Interviews

Googles Mobile Index & AMP – Auf diese Strategien setzen MOZ, Bing und SEER

Rand Fishkin von MOZ, Purna Virji von Bing Ads und Wil Reynolds von SEER verraten ihre Strategien mit Blick auf den Mobile Index und AMP.

© Flickr / Ben Nuttall, CC BY-SA 2.0

Die SMX lockt 2017 erneut mit spannendem Programm Marketing-Fachleute in den Süden. In den kommenden Tagen möchten wir euch einen Vorgeschmack auf das geben, was euch am 14. und 15. März in München erwartet.

Heute erklären die folgenden diesjährigen Speaker, wie sie auf Googles Mobile Index reagieren und wie sie das Projekt AMP einschätzen:

  • Rand Fishkin, Wizard of Moz bei Moz
  • Purna Virji, Senior Client Dev. & Training Manager bei Bing Ads
  • Wil Reynolds, Founder & Director of Digital Strategy bei SEER Interactive

Interview mit Rand Fishkin von MOZ, Purna Virji von Bing Ads und Wil Reynolds von SEER

SMX: Die Metainformationen, besonders der Titel und die Description sind sehr wichtig im SEO. Wie sieht die Metadescription für deinen Talk auf der SMX 2017 in München aus?

Rand Fishkin: In der Keynote zeigt Rand einige Beispiel für außergewöhnlichen Content und analysiert, warum es mancher gute Content bis an die Spitze bei Google schafft, während anderer in der Dunkelheit verschwindet.

Purna Virji: Dieses Jahr bin ich in der glücklichen Position gleich zwei Talks zu halten. Das sind meine Metadescriptions:

  1. Technologien verändern unser Kaufverhalten. Lernt, wie künstliche Intelligenz, Chatbots und Conversational Commerce zu Conversions abseits der Landingpages führen und wie ihr euch darauf vorbereiten könnt.
  2. Visual Intelligence – eine Kombination aus Bildersuche und künstlicher Intelligenz hat zur Folge, dass die Suchanfragen mit Smartphonekameras steigen werden. Wie wird das Werbetreibende beeinflussen, die nur auf Keywords setzen? Lernt euch darauf vorzubereiten, wenn eure Kamera zur Suchmaschine wird.

Wil Reynolds: Hört auf die Menschen – sie sind diejenigen, die auf eure Top-Ergebnisse klicken. Fragt euch doch mal, wie viel ihr über sie wisst? Wie viel Zeit habt ihr damit verbracht zu analysieren, warum Menschen etwas kaufen? Dann fragt euch als nächstes, wie viel Zeit ihr damit verbracht habt zu verstehen, wie und warum Google Inhalte „rankt”. Sehr ihr da ein Ungleichgewicht?

Letztes Jahr war die Umstellung von Google zum Mobile Index ein großes Thema. Was bedeutet dies für Webseiten? Ist es aus deiner Sicht ausreichend einfach alles auf “mobile” umzustellen bzw. was ist die beste Strategie?

Rand Fishkin, MOZ

Rand Fishkin, MOZ

Rand Fishkin: Im Moment sieht es nicht so aus, dass es erhebliche Auswirkungen auf das SEO hätte. Wir müssen beobachten, wie sich Suchergebnisse im mobilen und Desktop-Bereich in den nächsten Monaten voneinander unterscheiden, aber nach meiner Einschätzung braucht man keine neuen Herangehensweisen für den separaten mobilen Index.

SEO bedeutet schon seit längerem, mobile-freundliche und adaptive oder responsive Inhalte anzubieten – ich erwarte nicht, dass sich das ändern wird.

Purna Virji:Habt ihr es noch nicht gehört? Zum zehnten Mal in Folge schreiben wir „das Jahr des Mobilen“. Nein, Spaß beiseite, aber ich denke die Nutzungsraten und auch Nutzererwartungen haben endlich unbestreitbare Höhen erreicht – laut „Search Engine Land“ erfolgen fast 60 Prozent der Suchanfragen von mobilen Endgeräten aus.

Die Abhängigkeit von dem „Mobilen“ hat bereits zu einer Veränderung bei der Art der Eingabe geführt:

Es geht nicht mehr nur darum, einfach Fragen einzutippen. Wir haben den Anstieg von Voice Search erlebt (65% der Smartphone-Besitzer nutzen ihren Sprachassistenten) und müssen uns nun auf „Visual Intelligence“ vorbereiten. Unsere Kameras werden zu unseren Suchplattformen – wir müssen unsere Fragen nicht mehr länger eintippen, sondern können einfach ein Foto machen und so finden, wonach wir suchen.

Wir befinden uns immer in Reichweite unserer Smartphones – wenn es also neue Suchmöglichkeiten gibt, die von Technologien profitieren, die praktisch mit unserem Körper verbunden sind, dann wird deren Nutzung auch automatisch steigen. Auf der SMX werde ich darüber berichten, was Unternehmen machen können, um sich dafür vorzubereiten.

Wil Reynolds: Ich bin mir nicht sicher – um ehrlich zu sein, versuche ich mein Team von der Denkweise “Google first” hin zu “People first” zu bewegen, aber mit dem Fokus Google an zweiter Stelle. Darauf basierend würde ich empfehlen die Conversion und Interaktion von Mobile im Vergleich zu Desktop zu erfassen: Nutzt die Daten, die ihr bereits habt – erkennt ihr eine Verschlechterung bei den mobilen Conversionrates? Dann fragt euch, warum das so ist. Macht User-Tests für den mobilen Bereich und nutzt Tools wie „Inspectlet“ und „hotjar“, um ein Gefühlt dafür zu bekommen, wie Nutzer hier mit eurem Content interagieren.

