Social Media Marketing

Laut und bunt: So wirbt The Female Company auf Instagram für Periodenprodukte

Als Marke auf Instagram auffallen: Dafür muss man sich etwas Besonderes ausdenken. The Female Company sticht mit farbenfrohen, zweideutigen Bildern und Sprüchen hervor. Wir haben mit der Gründerin gesprochen.

© Erol Ahmed - Unsplash

Seit November 2017 existiert der Instagram Account von thefemalecompany. Scrollt man durch den Feed sieht man ziemlich viel rosa – und rot. Das verwundert wenig, wenn man weiß, worum es bei The Female Company geht. Das Startup vertreibt Tampons aus Bio-Baumwolle, die man im Abo bestellen kann. Dabei haben es sich die Gründerinnen zur Mission gemacht, das Thema Periode zu enttabuisieren.

„Läuft bei dir?“,

heißt es auf der Startseite der Website. Um Tabus zu brechen, hilft es, laut zu sein, erklärt uns Ann-Sophie Claus, eine der Gründerinnen, im Interview. Und das ist bei dem Thema Menstruation leider auch 2019 noch nötig. Dabei kommt es schon mal vor, dass sich Kunden bei dm über die Aufsteller des Unternehmens beschweren oder Anzeigen auf Facebook gesperrt werden. Doch das bestärkt The Female Company nur darin weiterzumachen. Dabei ist auch Instagram ein wertvoller Kanal geworden. Hier lassen sich neue Kampagnen vorstellen und User Generated Content teilen. Mehrere tausend Likes haben die Beiträge, die mit Tabus spielen und aufklären wollen.

In diesem Jahr hatte das Online Startup einen besonderen Erfolg zu verbuchen: The Tampon Book, das die übertriebene Versteuerung von Menstruationsprodukten (19 Prozent statt 7 Prozent) kritisierte. Dadurch, dass die Bio-Tampons in einem Buch verpackt waren, wurde die hohe Versteuerung umgangen. Eine Idee, mit der Scholz & Friends, die Agentur hinter der Aktion, für The Female Company den ersten PR-Grand-Prix in Cannes gewann. Durch das Buch und andere Aktionen ist die Thematik im Bundestag gelandet. Ab 2020 soll die Steuer auf Menstruationsprodukte gesenkt werden – ein großer Schritt für alle, die dafür gekämpft haben.

Ende dieser Woche wird das Online-Geschäft offline weiter angekurbelt. Erstmalig öffnet ein deutscher Instagram Pop-up Store in Berlin seine Türen. Am 22. und 23. November präsentieren zehn deutsche Brands, darunter unter anderen The Female Company, Plant Circle und Makaro Jewelry, exklusive Produkte, die nur über Instagram Shopping verfügbar sein werden.

Das Interview

Im Interview sprachen wir mit Ann-Sophie Claus über Nachhaltigkeit, das richtige Marketing auf Instagram und die Pläne für das kommende Jahr.

OnlineMarketing.de: Guckt man sich erfolgreiche neue Startups an, sieht man viel zum Thema Nachhaltigkeit. Auch ihr seid da gut aufgestellt mit Bio-Baumwolle und in Papier verpackten Tampons. Doch ihr erfüllt noch ein anderes Kriterium, das besonders den jüngeren Generationen zunehmend wichtig ist: Ihr verfolgt eine klare Mission zur Weltverbesserung. Nach diesen sinnstiftenden Inhalten suchen ja viele. Denkt ihr, als Startup ist es mittlerweile obligatorisch, eine solche sinnvolle Mission zu haben, um erfolgreich zu sein?

Ann-Sophie Claus: Naja, wenn wir uns mal umschauen, ist das leider noch gar nicht sooo obligatorisch. Aber ja: Wir sehen, dass Nachhaltigkeit und Social Businesses zunehmen, was wahnsinnig toll ist! Wir glauben, dass viele jüngere Gründer und Gründerinnen anders denken als vielleicht die älteren Generationen. Davon wünschen wir uns noch viel viel mehr!

Eure Bildsprache wird oft als „laut“ bezeichnet, auf jeden Fall fällt sie auf. Muss man provozieren oder (noch bestehende) Grenzen übertreten, um sich gegen etablierte Unternehmen der Branche beweisen zu können?

 
 
 
 
 
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Der Grund, weswegen wir laut sind, ist eher weniger unsere Konkurrenz. Wir haben The Female Company gegründet, um dem Tabu Periode den Kampf abzusagen… Denn es gibt wenige so zu unrecht schambehaftete Themen. Um zu enttabuisieren, hilft es unserer Meinung nach, laut zu sein. Da kann’s schon mal sein, dass die ein oder andere Person nicht so glücklich über die Abbildung eines rot angemalten Tampons auf dem Aufsteller bei dm Drogerie Markt ist. Und das ist völlig ok für uns.

Eure Facebook-Anzeigen zu der neuen #Lippenbekenntnis-Kampagne wurden gesperrt. Wie erlebt ihr die Tabuisierung durch die Sozialen Medien?

Facebook und Co. machen es unserer Botschaft tatsächlich nicht immer leicht. Selbst unser Tampon Book wurde in den ersten Tagen ständig aufgrund “zu politischer Inhalte” gesperrt. Alles, was weibliche Körperteile betrifft, geht meistens nicht durch – aber mit ein paar Tricks, schaffen wir es meistens. Unsere Lippenkampagne ging zumindest zum Teil online.

Wie sehr hat euch Instagram bei der Bekanntmachung eurer Marke geholfen?

Instagram bietet uns die einmalige Chance, extrem nah an unserer Zielgruppe zu sein. Auf unserem Account konnte man von Sekunde 1 die Entstehung von The Female Company verfolgen und teilweise sogar mitbestimmen.

Die Sozialen Medien geben uns Gründer*innen Möglichkeiten, die es vorher nicht gab und die es möglich macht, die eigene Botschaft zu verbreiten. Außerdem ist es Wahnsinn, was in den letzten zwei Jahren passiert ist. Immer mehr Features machen es uns als Marke möglich, mit unseren (potenziellen) Kundinnen zu interagieren. Ich weiß noch genau, wie wir uns 2018 gefreut haben als passend zu unserer Gründung die mittlerweile völlig normal gewordenen “Story Highlights” vorgestellt wurden.  

Und euer Marketing scheint zu funktionieren: Ihr habt fast 40.000 Follower auf Instagram und kürzlich habt ihr einen Preis für euer The Tampon Book gewonnen. Was ist euer nächstes Ziel?

Besonders 2019 war für uns ein krasses Jahr. Das Tampon Book hat dazu geführt, dass wir in den Bundestag eingeladen wurden, um über die Tamponsteuer zu diskutieren. Jetzt wird sie in Deutschland tatsächlich gesenkt! Wir haben den ersten Bio-Tampon rausgebracht, der nicht mehr in Plastikfolie sondern in Papier verpackt ist – und sind zugegebenermaßen auf dem Weg dorthin nicht nur einmal gescheitert.

Unser eigenes Sozialprojekt in Indien, bei dem pro Kauf bei uns Frauen mit Hygienemitteln versorgt werden, ist gestartet. Im Sommer dann der Launch bei dm-drogerie markt und nun die Handelskette Budni. Gerade sind nach Berlin gezogen.

Es ist unglaublich. Das nächste Jahr wird auf keinen Fall ruhiger – es wird auf jeden Fall einige Neuigkeiten im Produktportfolio geben, so viel kann ich verraten.


Wir bedanken uns bei The Female Company für das Interview!

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