Human Resources

Ist der Mindestlohn eine Gefahr für die junge Online-Branche?

Umfrage: Über ein Drittel der Unternehmen verzichtet zukünftig auf Praktikanten. Dabei sind Praktika für den Einstieg in die Online-Branche essentiell.

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Die Bundesregierung hat dieses Jahr beschlossen, zukünftig einen einheitlichen und branchenübergreifenden Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde einzuführen. Ab dem 01. Januar 2015 sind Unternehmen gesetzlich dazu verpflichtet, ihren Mitarbeiter diese Vergütung zu bezahlen. Einige Ausnahmeregelungen wurden getroffen, beispielsweise bleibt das Pflichtpraktikum während des Studiums von dieser Regelung unberührt. Auf der Website der Bundesregierung heißt es:

Für Orientierungspraktika vor oder während einer Ausbildung oder eines Studiums gilt, dass sie nur für eine Dauer von maximal drei Monaten vom Mindestlohn ausgenommen sind. Lediglich verbindliche Pflichtpraktika in Ausbildung oder Studium dürfen länger als drei Monate dauern.

“Generation Praktikum” sei laut Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles damit beendet.

Umfrage zu Mindestlohn und Praktika in der Online-Branche

Das Praktikum gilt gerade in der noch relativ jungen Online-Branche als Türöffner. Doch viele Unternehmen haben schlichtweg nicht das Budget, für einen Praktikanten 1360 Euro brutto monatlich zu zahlen. Wie also gehen die Verantwortlich ab Januar mit der neuen Situation um?

Um dies herauszufinden und die allgemein vorherrschende Stimmung in der Online-Branche abzubilden, starteten wir eine Umfrage, die wir euch im Folgenden vorstellen möchten.

Umfrage Mindestlohn: Praktikanten ab 2015

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Mehr als 50 Führungskräfte wurden im Verlaufe der Untersuchung befragt. Dabei stellte sich heraus, dass 35 Prozent der Teilnehmer zukünftig komplett auf Praktikanten verzichten wollen und demnach keine mehr einstellen werden. Ähnlich viele planen, ab Januar nur noch auf Pflichtpraktikanten zurückzugreifen, die von der Regelung bei einer Dauer von maximal drei Monaten ausgenommen sind.

Fast 45 Prozent allerdings sind bereit, Praktikanten den Mindestlohn zu zahlen – dafür aber auch nur noch die allerbesten zu beschäftigen. Eine Verkürzung der Arbeitszeit kommt nicht in Frage – über die Hälfte der Probanden befanden diesen Schritt für nicht sinnvoll.

Weniger Praktikumsplätze – die schwächeren Absolventen bleiben auf der Strecke

Dies bedeutet, dass Praktikumsplätze in der Online-Branche ab 2015 rar und wahrscheinlich hart umkämpft sein werden. Eine Vielzahl von Studienabsolventen, die zuvor mithilfe eines weniger gut bezahlten Praktikums oder einer Traineestelle einen Einstieg in den Job gefunden hätten, stehen vor einem Problem. Sie können nach Abschluss ihrer Ausbildung kaum genug praktische Erfahrung auf dem Gebiet vorweisen, um das Einstiegsgehalt zu rechtfertigen, das die Bundesregierung vorsieht. Somit erhalten weniger Absolventen eine Chance, ihr können unter Beweis zu stellen und einen Einstieg in die Online-Branche zu finden. Dies erschwert die Situation für beide Seiten.

Der Kampf um die Pflichtpraktikanten wird härter

Die Unternehmen werden in Zukunft diejenigen, die vor oder während der Ausbildung Orientierungspraktika machen können, umso mehr umwerben. Da die Studenten von der neuen Regelung bislang ausgenommen sind, dürfen sie weiterhin günstig beschäftigt werden und liegen im Fokus der Personalverantwortlichen.

Was haltet ihr von der Debatte zum Mindestlohn? Sinnvoll oder gefährlich?

5 Gedanken zu „Ist der Mindestlohn eine Gefahr für die junge Online-Branche?

  1. Uli

    Das Leben insgesamt wird härter. Man muss auch mal bedenken, dass wir eine Inflation haben, die abber von offizieller Seite abgestritten wird. Man muss sich nur mal vergegenwärtigen, was man heute für einen Wochenendeinkauf bezahlt und was man noch vor 10 Jahren bezahlt hat. Und da ist ein Mindestlohn schon legitim. Denn der Praktikant muss auch leben.

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  2. Dirk

    Wir stellen nur noch gute Praktikanten ein??? Was ist das für ne Frage? Wir haben bisher nur die dummen genommen und ausgebeutet. Uns zum Keywordsschrubben sollte man keinen Praktikanten einstellen sondern sich jemand suchen der das macht weil er Bock hat. Wie sollen die Prakties den gut werden, wenn man die nur für Scheißarbeiten einstellt. Gerechter Lohn für gute Arbeit. So können sich die Praktikanten in den Großstädten vielleicht sogar mal ein Zimmer leisten…

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    1. Anton PriebeAnton Priebe Artikelautor

      Gemeint ist in diesem Fall “nur noch die allerbesten”.
      In dem Artikel liegt der Schwerpunkt eher darauf, dass aufgrund der neuen Regelung weniger Absolventen einen Einstieg in die Branche finden, was für beide Seiten problematisch werden dürfte.

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  3. Hans

    Gute Entwicklung! Viele Agenturen lassen Praktikanten auch angroßen Projekten arbeiten, welche enorm Cash einbringen. Der Praktikant soll Keywords schrubben und das für 1000€ brutto im Monat – kann nicht sein!

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