Politik

Instagram war ein größerer Faktor für die Wahlbeeinflussung in den USA als Facebook

Davon geht ein Bericht des US-Senats aus. Demnach hatte die russische Internet Research Agency bei Instagram das meiste Engagement.

Instagram und Facebook sind beliebte Plattformen auch für Wahlbeeinflussung, Screenshot YouTube, © Facebook Business

Facebooks Rolle im Rahmen einer Wahlbeeinflussung durch russische Parteien ist lange diskutiert worden. Nicht zuletzt deshalb wurde Mark Zuckerberg vor dem Kongress angehört. Doch nun zeigt sich, dass die Facebook-Tochter Instagram womöglich einen viel stärkeren Einfluss auf die User gehabt haben könnte als andere Plattformen, wenn es um politische Meinungsmache und Beeinflussung im Kontext von US-Wahlen geht.

Instagram als politische Plattform?

Ein Bericht von drei Gruppen von Analysten, der für den US-Senat zusammengestellt wurde, gibt an, dass Instagram bei den populären Social Media eine bisher ungeahnt große Rolle hinsichtlich manipulativer Wahldiskurse im digitalen Raum gespielt hat.

Although the Facebook operation received more attention in the mainstream press, more content was created on Instagram, and overall Instagram engagement exceeded that of Facebook,

heißt es in diesem Bericht. Davon berichtet Bloomberg. Demnach sei Instagram eine beachtliche Plattform für die Unternehmungen der russischen Internet Research Agency gewesen, die für russische Unternehmen oder Regierungsposten sogenannte „influence operations“ durchführt. Dass eine datenbasierte Analyse zu dieser Erkenntnis kommt, Facebooks Führungskräfte Instagrams Rolle vor dem US-Kongress aber nicht erwähnt haben, wirft weitere Fragen auf. Nachvollziehbar ist, dass man die Plattform, die trotz der engen Bindung an Facebook generell sehr positiv konnotierte Publicity genießt, nicht als Nährboden für dubiose und manipulative Machenschaften darstellen wollte. Tatsächlich kommt der Bericht aber auch zu dem Schluss, dass Instagram – nicht zuletzt aufgrund der Position als wohl populärste Social Media-Präsenz in der Westlichen Welt – ebenso für künftige politische Entwicklungen Raum für Wahlbeeinflussung bieten könnte.

Our assessment is that Instagram is likely to be a key battleground on an ongoing basis.

Facebook und Co. haben Änderungen eingeführt, äußert sich Instagram?

New Knowledge, die Columbia University und Canfield Research analysierten Content der IRA, der zwischen 2015 und 2018 in Social Media eingebunden wurde. Dabei wurden 187 Millionen Interaktionen mit Instagram-Inhalten ermittelt. Die Zahl lag bei Facebook dagegen bei 77, bei Twitter bei 73 Millionen. Sowohl Twitter als auch Facebook hatten in der Folge der fragwürdigen Beeinflussung insbesondere der US-Präsidentschaftswahl 2016 immer wieder Statements abgegeben, die eine größere Transparenz bei den Plattformen demonstrierten. Tatsächlich hat etwa Facebook auch dafür gesorgt, dass politische Werbung transparent dargelegt werden muss. Advertiser müssen vorab verifiziert werden, wie Zuckerberg selbst angekündigt hatte.

First, from now on, every advertiser who wants to run political or issue ads will need to be verified. To get verified, advertisers will need to confirm their identity and location. Any advertiser who doesn’t pass will be prohibited from running political or issue ads. We will also label them and advertisers will have to show you who paid for them.

Zudem müssen auch die Administratoren von großen Pages eine Verifikation durchlaufen.

Second, we will also require people who manage large pages to be verified as well. This will make it much harder for people to run pages using fake accounts, or to grow virally and spread misinformation or divisive content that way.

Erst im November kam es am Rande der Midterm-Wahlen in den USA wieder zur Sperrung von über 100 verdächtigen Accounts bei Facebook.

Das Problem ist größer als die einzelne Plattform

Dass Instagram nun bei der mitunter subtilen, manchmal eindeutigen Beeinflussung politischer Ansichten eine größere Rolle gespielt hat und weiter spielen wird als zunächst angenommen, überrascht indessen kaum. Immerhin wissen auch die dafür verantwortlichen Parteien, dass Facebooks Image bei den Usern gelinde gesagt bröckelt. Außerdem erfreut sich Instagram nicht nur größter Popularität, sondern ist aufgrund seiner Momente der Hashtags und Visuals auch für plakative Darstellungen prädestiniert.

Ein Beispiel für die Anti-Clinton-Haltung der IRA bei Instagram, Quelle: New Knowledge

Content der IRA bei Facebook brachte die User zu den Instagram Accounts und von dort zu weiteren Präsenzen bei YouTube oder Twitter. Die Verbindung zwischen den Social Media ist, wie für andere Produzenten auch, wertvoll.

Mit Bekanntwerden der Ergebnisse des Berichts stellt sich die Frage, ob das Unternehmen sich nun offensiv gegen die Wahlbeeinflussung, vor allem auch künftige, stellen wird. Facebook wird über die Einbeziehung Instagrams in diese Debatte nicht begeistert sein. Andererseits kann sich keine relevante Plattform dieser Anziehungskraft für Fake News oder in diesem Fall Wahlbeeinflussung entziehen. Die Verantwortung, die damit einhergeht, ist für alle großen Tech-Unternehmen bedeutend.

Grundsätzlich ist eine objektive Berichterstattung und aufklärende Medienkultur hilfreich, um dieser Art der digitalen Manipulation politischer Meinung vorzubeugen. Da man, besonders in den USA, von völlig politisch unabhängigen Medien kaum reden kann, ist ein Fokus der Social Media auf die Unterstützung von Qualitätsjournalismus in politisch heiklen Zeiten umso wertvoller. Für alle Nutzer bleibt schließlich aber wohl wichtiger, dass klar als Beeinflussung definierte Inhalte erkannt und verbannt werden können. Hierfür lohnt sich jede Investition. Diese mag finanzieller Natur sein, doch eine gute Aufklärung über diese Gefahr kann ebenso einen wichtigen Effekt haben. Es ist also an der Zeit, dass sich Instagram positioniert. Denn verschiedene politische Lager werden immer da sein und Diversität bleibt gewünscht. Manipulation in eine Richtung aber läuft dem zuwider; und Integrität sollte keine Frage des politischen Standpunkts sein.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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