Social Media Marketing

Hilfreich, aber auch gefährlich? Facebooks neues Feature für Petitionen

Mit Community Actions besinnt sich das Netzwerk auf regionale Petitionen, dank derer Nutzer über Facebook ihre politische Angelegenheit verbreiten können.

Facebooks Petitionen-Feature, © Facebook

Treffen zwei politische Instrumente aufeinander, kann das unvorhersehbare Auswirkungen haben. Dennoch setzt Facebook ab heute auf ein Feature für Petitionen, das die Bedeutung der Plattform im lokalen Raum weiter stabilisieren soll. Selbst bei dieser neuen Option bleibt die alte Frage bestehen: schafft es Facebook eine demokratische Struktur zu erhalten oder wird man zur Anlaufstelle für Vertreter fragwürdiger Positionen?

Facebook und die Politik: Ein schwieriges Verhältnis

Insbesondere für werbebasierte Wahlbeeinflussung aus dem Ausland wurde Facebook heftig kritisiert. Dabei stellen Kritiker grundsätzlich die Frage, inwieweit die Plattform nicht nur zum Meinungsaustausch, zur Verbindung von Menschen und zur Kommunikation beiträgt, sondern auch zum Säen von Zwietracht, zur Verbreitung von Hate Speech oder zur Indoktrination. Hierauf ließe sich antworten, dass jede große Plattform der Kommunikation als Projektionsfläche für facettenreiche Anliegen genutzt wird. Und Social Media wie Facebook sind aufgrund der Unmittelbarkeit der Verbreitung von Botschaften und der schieren Masse derselben sehr schwer zu regulieren.

Während nun dieser Diskurs über das Soziale Netzwerk fortbestehen wird, setzt das Unternehmen wieder auf ein neues Feature, um seine Nutzer zu halten. Ab heute können, zunächst nur in den USA, Petitionen erstellt werden. Mit Community Actions lassen sich vor allem lokale Anliegen schnell und unkompliziert zum digitalen Thema machen. Wie TechCrunch berichtet, braucht es lediglich eine Überschrift sowie eine Beschreibung des Anliegens, ehe nicht nur Freunde, sondern auch betroffene Organisationen oder lokale Politiker getaggt werden können. Diejenigen, die die Petitionen erstellen, könnten über Facebook rasch digitalen Support erlangen. Die Zahl der Unterstützer wird bei der entsprechenden Ansicht ebenso angezeigt. Bislang wird über Seiten wie Change.org auf Petitionen gesetzt; doch der schnelle Zugang über den Newsfeed und die Option, einfach auf „Support“ zu klicken, könnten dieses Feature für viele Organisatoren interessant machen.

Facebooks Feature für Petitionen, © Facebook

Facebook hat die Option mehrere Wochen getestet und rollt sie heute in den USA aus.

Petitionen für den Wandel: Doch den sieht nicht jeder gleich

Beispiele für die getesteten Petitionen sind ein Aufruf zu mehr Verkehrssicherheit für Fußgänger im Umfeld einer Bibliothek oder solch einer, der zum Bau eines Performing Arts Centers animieren soll.

Petition für den Bau eines Performing Arts Centers in St. Augustine, Screenshot Facebook

Dabei kommt den Erstellern zugute, dass Regierungsbeamte oder passende Politiker direkt getaggt werden können. Der Präsident und der Vizepräsident sind davon jedoch ausgenommen. So werden diese über Social Media direkt von verschiedenen Vorhaben informiert. Das Feature eignet sich gut, um ein Anliegen möglichst viral zu gestalten. Ob eine hohe Anzahl an Unterstützern letztlich auch eine konkrete Auswirkung auf die mögliche Entwicklung eines Projekts hat, bleibt allerdings fraglich. Ein Facebook-Sprecher gab gegenüber TechCrunch die Beweggründe für die neue Option an:

Building informed and civically engaged communities is at the core of Facebook’s mission. Every day, people come together on Facebook to advocate for causes they care about, including by contacting their elected officials, launching a fundraiser, or starting a group. Through these and other tools, we have seen people marshal support for and get results on issues that matter to them. Community Action is another way for people to advocate for changes in their communities and partner with elected officials and government agencies on solutions.

Weiteres Beispiel für die Petitionen bei Facebook, © Facebook

Vornehmlich lokale Anliegen sollen damit unterstützt werden. Jetzt wirft das Feature für Petitionen aber auch Fragen auf. Was geschieht, wenn über ein Thema große Uneinigkeit herrscht? Gegner des Vorhabens können nur Gegenpetitionen starten oder die erstellte Petition samt eigener Meinung im eigenen Feed teilen. Damit wird die simple Einstellung der Petitionen und Kommunikation in deren Rahmen aber potentiell auch zum Problempunkt. Denn im Zweifel entsteht so eine Kultur von Bewegung und Gegenbewegung, die dem eigentlichen Zweck der Funktion zuwiderläuft. Außerdem könnte Facebook mit der Regulation solcher Aufrufe eine große Aufgabe bevorstehen.

Wann sind Petitionen nicht mehr annehmbar?

An welcher Stelle schreitet Facebook ein und lässt eine Petition nicht mehr zu? Nach Informationen von TechCrunch werden die bestimmten Seiten über Meldungen von Usern, einen proaktiven Algorithmus sowie menschliche Prüfer kontrolliert und reguliert. Aber wie geht Facebook mit kontroversen Themen um? Ein Beispiel wäre ein Aufruf für und einer gegen eine Geflüchtetenunterkunft in einem bestimmten Gebiet. In welchem Moment findet Diffamierung statt, wann sind die Beweggründe hinter einer Petition gesellschaftlich nicht mehr annehmbar?

Im Test, so gibt Facebook an, habe es kaum große Probleme gegeben. Schafft die Plattform es, dieses Feature durch die Durchsetzung klarer Richtlinien moderat zu halten, dürfte es für viele Gemeinschaften zu einem wertvollen Instrument avancieren, um nötigen Wandel voranzubringen. Ob sich die Politik, egal in welchem Kontext, der auf Facebook dargestellten und im Bestfall unterstützten Meinung beugen wird, bleibt jedoch abzuwarten – und kritisch zu betrachten.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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