SEO - Suchmaschinenoptimierung

Probleme mit der Sichtbarkeit: Die Learnings aus Netflix’ SEO-Schwierigkeiten

Der Streamingdienst Netflix hat zum wiederholten Mal mit Sichtbarkeitseinbußen bei Google zu kämpfen. Grund dafür sind ungeschicktes Cloaking und Co.

Screenshot YouTube, © Netflix

Netflix macht sehr viel richtig – was knapp 109 Millionen Nutzer beweisen –, doch längst nicht alles. Besonders Einbrüche in der Sichtbarkeit bei Google zeigen, dass im SEO-Bereich noch Raum für Verbesserung ist. Dabei zeigt das Beispiel Netflix auch einige allgemeine Learnings.

Netflix’ Problem mit der Sichtbarkeit

Juan Gonzalez von SISTRIX macht auf die Problematik aufmerksam. Er beschreibt, wie der Streamingdienst vor über einem Monat einen starken Sichtbarkeitseinbruch bei Google hinnehmen musste. Dabei war der prozentuale Verlust in Deutschland bei 43 Prozent zu verorten. Hatten sich die Werte daraufhin wieder stabilisiert, ist vor Kurzem ein neuer Einbruch zu verzeichnen gewesen. Von diesem gibt es bislang keine starke Erholung.

Sistrix-Sichtbarkeitsindex für Netflix.com bei google.de, © Sistrix, Quelle: Juan Gonzalez

Momentan liegt der Sichtbarkeitswert von Netflix.com/de laut SISTRIX bei 3,53 (3,90 für das Smartphone).

Was sind die Ursachen?

Gonzalez eröffnet, dass es plausible Ursachen für diese Problematik gibt. Zum einen betreibt Netflix eine gewisse Art des Cloaking, was von Google als „Verstoß gegen unsere Richtlinien für Webmaster angesehen“ wird. Hierbei werden Usern und Crawlern mitunter verschiedene Inhalte angezeigt. Während die Crawler beispielsweise mit einem aktuellen Film auf der Startseite konfrontiert werden, können die User, aufgrund verschiedener Lizenzen in den unterschiedlichen Ländern, oft gar nicht auf diese Filme – und damit auf eine solche Seite mit ihrer Anpreisung – zugreifen.

Auch bei der Weiterleitung über die IP-Adressen der User ergeben sich Probleme, so Gonzalez weiter. Denn die Crawler Googles sind größtenteils in den USA angesiedelt. Dort aber lassen sich manche Serien aufgrund von Exklusivrechten anderer Sender nicht bei Netflix abrufen. So kann es vorkommen, dass für diese speziellen Serien die Sichtbarkeit bei Google komplett verschwindet, wenn etwa nur eine 404-Seite angezeigt wird.

Lediglich bei Netflix Originals dürften diese SEO-Probleme ohne Relevanz sein, da sie exklusiv vom Streamingdienst ausgestrahlt werden.

Was können Netflix, aber auch andere Seitenbetreiber daraus lernen?

Dass Cloaking von Google meist bestraft wird, dürfte kein großes Geheimnis darstellen. Die Haltung der Suchmaschine ist zwar gegenüber einigen Publishern etwas lockerer geworden; doch letztlich bleibt es laut der Webmaster Richtlinien inakzeptabel.

Auch die Weiterleitung basierend auf IP-Adressen hat, wie der Artikel bei SISTRIX zeigt, meist Problem-Potential. Daher schlägt der Autor vor, sich mit hreflangs für die entsprechenden Sprachen und auch mit regionalen URLs zu behelfen. Doch dabei können ebenfalls Fehler unterlaufen, wie eine Studie von SEMrush aufgezeigt hat.

Zu achten ist dabei auf verschiedene Punkte:

  • die Länder- und Sprachbezeichnungen müssen richtig sein (also „de-DE“ für Deutschland); die Sprache muss angegeben werden
  • die Links müssen auch bidirektional sein, also in beide Richtungen funktionieren
  • daher müssen die URLs auch immer existieren (ein Check lohnt sich)
  • die Kombination von Canonical Tag und hreflang sollte geprüft sein: hier sollte der Canonical auf keine anderen URLs verweisen als im Markup festgelegt

Die Hinweise lassen sich mithilfe von Google selbst umsetzen. Bei der Search Console-Hilfe gibt es etwa Tipps in Bezug auf die Sprach- und Regions-URLs.

Was Juan Gonzalez am Beispiel von Netflix herausgearbeitet hat, dürfte bei vielen anderen Websites verbreitet sein. Wird man also bedeutender Einbrüche in der Sichtbarkeit bei Google gewahr, kann man sich nochmals an die Prüfung der eigenen SEO-Parameter machen. Dazu kann auch die Funktion „Abruf wie durch Google“ hilfreich sein, die das Crawling Googles simuliert. Damit kann Cloaking ausgeschlossen werden. Eine Überprüfung der hreflangs bietet sich darüber hinaus ohnehin an.

Wenn derlei Maßnahmen nicht im Vorwege bedacht wurden, können Beispiele wie das beschriebene dazu dienen, sich im Nachhinein nochmals damit auseinanderzusetzen.

Der Beitrag zum Fall Netflix kann in aller Ausführlichkeit bei SISTRIX gelesen werden.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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