Social Media Marketing

Pinterest – Hormontherapie für eine Bildersuchmaschine

Gut ein Drittel aller Neuanmeldungen auf Pinterest kommen von Männern, Tendenz steigend. Ein Mann erzählt nun von seinen Erfahrungen in dem Netzwerk.

© Nomad_Soul - Fotolia.com

Das Staunen war groß, als in der Redaktion neulich eine Diskussion um Pinterest losging. Dabei lösten nicht nur die Inhalte verwunderte Reaktionen aus, sondern viel eher die Diskutanten: Männer. Waren die angesprochenen Gesprächsthemen doch bisher eigentlich Frauendomäne, hörte man nun erstmalig Männer Rezepte und Do-It-Yourself-Tipps austauschen. Klingt verrückt? Ist aber in jeder Hinsicht diesjähriges Etappenziel der Plattform.

Pinterest hat sich für 2015 fest vorgenommen, die Männerquote stark zu erhöhen und das Netzwerk attraktiver für die Herren der Schöpfung zu gestalten. Dass das Netzwerk bislang eher von Frauen dominiert war, liegt sicher am überwiegend femininen Content, der bestimmt wird von Rezepten, Gestaltungsideen und den schönen Fotos, die auf der Plattform munter geteilt werden können. Interessen, denen Männer selten nachgehen. Nun hat sich erstmals ein Mann zu seiner aktiven Mitgliedschaft auf Pinterest bekannt, nennt seine Gründe und erklärt Marketern, welche Art von Boards für Männer interessant sind. Mutig, finden wir, und ein Wegweiser für weitere Männer zu einem Netzwerk, das so ganz anders ist als die anderen.

Ein steiniger Weg

Brad, Demand Generation Specialist bei Curalate, ist stolzer Pinterest User. Wie auch seine eigene geht inzwischen ein Drittel aller Neuanmeldungen auf Männer zurück. Das war nicht immer so. Als Brad dem Netzwerk im Frühjahr 2010 beitrat, war das Publikum noch nicht ausdifferenziert. Als angehender Marketer im Studium suchte er immer neue Wege zur Verbreitung von Werbung und fand das Konzept hinter Pinterest schon beim Launch interessant und neuartig, so dass er sich anmeldete.

Kurz darauf folgten Nachrichten über immer neue Mitgliedschaften seiner Kontakte. Zuerst meldete sich seine Schwester an, dann seine Tante und nachdem sich auch noch seine Mutter anmeldete, begann er sich zu fragen, ob Pinterest wirklich die richtige Plattform für ihn war. So kam er sich neuerdings vor wie der bemitleidenswerte Partner, der seine Freundin zum Shoppen begleiten muss. Umringt von Klamotten, Aerobic-Plänen und DIY-Ideen verließ er den wahrgewordenen Männeralbtraum stehenden Fußes. Zwar versuchte er noch zwei Boards zu folgen, die sich explizit Männer-Content auf die Fahnen geschrieben hatten. Doch nachdem diese ihm auch keinen Mehrwert liefern konnten und die Features zu wünschen übrig ließen, kehrte er Pinterest den Rücken zu.

Er bedauerte die Entwicklung, die das Netzwerk nahm, sehr. Denn es war keine nervige Werbung, Spam oder die Funktionalität, die ihn verschreckten. Es waren die Frauen. Frauen, die wie wahnsinnig auf Pinterest strömten, um Unmengen flauschiger Inhalte zu pinnen. Soviele flauschige Inhalte, dass Pinterest davon überschwemmt wurde und Brad infolgedessen bald nichts mehr finden konnte, was seinen Interessen entsprach.

Offensive für Männer

Seit der Einführung von Geschlechter-Filtern, ist es für Männer wieder auszuhalten auf Pinterest. Ihnen wird seither Content basierend auf Männerinteressen ausgespielt, so dass sie sich nach dem Einloggen nicht mehr mit rosafarbenen Pins und schnuckeligen Babyfotos überflutet sehen. Sie bekommen nun echte Inhalte geliefert: halbnackte Frauen, Motorräder, Werkbänke und Survival-Ideen. Ein Hoch auf das Targeting!

