Video Marketing

Kinder werden bei YouTube von Horrorfilmwerbung geschockt

Ein paar Videokampagnen für Horrorfilme haben in Großbritannien ihr Ziel verfehlt und eine Reihe Kinder verstört. YouTube und die Advertiser stehen in der Kritik.

© Maia Habegger - Unsplash

Wer bei YouTube gerne mal Trailer für schaurige Filme konsumiert, dürfte ziemlich bald auch mit Horrorfilmwerbung konfrontiert werden. Wenn diese allerdings im Umfeld von LEGO Bauanleitungen oder Songs aus Die Eiskönigin auftauchen, drohen Kinder regelrecht schockiert zu werden. In Großbritannien kam es zu solch problematischer Ausspielung der Werbung; die Verantwortung wird jedoch weitergegeben.

Horrorfilmwerbung bei YouTube: Kinder sind zu schützen

Für die jüngsten Nutzer der Videoplattform kann es absolut verstörend sein, wenn sie plötzlich grausige Szenen aus einem Horrorfilm auf dem Tablet oder Smartphone entdecken. Genau das ist einigen Kindern in Großbritannien passiert, wie die BBC berichtet. Demnach haben verschiedene besorgte Eltern sich an die Advertising Standards Authority (ASA) gewandt, nachdem ihre Kinder Werbung für Horrorfilme gesehen hatten. Dabei war diese jedoch in einem Umfeld kinderfreundlicher und häufig von jungen Nutzern rezipierter Videos aufgetaucht. Es handelte sich um eine Vorschau für Insidious – The Last Key. Der Film ist hierzulande ab 16 Jahren zu sehen.

In einer weiteren Ad taucht eine blutüberströmte Frau auf, die sich einem humanoiden Ungeheuer gegenübersieht, das auf sie zukriecht. Dazu kamen Bilder von schreienden Frauen. Letztere Sequenzen tauchten als Werbung vor Videos von Minecraft auf. Dieses Spiel ist besonders bei Kindern beliebt. Bei der Videowerbung für Insidious waren das Umfeld eine Bauanleitung für eine LEGO Feuerwehrstation, Songs aus Die Eiskönigin – ein absoluter Hit selbst für die jüngsten Fans – und Clips der Cartoonserie JP Masks.

Cartoonhelden aus JP Masks, Screenshot YouTube, © JP Masks Official

Die Verantwortung wird geteilt

Sony Pictures und Columbia Pictures, die für die Vermarktung des Films verantwortlich sind, gaben gegenüber der ASA an, dass sie Publika wie Kinder aus dem Targeting ausgeschlossen hätten. Die BBC berichtet weiter, dass nach einer Prüfung durch Sony herauskam, dass der Algorithmus YouTubes bei der Kategorisierung von Content einen Fehler gemacht hatte. YouTube hingegen gab zurück, dass die Werbetreibenden für das Targeting ihrer Kampagnen selbst verantwortlich sind. Zudem seien solche Werbungen bei der App YouTube Kids, die extra für Kinder gefilterte Inhalte zeigt, nicht ausgespielt worden.

Die ASA verurteilte die Ausstrahlung der Horrofilmwerbung im Kontext von Kindervideos per se.

We considered the ads were unsuitable for children because they were excessively frightening and shocking, and were likely to cause fear and distress.

Daher bat die Stelle Sony dafür zu sorgen, dass künftig beim Targeting solcher Werbung keine Kinder betroffen sein sollten. Einen Kommentar wollte Sony dazu nicht abgeben. Nach Angaben der BBC hat man aber die Ads zumindest im Horrorbereich auf Inhalte für Erwachsene und sichere Kanäle bei YouTube beschränkt.

Das wirkt wie das Eingeständnis eines Fehlers. Allerdings kann das durchaus ebenso passieren wie ein Fehler in YouTubes Algorithmen. Hier sind die Schuldzuweisungen zwar nachvollziehbar. Doch viel wichtiger ist ein Handeln beider Parteien, damit künftig nicht noch mehr Kinder solch verstörender Werbung ausgesetzt werden.

Auch die Eltern sind in der Pflicht

Nun hatten sich die Eltern der betroffenen Kinder beschwert und dazu auch ein gutes Recht gehabt, da tatsächlich ein Fehler passiert war. Und dabei handelt es sich nicht um einen Einzelfall; schon öfter mussten Kinder Videowerbung sehen, die für ihre Augen nicht bestimmt war. Doch die Eltern oder in dem Moment die Personen mit einer Aufsichtspflicht können in solchen Fällen nicht alle Verantwortung zurückweisen. Denn eine Ad oder ein Video können bei ihrem massenhaften Auftreten bei YouTube immer falsch kategorisiert oder unpassend ausgespielt werden. Daher sollten Vorsichtsmaßnahmen zum Wohle der Kinder getroffen werden. Entweder wird die Rezeption direkt gemeinsam gestaltet, sodass eingegriffen werden kann, sollte Horrorfilmwerbung oder ähnliches auftauchen. Oder es werden umfassende Adblocker installiert.

Außerdem bietet YouTube inzwischen eine umfassende App für Kinder: YouTube Kids. Hier können die Erwachsenen Einstellungen verwalten und das Alter ihres Kindes angeben. Dann werden kuratierte Inhalte bereitgestellt, darunter auch Inhalte zu LEGO, Die Eiskönigin oder JP Masks. Ohne Horrorfilmwerbung.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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