Social Media Marketing

Study App: Facebook bezahlt Nutzer erneut für Datenweitergabe

Facebooks neue Study App sammelt Daten von Nutzern und bezahlt diese dafür. Die Erkenntnisse sollen helfen, wettbewerbsfähig zu bleiben.

© Facebook

Gestern gab Facebook die Veröffentlichung einer neuen App bekannt: Study from Facebook soll dem Unternehmen wichtige Insights liefern, was die Zielgruppe des Unternehmens wirklich möchte. Zu diesem Zweck können sich Freiwillige die App herunterladen, die daraufhin trackt, welche anderen Apps auf dem Gerät vorhanden sind und wie diese benutzt werden. Die Bereitstellung ihrer Daten wird den Teilnehmern vergütet.

Die Erkenntnisse sollen Facebooks Dienste verbessern

The Facebook Study program helps us learn which apps people value and how they’re used. We gain valuable insights using data from groups of participants that we use to improve Facebook Company Products.

Zuvor hatte Facebook Kritik dafür geerntet, junge Nutzer mit Geschenkkarten für eben diese Daten zu bezahlen. Mit dem erneuten Anlauf möchte das Soziale Netzwerk alles richtig machen und setzt auf Transparenz als vertrauensfördernde Kraft. Facebook verspricht, keine Passwörter zu sammeln oder die Inhalte von beispielsweise Nachrichten zu analysieren. Außerdem sollen die Daten nicht an Dritte verkauft und nicht zu Targetingzwecken genutzt werden. Alle Teilnehmenden werden regelmäßig daran erinnert, dass sie ihre Daten verkaufen, mit der Möglichkeit, direkt auszusteigen.

Die Study App versucht möglichst transparent zu sein. © Facebook

So funktioniert Study from Facebook

Nicht jeder Facebook-Nutzer kann sich die App einfach herunterladen. Stattdessen werden Nutzer auf Facebook über Ads auf das Marktforschungsprogramm hingewiesen und eingeladen, daran teilzunehmen. In einem nächsten Schritt überprüft Facebook, ob der potentielle Teilnehmende „qualifiziert“ ist, heißt: über 18, und anschließend kann die App über den Google Play Store heruntergeladen werden. Zunächst wird es nur Teilnehmende aus Indien und den Vereinigten Staaten geben.

Diese Daten sammelt die Study App:

  • Die auf dem Gerät installierten Anwendungen
  • Die Zeit, die mit den Apps verbracht wird
  • Das Land, das Gerät und den Netzwerktyp der Teilnehmenden
  • Die Funktionen, die innerhalb anderer Apps genutzt werden

Nicht alles ist transparent

Trotz des Versprechens von Transparenz verrät Facebook nicht, wie viel Teilnehmende der Marktforschung für ihre Daten bezahlt bekommen. In dem früheren Anlauf wurden Nutzern monatlich Geschenkkarten im Wert von 20 US-Dollar gegeben. Dies war für die jungen Amerikaner damals eventuell ein Anreiz, der groß genug war, um an der Studie teilzunehmen. Bei über Achtzehnjährigen könnte dieser Betrag jetzt zu wenig sein. Anders stellt sich die Situation in Indien dar: Es kann vermutet werden, dass dort für 20 US-Dollar im Monat extra, ohne zusätzliche Arbeit, mehr Leute bereit sind, ihre Daten herzugeben. Und auch wenn das Vorgehen Facebooks dieses Mal keinen Grund zur Kritik lässt, kommt die App erst, nachdem der vorherige heimliche Versuch gescheitert ist.

Im Wettbewerb mit der Konkurrenz

Nach mittlerweile 15 Jahren auf dem Markt scheint das Soziale Netzwerk fest entschlossen, sich gegen die Konkurrenz zu behaupten und scheut sich nicht, tief in die Tasche zu greifen, um weiterhin relevant zu bleiben. Dabei besonders wichtig: Die jungen Zielgruppen, die sich zunehmend eher auf Snapchat oder TikTok die Zeit vertreiben. Um zu erkennen, welche Funktionen der Konkurrenz besonders gern genutzt werden und welche Facebook dementsprechend eventuell selbst ins Repertoire aufnehmen sollte, wird Study from Facebook wertvolle Einsichten liefern.

Dabei ist die Art, die App einzuführen ein recht schlauer Schachzug von Facebook: Dadurch, dass nicht jeder teilnehmen kann, sondern nur einige Nutzer eine Einladung erhalten, bekommt die Studie eine Art Clubcharakter. Außerdem ist ein kleiner Reward für viele schon genug Anreiz, um ihre Daten herzugeben.

Human nature has shown us that providing some sort of reward, no matter how small, is often sufficient to make people agreeable to turning over their personal information,

erklärte Nathan Wenzler, der bei der Cybersecurity von Moss Adams arbeitet, dem Guardian gegenüber. Ob nach den Datenskandalen, die Facebook sich in der Vergangenheit geleistet hat, noch viele Nutzer bereit sein werden, dem Sozialen Netzwerk ihre Daten freiwillig zur Verfügung zu stellen, ist unklar, doch wenn genug Leute ihr mobiles Verhalten von Facebook tracken lassen, kann das Unternehmen aus den Daten extrem relevante Erkenntnisse erlangen, die es besonders auch bei der jüngeren Zielgruppe wieder wettbewerbsfähig machen könnten.

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