Social Media Marketing

Aperol, Disney und Tim Raue: So kann Influencer Marketing in Coronazeiten funktionieren

Corona verändert unseren Alltag. Darauf müssen auch Influencer-Kooperationen reagieren. Marken wie Aperol und Disney zeigen, wie es gehen könnte.

Infuelncer Marketing: Auf dem Bild sieht man einen Smartphone-Display, auf dem ein ein geöffnetes Instagramprofil zu sehen ist.

© Erik Lucatero-Unsplash

Seit Ausbruch der Coronapandemie hat sich vieles verändert. Zwar werden bestimmte Einschränkungen des Alltags mittlerweile nach und nach wieder gelockert. Dennoch ist klar: Eine allzu schnelle Rückkehr zum Gewohnten wird es wohl nicht geben. Dieser neuen Normalität muss auch das Marketing Rechnung tragen. Es gilt, kreativ zu werden, bisherige Botschaften und Kampagnen zu überdenken und entsprechend anzupassen. Das betrifft auch den Einsatz von Influencern. Aber wie kann das in der Praxis aussehen? Drei aktuelle Instagram-Beispiele im Check.

Aperol lädt zum gemütlichen Konzertabend ein

Darum geht’s: Festivalsaison und Konzertbesuche sind durch Corona in diesem Jahr in weite Ferne gerückt. Die italienische Aperitif-Ikone Aperol hat genau darin eine Chance erkannt und blitzschnell eine digitale Konzert-Reihe unter dem Hashtag #TogetherwithAperol ins Leben gerufen. Jeden Freitag gibt es einen Livestream auf der offiziellen Instagram-Seite der Campari-Marke, in dem eher unbekannte Musiker kleine Konzerte zum Besten geben. Promotet wird das Ganze jede Woche zudem von unterschiedlichen Influencern wie den Bloggerinnen luciekx (61.300 Abonnenten), kirabejaoui (107.000 Abonnenten) oder dem Schauspieler Tom Beck (236.000 Abonnenten), die jeweils auch kurze Auftritte in den Konzert-Streams haben.

Das können sich andere Marken abschauen: Unter dem Kampagnen-Hashtag lassen sich aktuell fast 1.000 Beiträge auf Instagram finden. Nur ein Bruchteil davon stammt von Influencern. Das zeigt: Die Aktion wird auch von normalen Usern gut angenommen – sie teilen ihre Aperol-Bilder fleißig. Das Aperol-Team stößt mit seiner Aktion in eine Lücke, die durch die aktuelle Ausnahmesituation entstanden ist. Mit Unterstützung der Influencer gelingt es, die Marke geschickt als emotionalen Anker in schwierigen Zeiten zu positionieren. Mit der Konzert-Reihe wurde außerdem ein Format geschaffen, dass auch in der Zeit nach der Pandemie noch gut funktionieren kann.  

Disney lädt zum Live Lettering

Darum geht’s: Trotz Lockerungen verbringen viele Menschen immer noch viel Zeit in ihren eigenen vier Wänden. Disney hat sich deshalb mit Bastel-Bloggerin Frau Hölle (107.000 Abonnenten) zusammengetan. In Live Lettering-Kursen führt die Influencerin die Follower des offiziellen Disney-Deutschland-Instagram-Kanals in die Kunst des Letterings ein. Der Clou: im Zentrum der Aktion stehen berühmte Zitate aus Disney-Filmen. Um die Aktion noch breiter zu bewerben, aktivierte Disney zudem weitere Social Media-Sternchen mit Lettering-Background wie letterbraut (5.800 Abonnenten) oder letter_dir_einen (7.500 Abonnenten). Verbindender Hashtag der Aktion ist #disneylivelettering.

Das können sich andere Marken abschauen: Die diversen Influencer-Beiträge zur Aktion kommen auf über 10.000 Likes. Insgesamt gibt es auf Instagram fast 400 Postings, die unter Verwendung des Kampagnen-Hashtags gepostet wurden. Ein schöner Erfolg. Dabei schafft es Disney durch das Take Over der Influencerin, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Einerseits werden die Follower von Frau Hölle aktiviert, die dann bestenfalls auch dem offiziellen Disney-Account folgen, andererseits wird die bestehende Community mit neuen Ideen und Inspirationen versorgt. Herausgekommen ist ein kurzweiliger Zeitvertreib für Jung und Alt. Besonders gelungen ist auch, dass Disney mit dem Thema Lettering einen aktuellen Trend aufgreift und ihm geschickt den eigenen Marken-Stempel aufdrückt.

Tim Raue lädt zum virtuellen Blogger-Dinner

Darum geht’s: Um auch in Coronazeiten angemessen für sein neues Kochbuch zu trommeln, initiierte Star-Koch Tim Raue ein virtuelles Blogger-Dinner mit Berliner Food-Bloggern wie dem Team von quiez.de (9.400 Abonnenten), berlinerspeisemeisterei (77.800 Abonnenten) und girleats.bln (7.600 Abonnenten). Nachdem die Zutaten jeweils (natürlich mit gebührendem Abstand) extra zu den Bloggern nach Hause geliefert worden sind, wurden Rezepte aus dem neuen Kochbuch nachgekocht. Ausgewertet wurde dann gemeinsam im Zuge eines Dinners via Videocall. Gastgeber des Abends war Steve Karlsch, langjähriger Weggefährte von Tim Raue.

Das können sich andere Marken abschauen: Das Beispiel zeigt, wie gut es funktionieren kann, auch in diesen außergewöhnlichen Zeiten bekannte Formate wie Blogger Dinner umzusetzen – ohne dabei wichtige Hygiene-Vorschriften zu missachten. Via Story-Funktion konnten die Follower die Aktion in Echtzeit mitverfolgen. Besonders überzeugen kann auch der Mix aus unterschiedlichen Micro- und Macro-Influencern aus dem Food-Bereich. 

Über Philipp John

https://www.reachhero.de/

Philipp John hat 2014 zusammen mit Christian Chyzyk und Aaron Troschke ReachHero gegründet, den ersten deutschen Marktplatz für Influencer-Marketing, der seit 2019 Teil der Media Elements Group ist. Zwischen 2010 und 2012 war Philipp als Management Consultant in der internationalen Unternehmensberatung von A.T. Kearney tätig. Philipp hat einen MBA-Abschluss der Stanford Graduate School of Business und ist zudem Gründungsmitglied des Bundesverbandes Influencer Marketing.