Branding

Instagram from Facebook: Die eitle Umbenennung?

Facebook möchte Instagram und WhatsApp mit dem Zusatz „from Facebook“ versehen, um Klarheit zu schaffen. Das wirkt selbstgefällig, könnte sich aber als wertvoll erweisen.

© Facebook Business

In einer Zeit, die an Schnelllebigkeit nur zunimmt, wirkt Facebooks Plan, seine Tochter-Dienste mit einem Namenszusatz zu versehen, geradezu altmodisch. WhatsApp und Instagram sollen eindeutig mit Facebook verknüpft werden. Das könne sich positiv auf das Image des Sozialen Netzwerks auswirken. Aber besteht nicht auch die Gefahr, dass Facebooks Probleme auf die anderen Dienste abfärben? Und wie wirkt sich so ein Zusatz auf die Markenidentität aus?

Jeder soll es wissen: WhatsApp und Instagram gehören zu Facebook

Zu diesem Schluss kommt man, wenn die Bestrebungen Facebooks in Betracht gezogen werden, die Dienste um ein „from Facebook“ zu erweitern. Davon hatte The Information berichtet, inzwischen hat Facebook den Plan bestätigt:

Wir wollen mehr Klarheit über die Produkte und Dienstleistungen schaffen, die Teil von Facebook sind,

sagte eine Pressesprecherin. Das leuchtet ein, denn womöglich ist manchem Nutzer von WhatsApp oder Instagram tatsächlich nicht bewusst, dass Facebook dahintersteht. Man hatte die Dienste übernommen und unter ihren eigenen Namen zu dem wohl relevantesten Messaging-Dienst (WhatsApp) und dem populärsten sozialen Medium (Instagram) ausgebaut. Darüber hinaus monetarisiert Facebook kräftig und kann die Nutzung dieser Dienste für das eigene Wachstum als Erfolg verbuchen. So gab man bei den jüngsten Quartalszahlen an, dass monatlich 2,7 Milliarden Menschen mindestens einen der Facebook-Dienste WhatsApp, Instagram, Messenger und Facebook nutzen. Anlässlich dieser Zahlen hatte Mark Zuckerberg per Post auch betont, wie sehr man die eigenen Dienste für künftige Kommerzzwecke weiter einspannen kann:

Instagram Shopping will improve the experience of browsing and shopping from your favorite brands and creators, while also giving emerging creators a powerful new way to build a business and sustain their community. Facebook Marketplace gives people a way to buy and sell goods in a trusted network with real identities. Hundreds of millions of people already use Marketplace monthly. We’re also building ways for people to interact with businesses through messaging, like WhatsApp Business, because people don’t like having to call businesses and would rather engage asynchronously over messages if possible.

All der Erfolg wird aber nicht immer unmittelbar mit Facebook in Verbindung gebracht; und das soll sich nun ändern.

Zusatz in den Apps sichtbar platzieren

Bei Instagram scheint schon die dritte Silbe zu viel, viele Nutzer sprechen von Insta. Gesprochen wird wohl niemand sagen, dass er Instagram from Facebook nutzt. Allerdings soll dieses Branding in der App sichtbar gemacht werden. Auch beim Login dürfte der Zusatz auftauchen, wie The Information weiter angibt. Die Apps selbst aber behalten ihren Titel wie zuvor. Andernfalls könnten die zu langen Titel zu Problemen mit der Sichtbarkeit führen. Im App Store allerdings könnte das neue Anhängsel ebenfalls angezeigt werden.

Facebook erhofft sich, die eigene Marke durch die eindeutigen Verweise bei den populären Diensten im Digitalraum mit positiven Konnotationen aufzuladen. Das erscheint gerade deshalb umso relevanter, da die Federal Trade Commission sowie das Department of Justice kartellrechtliche Prüfungen zum Unternehmen angekündigt hatten. Darüber hinaus hatte Facebook zuletzt eine „Einigung“ mit der FTC erzielt und gut fünf Milliarden US-Dollar Strafe wegen Datenrechtsverstößen gezahlt. Teil der Übereinkunft war auch, die Unternehmenskultur im Hinblick auf Datenschutz zu überholen.

An Schelte und Problemen mangelt es Facebook in den letzten Jahren nicht. An Erfolg aber genauso wenig. Die Umsätze steigen, die Nutzerzahlen ebenso. Bloß das Image bleibt beschädigt, nach Cambridge Analytica gab es kein Zurück. Durch die angestrebte Verschmelzung mit Instagram und WhatsApp auf der Branding-Ebene könnten sich die Wogen etwas glätten, zumindest was die Nutzer selbst angeht. Allerdings waren viele Probleme Facebooks bislang kaum mit diesen Diensten assoziiert worden – und auch das könnte sich ändern, wenn schon darauf hingewiesen wird: Instagram from Facebook.

So kann man den Schritt des Unternehmens als gewagt bezeichnen. Ob er letztlich aber überhaupt eine besondere Wirkung zeigt, ist fraglich. Denn heutzutage und besonders im Digitalen geht der Trend gen kurz und knackig. Aber vielleicht braucht die Bezeichnung auch nur einen Moment, um ganz normal zu klingen. Immerhin handelt es sich um Dienste von Facebook. Eitel oder nicht, Facebook kann sich so einen Versuch erlauben. Viel anhaben kann dem Unternehmen derzeit ohnehin nichts.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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