Social Media Marketing

Social Media-Plattformen: Wandern die Communities ab?

Auf Social Media-Plattformen zeichnet sich ein neuer Trend ab: Communities wandern ab. Eine Herausforderung für Plattformbetreiber und eine Chance für Community-Gründer.

© Franck V. - Unsplash

Seit das World Wide Web alltagstauglich wurde, vernetzen sich gleichgesinnte Menschen in Foren und Gruppen. Nischen-Communities bildeten sich. Social Media-Plattformen wie Facebook verstärkten den Trend zusätzlich. Im Laufe der Jahre sind einige Plattformen aufgestiegen und andere vom Markt verschwunden. StudiVZ und MySpace zum Beispiel waren früher sehr beliebt und sind heute im Nirvana des Netzes verschwunden.

Verlieren Social Media-Plattformen ihre Communities?

Casey Fiesler, eine Informationswissenschaftlerin an der Universität von Colorado-Boulder veröffentlichte die Ergebnisse ihrer Studie über die Plattformnutzung von Fans 2018. Archive of Our Own und Tumblr lagen letztes Jahr dabei ganz vorne. Twitter und Livejournal im Mittelfeld. In ihrer Studie spricht sie auch davon, warum die User Livejournal verlassen. Ein Grund dafür war die willkürliche Löschung der Livejournal-Betreiber von Gruppen beziehungsweise Content. Die User fühlten sich mit ihren Inhalten auf der Plattform nicht mehr sicher. Außerdem änderte Livejournal auch etwas an der Kommentarstruktur.

Auch Twitch kämpfte im August 2019 mit Skandalen wie Misshandlung von Tieren und Rassismus in Streams. Laut einigen Streamern hat Twitch Probleme damit, die große Creator-Gemeinschaft zu unterstützen. Das sorgt bei Streamern und Werbenden für Unsicherheit und könnte zur Abwanderung zu Konkurrenten wie Mixer oder Caffeine führen. Mit der Immigration von Usern auf andere Plattformen oder autarke Websites haben mittlerweile einige Social Media-Anbieter zu kämpfen.

Abwanderung von bekannten Social Media-Plattformen

Li Jin, die im Consumer Investing für a16z einem Technologie-Unternehmen im Silicon Valley arbeitet, twitterte kürzlich, dass in den nächsten Jahren die größeren Communities wahrscheinlich von den bekannten, großen Anbietern verschwinden und auf unabhängige Plattformen mit Monetarisierungsmodellen umsteigen werden. An mehreren Beispielen ist dieser Trend bereits zu erkennen.

Screenshot Twitter (Mit einem Klick aufs Bild gelangst du zu den Thread).

Eine Gemeinschaft von über 800.000 Mitgliedern des Subreddits „Change My View“ eröffnete eine eigene Website, die mehr Features als Reddit bietet. Die Facebook-Gruppe „What would Virginia Woolf Do?“ mit über 30.000 Mitgliedern zog um auf eine Bezahl-App. Auf der zahlen die Mitglieder nun fünf US-Dollar monatlich oder einen Beitrag von 35 US-Dollar jährlich, um dabei sein zu können. Die FB-Gruppe wurde von ehrenamtlichen Helfern moderiert und gegründet und war einfach zu groß geworden, um sie umsonst zu betreiben.

Gründe für die Umzüge der Communities

Die Gründe für Umzüge von den bekannten Social Media-Plattformen und Foren auf eigene Apps oder Websites sind unterschiedlich:

  • Die Communities sind zu stark angewachsen und benötigen weitere digitale Features, die die alte Plattform nicht bietet (auch weil sie zu spezifisch sind).
  • Auf der Plattform gab es keine oder nicht genügend Möglichkeit der Monetarisierung für die Gründer der Communities, um den gesteigerten Arbeitsaufwand für die wachsende Anzahl der Gruppenmitglieder aufzufangen.
  • Die Gruppenmitglieder sind bereit, für Nischen-Content oder speziell auf ihre Zielgruppe zugeschnittenen Inhalt zu bezahlen. Die Gruppengründer können auf der ursprünglichen Plattform diesen kuratierten Inhalt und die damit verbundene Mehrarbeit aber nicht als Paid Content zur Verfügung stellen.
  • Die Betreiber der Plattform gehen nicht gewissenhaft mit den Gruppen und Inhalten um und löschen Inhalte willkürlich.

Was können Plattformbetreiber tun?

Die Abwanderung stellt eine Herausforderung für die Betreiber von Social Media-Plattformen dar. Vor allem, weil mit neuen Features auch technische Probleme auftreten können. Trotzdem haben bestehende Plattformen eine Chance:

  • Den Usern Möglichkeiten der Monetarisierung wie Paid Content, Mitgliedsbeiträge oder Werbeeinnahmen für ihre Inhalte zur Verfügung stellen
  • Passende Tools für den Aufbau eines digitalen Unternehmens oder einer Community wie Aktivitätsanalysen oder Umfragen zur Verfügung stellen
  • Grafische Hervorhebung von besonders aktiven Mitgliedern der Gruppen
  • Bedienerfreundlichkeit der Plattform hervorheben und gegebenenfalls verbessern

Welche Möglichkeiten haben Community-Gründer?

Viel Arbeit und Herzblut in eine digitale Gemeinschaft zu stecken, bedeutet auch, weniger Freizeit zu haben. Wer sich entscheidet, seine Mehrarbeit mit Einnahmen zu finanzieren, dem stehen Apps und Websites wie Amino oder Buymeacoffee zur Verfügung. Auch der Aufbau einer eigenen Website ist eine Möglichkeit, um durch Affiliate Links, Sponsorships, Paid Content oder Schaltung von Werbeanzeigen Einnahmen zu erzielen. Allerdings ist hier der Aufwand größer.

Fazit

Wie sich die Communities weiterhin entwickeln und ob die Abwanderung nur ein kurzer Trend war, wird sich mit der Zeit zeigen. Denn nicht alle Gemeinschaften wandern von den bekannten Social Media-Plattformen ab. Einigen ist das Risiko zu hoch, die Community könnte sich zerschlagen oder die Mehrheit der Mitglieder wäre nicht bereit, für Inhalte zu zahlen, beziehungsweise möchte die gewohnte Umgebung der Plattform nicht verlassen. Beim Thema Usability können etablierte Plattformen immer noch punkten. Community-Gründern dagegen können zwischen mehreren Alternativen wählen.

Über Juliane Pröll

Autorin Juliane Pröll studierte Ressortjournalismus an der Hochschule Ansbach und arbeitet seitdem als freie Journalistin für verschiedene Medien. Dabei berichtet sie auch immer wieder über Wirtschaftsthemen.

Juliane Pröll