Brad spricht Pinterest darüber hinaus auch einen großen Nutzen zu – und den gibt es tatsächlich: Als Beispiel führt er etwa Feedly an. Die App ermöglicht es, eine Auswahl an den Medien zu treffen, die man angezeigt haben möchte. Will man den Content speichern, bleibt einem nur die Bookmark-Funktion im Browser. Pinterest hat die Funktion zu Ende gedacht, so dass gespeicherte Inhalte auf der Plattform geräteübergreifend abgerufen werden können (Facebook hat die Speichern-Funktion erst kürzlich eingeführt. Sie ist weder ausgereift, noch übersichtlich, dafür aber ein Feature, auf das wir alle gewartet haben!). Zusätzlich können Pins auf öffentlichen Boards eine enorme Reichweite entwickeln.

Männer an die Boards!

Obwohl Frauen mit einem recht dominaten Anteil auf Pinterest vertreten sind und für Unternehmen die Zielgruppe per se darstellen, nimmt die Bedeutung von Männern für Marken weiterhin zu. Brad, inzwischen selbst Marketer, führt zuletzt noch an, welcher Art von Pinboards Männer am ehesten gewillt sind zu folgen und gibt Unternehmen damit hoffentlich den nötigen Anreiz, um für ein wenig mehr Ausgeglichenheit auf Pinterest zu sorgen und mehr männermotivierenden Content zu erstellen:

Fashion

Für Retailer: Stylische Männer sind immer interessiert an den neuesten Trends und Stylingtipps, weshalb Boards mit Fashion for Men sich großer Beliebtheit erfreuen. Ganze Boards über Bärte etwa, könnten Hipsterherzen ebenfalls höher schlagen lassen. Oder gleich Boards mit Fashiontipps für Männer mit Vollbart.

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Einrichten und Wohnen

Junge Männer mit regelmäßigem Einkommen könnten interessant sein für Möbelhersteller. Denn diese Zielgruppe richtet sich häufig neu ein und schaut sich nach Einrichtungsgegenständen um. Um die richtigen Männer anzusprechen, eignen sich Ideen, wie sich kleine Singlehaushalte aufpolieren lassen.

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Reisen

Das Reisen gehört für junge Leute zum Lebensgefühl. Sie wollen die Welt entdecken und Orte sehen, die einmalig sind. Hoteliers können sich angesprochen fühlen. Mit einzigartigen Fotos, die im besten Falle auch noch User Generated sind, kann man auf Pinterest erfolgreich punkten.

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Essen und Trinken

Wirklich verwunderlich, dass die Zeitschrift BEEF! bislang nicht auf dem Netzwerk vertreten ist. Männer stehen einfach auf Fleisch in all seinen Facetten. Daher ist es – aller angesagter Political Correctness zum Trotz – durchaus angebracht, Fleisch zu pinnen. Noch und nöcher: Auf dem Grill, Serviervorschläge oder roh. Mit Rezepten von A-Z und hochwertigen Fotos, die Appetit auf mehr machen.

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Denkbar sind aber über die genannten Themen hinweg auch motorisierte Maschinen, Videos, Architektur, Sport und weitere Interessen, denen die Frauenwelt eher nicht nachgeht.

Wenn jetzt echte, also richtige Kerle, schon über Rezepte tratschen, scheint das Konzept aufzugehen und das Ziel von Pinterest, das Netzwerk auch für Männer attraktiver zu gestalten, rückt in greifbare Nähe.

Über Tina Bauer

Tina Bauer

Studierte Sozialwissenschaftlerin mit Hang zu Online und Marketing. Seit 2014 als Redakteurin & Content Managerin bei OnlineMarketing.de.

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