Politik

Google News in Europa vor dem Aus?

Laut Bloomberg denkt das Unternehmen darüber nach Google News in Europa einzustellen, sollte die geplante Urheberrechtsreform der EU inkrafttreten.

Google News in Europa vor dem Aus?, Screenshot YouTube, © Google

Bei Google nach den neuesten Nachrichten zu bestimmten Themen zu suchen ist denkbar einfach und viele User nutzen Google News täglich, um sich gezielt zu informieren. Dass die geplante EU-Urheberrechtsreform den Dienst einzuschränken droht, ist längst bekannt. Nun überlegt Google, im Falle einer Akzeptanz der Reform Google News in Europa komplett auszusetzen. Die Folgen für Publisher und Nutzer wären immens.

Google News wird von der Urheberrechtsreform der EU bedroht

Google News listet Artikel von verschiedenen Publishern und ermöglicht Nutzern eine vielfältige Berichterstattung, auf die direkt aus der Suchmaschine zugegriffen werden kann. Doch das könnte in Europa bald Geschichte sein. Wie Bloomberg berichtet, denkt Google darüber nach den Dienst dort einzustellen. Grund ist die EU-Urheberrechtsreform. Diese sollte derzeit finalisiert werden, allerdings haben sich nun elf Mitgliedsstaaten gegen die aktuelle Fassung ausgesprochen – somit liegt der Vorschlag fürs Erste auf Eis. Kritisiert wurde neben Artikel 13 und den definierten Uploadfiltern insbesondere Artikel 11. Dieser sieht ein Leistungsschutzrecht für Verlage vor, wird jedoch gemeinhin als Linksteuer bezeichnet. Nach Artikel 11 machen Verlage ihre Inhalte – und auch Ausschnitte davon – bei Suchmaschinen, Aggregatoren usw. gewerblich zugänglich. Wir haben es in einem vorigen Artikel bereits beschrieben:

Indem die Anzeige der Artikel ab einer noch nicht festgelegten Darstellungsgröße der Beiträge über den Link hinaus, also etwa Auszüge, lizenzpflichtig wird, können von Google, aber auch Einzelnutzern Gebühren für die Anzeige der Artikel eingeholt werden […] Das könnte bedeuten, dass Links selbst mit einem Wort der Erklärung zu Gebühren verpflichten. Damit müsste etwa Google News für die Verbreitung von Inhalten diese bezahlen. Doch das scheint wiederum nicht unbedingt infrage zu kommen, sodass der Dienst, wenn nicht eingestellt, so aber von seiner Diversität eingeschränkt werden dürfte.

Das Beispiel Spanien: Google News harmoniert nicht mit Leistungsschutzrechten

Eingestellt wurde Google News vor Jahren schon in Spanien. Denn dort hatte ein Gesetz vorgesehen, dass Publisher für die Nutzung der Inhalte durch Google und Co. entlohnt werden müssen. Auch Auszüge und Links wären gebührenpflichtig. Daher hat Google, wie der Guardian zu der Zeit berichtete, den Dienst in Spanien nicht aufrechterhalten. Richard Gingras, Googles Vice President für News, erklärte damals:

This new legislation requires every Spanish publication to charge services like Google News for showing even the smallest snippet from their publications, whether they want to or not. As Google News itself makes no money (we do not show any advertising on the site) this new approach is simply not sustainable.

Nun droht ganz Europa ein Verlust von Google News

Das Unternehmen Google hat es schlicht nicht nötig, Geld für die Anzeige von Artikeln zu zahlen. Dafür ist die Marktposition zu stark. Trotzdem wäre ein Ende von Google News in Europa kein Schritt, den Google gehen möchte. Denn man möchte ein möglichst diverses Internet und für seine Nutzer die Möglichkeit bieten, sich so umfassend wie möglich über die Suchmaschine zu informieren.

Deswegen hat sich Richard Gingras erst im Dezember vehement gegen die EU-Urheberrechtsreform mit einem Artikel 11 in der entsprechenden Fassung ausgesprochen.

[T] he European Parliament’s version of a new copyright directive—specifically Article 11 and its recital 32—will have unintended consequences for smaller news publishers, limit innovation in journalism and reduce choice for European consumers. We urgently call on policymakers to fix this in the final text of the directive.

Die derzeit über 80.000 in Google News repräsentierten Publisher dürften ebenfalls nicht an einem Ende des Dienstes interessiert sein. Immerhin haben sie dadurch weniger Sichtbarkeit und letztlich sinkende Einnahmen zu befürchten. Dass dies auch für die Nutzer nachteilig wäre, liegt auf der Hand. Und genau diese möchte Google nicht benachteiligt sehen.

We believe the information we show should be based on quality, not on payment. And we believe it’s not in the interest of European citizens to change that.

Google warnt: Ist Google News in Europa wirklich bald nicht mehr verfügbar?

Erst vor einigen Tagen hatte Google dargestellt, wie der Bereich News im Kontext der EU-Urheberrechtsreform aussehen könnte.

Google News ohne Auszüge, Beschreibungen oder Bilder, Quelle: The Verge

Googles Top Stories ohne Beschreibung oder Bild, Quelle: The Verge

Nur der Link zum Publisher bliebe in diesem Szenario übrig, keine konkreten Auszüge, Titel oder Bilder. Doch selbst das könnte bei einer Einstellung des Dienstes vorbei sein. François Godard, ein europäischer Medienanalyst von Enders Analysis, erklärt bei Bloomberg:

I don’t buy the threat – they really need Europe.

Bei einer durchgesetzten Urheberrechtsreform samt Artikel 11 in seiner kritisierten Form könnte Google verschiedene Wege einschlagen. Eine vollständige Aufgabe von Google News scheint weniger wahrscheinlich. Allerdings müsste das Unternehmen andernfalls abwägen, mit welchen Publishern Deals für die Anzeige von Inhalten geschlossen werden. Und da große Publisher grundsätzlich eine größere Bandbreite an Themen liefern, würden eher diese gewählt. Kleinere Publisher hätten das Nachsehen; und die Nutzer deutlich weniger Vielfalt bei der Nachrichtenauswahl.

Da sich der Europäische Rat nicht auf einen neuen Text einigen konnte, besonders wegen Artikel 11, bleibt die Reform vorerst ohne Wirkung.

Womöglich kommt es gar nicht zur Urheberrechtsreform in der aktuellen Fassung. Was diese zur Folge haben könnte, sollte Nutzer und Politiker daran erinnern, dass Reformen im digitalen Raum realitätsnah sein müssen. Es gibt natürlich auch ein Leben ohne Google News. Doch zahlreiche andere Dienste und Seiten wären von einer Urheberrechtsreform nach aktuellem Stand ebenso eingeschränkt.

Der Trilog zwischen Parlament, Kommission und dem Europäischen Rat war zuletzt ausgesetzt worden. Dass die Reform nach so viel Gegenwind ohne weitere Kompromisse angenommen wird, scheint derzeit äußerst fragwürdig; und kann als gutes Zeichen für die Nutzer und viele Parteien im diversen Internet betrachtet werden.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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