AMP (Accelerated Mobile Pages) ist Googles Alternative zu den Instant Articles von Facebook. Mit AMP sollen Seiten unter anderem schnellere Ladezeiten haben. Welche Vor- und Nachteile hat AMP aus deiner Sicht und muss nun jeder Webseitenbesitzer diese Möglichkeit nutzen, um seine mobile Seite zu optimieren?

Rand Fishkin: Der große Nachteil ist, dass Google die User Experience kontrolliert und Traffic einsackt, der eigentlich den mobilen Webseiten gehört. AMP schränkt die Möglichkeiten ein, Webseiten interaktiver zu besuchen und erschwert zum Beispiel das Copy/Pasten oder auch Teilen von URLs. Außerdem beeinflusst es die Auslieferung von personalisierten Features. AMP wirkt sich auch auf eure Möglichkeit aus, Conversion Rate-Tests durchzuführen.
Das Positive ist, dass die Inhalte natürlich auf mobilen Geräten sehr, sehr schnell laden, selbst bei langsamen Internetverbindungen. Mein grundsätzlicher Ratschlag ist es, AMP für den Content-Bereich zu nutzen, aber es ist nicht zwingend für jede Seite notwendig.

purna-virji-bing

Purna Virji, Bing Ads

Purna Virji: Letztendlich kommt es immer auf die User Expericene an.

Ich persönlich bin ein Fan von Instant Articles und AMP, weil die Seiten so schnell laden – gerade wenn ich reise und mit seeeeehr langsamen Internet auskommen muss, ist das für mich sehr wichtig.

Von Standpunkt eines Unternehmens aus würde ich 3 Schritte vorschlagen:

1. Den Nutzen verstehen: Der Vorteil für die Nutzer ist offensichtlich, aber es gibt noch mehr Dinge zu berücksichtigen.

  • Es geht nicht nur um die Schnelligkeit, sondern auch darum, dass Nutzer weniger Datenvolumen verbrauchen, was ein großer Vorteil ist.
  • AMP wird auch für andere Plattformen wie Bing oder Pinterest ausgerollt.
  • Laut „SEM Post“ werden Seiten, die AMP verwenden, auch in den normalen Suchergebnissen gelistet und nicht nur in der Karusellansicht oberhalb.
  • All dies bedeutet, dass wir die Effekte von AMP an vielen Stellen sehen werden – daher ist es Zeit, AMP in der Prioritätenliste nach oben zu schieben.

2. Die Einschränkungen kennen: Wie mit allem gibt es auch hier „Nebenwirkungen“, daher ist es für Unternehmen wichtig, gut informiert zu sein.

Ein paar Dinge, die mir dazu einfallen:

  • Es kann zu Problemen beim Tracking mit Google Analytics kommen, wenn AMP nicht richtig eingebunden wird.
  • Personalisierungen können eingeschränkt sein, zum Beispiel können Nutzer die Schriftgröße nicht verändern, um den Artikel besser lesen zu können.

Es besteht aber kein Grund zur Sorge, wenn die Umsetzung gut durchdacht wird.

3. Die Notwendigkeit festlegen und priorisieren: Findet heraus, bei welchen Bereichen eurer Website ihr AMP am wirkungsvollsten testen könnt und bindet es dann phasenweise ein, so dass ihr die Risiken minimieren könnt.

Wil Reynolds, SEER

Wil Reynolds, SEER

Wil Reynolds: Es begann mit den Nachrichten, aber inzwischen sehen wir, dass AMP auch in andere Bereiche vordringt.

Wenn ich ein Unternehmen wäre, würde ich es auf meine Agenda für die nächsten zwei bis drei Jahre schreiben. Wenn ich im Contentbereich unterwegs wäre, dann würde ich es auf meine To-Do-Liste mit dem Titel „Muss jetzt erledigt werden“ schreiben.

Bitte erkläre deiner 95-jährigen Oma deinen Beruf.

Rand Fishkind: Meine Großmutter wurde gerade 90 Jahre alt – sie ist noch immer jung! Ich helfe Menschen dabei, besseres Marketing zu machen. Ich habe ein Unternehmen mit dieser Mission gegründet und heute entwickeln wir Software, die Mitarbeitern im Marketing dabei hilft zu verstehen, wie Google arbeitet und was sie machen können, um eine größere Sichtbarkeit zu erlangen und mehr Traffic von den Google Suchanfragen zu bekommen.

Purna Virji: Oma, ich helfen Menschen dabei, dass sie mehr Kunden mit Informationen zu ihrer Marke, ihrem Produkt und ihrem Service erreichen. Wie bei einer Computerversion des Telefonbuches – aber weniger schwer. Mein Job ist es Menschen beizubringen, wie sie diese online Version der Gelben Seiten nutzen können, um mit ihrem Unternehmen zu wachsen. Dafür reise ich um die ganze Welt und repräsentiere Microsoft auf verschiedenen Veranstaltungen und Konferenzen.

Wil Reynolds: Ich helfe Menschen dabei, Dinge zu finden, nach denen sie mit Hilfe ihres Computer suchen.

Vielen Dank für das Interview!


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