian Sabbatical, besondere Anforderungen oder Haken gibt es keine, man sollte jedoch zwischen Juni und August 2019 drei Monate Zeit zur Verfügung haben, um dauerhaft vor Ort bleiben zu können.

Über die Motivation kleinen, ursprünglichen Dörfern neues Leben einzuhauchen, hüllt sich der Anbieter weitestgehend in Schweigen. „Yoshino is there and has amazing things to offer. The problem was finding out about it. The hypothesis was that we could stimulate regions by plugging them into the Airbnb network“, so Airbnb Co-Founder Joe Gebbia, treibende Kraft hinter den Bestrebungen zur Revitalisierung der Dörfer. Durch das uneigennützige Projekt in Grottole generiert Airbnb derzeit keine Umsätze, sondern profitiert lediglich von der PR. Der Anbieter für Ferienwohnungen unterstützt italienische Kommunen seit 2016 dabei, einen nachhaltigen Tourismus aufzubauen und die Sichtbarkeit zu erhöhen. Vielleicht handelt es sich bei den Kooperationen um einen Versuch, die Umsätze nachhaltig sicherzustellen, jetzt da immer mehr Kommunen die Vermietung privaten Wohnraumes über Airbnb verbieten. Unterstützt die Plattform, die im Übrigen (noch) keine eigenen Assets besitzt, vom Aussterben bedrohte Regionen und setzt sich für einen nachhaltigen Tourismus ein, sind langanhaltende Partnerschaften durchaus denkbar. Ebenfalls im Rahmen des Möglichen ist, dass der Anbieter testen will, was der Markt für das Albergo diffuso-Konzept hergibt oder ob frisches Kapital in Form von Touristen schwächelnden Gegenden zu neuem Aufwind verhelfen kann. Letzten Endes verhilft der Anbieter den Kommunen aber zum Überleben, alles weitere bleibt zu beobachten.

Über Tina Bauer

Tina Bauer

Studierte Sozialwissenschaftlerin mit Hang zu Online und Marketing. Seit 2014 als Redakteurin & Content Managerin bei OnlineMarketing.de.

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