Marketing Strategie

Google bestimmt, was nervige Ads sind: Daten der Suchmaschine sind Grundlage der Coalition for Better Ads

Google bestätigt, dass ihre Daten und Studienmethodik von der Coalition for Better Ads für die Kategorisierung störender Werbeanzeigen genutzt wurden.

© Google

Google hat nun einen Adblocker in seinem Chrome Browser implementiert. Dieser soll Werbeanzeigen blocken, die als „annoying“ eingestuft werden – durch die Coalition for Better Ads. Doch es wurde deutlich, dass die Richtlinien der Coalition sich grundlegend auf die Daten und Methoden ganz besonders eines Unternehmens stützen, nämlich Google selbst.

Die Coalition for Better Ads: Viele Namen, aber kritikfähig

Die Coalition for Better Ads ist ein Zusammenschluss, der die digitale Werbung qualitativ aufwerten soll. Dabei gehören dem Verbund neben Google und Facebook auch AppNexus, Axel Springer, Criteo, der BVDW, die GroupM, aber ebenso die NewsCorp oder Microsoft an. Die Better Ads Standards, die nach eigenen Angaben auf einer umfassenden Studie beruhen, erscheinen aus Nutzersicht auch durchaus angebracht.

Better Ads Standards: Verstöße auf dem Desktop, © Coalition for Better Ads

So sollten beim Desktop beispielsweise keine Pop-ups oder Autoplay-Videoanzeigen vorkommen; das gilt natürlich auch und besonders für Mobile. Also, eigentlich sind diese Standards eine gute Sache, oder?

Es gibt allerdings einen kleinen Haken: Google hat, wie George Slefo berichtet, gegenüber Ad Age bestätigt, dass ihre Daten und Studienmethodik die Grundlage der Entscheidung über nervige Werbeformate darstellen. Und bei der Veröffentlichung der Standards wurden Google und die Namen von 18 Mitarbeitern als Quelle entfernt, sodass später nur von den Studien der Coalition die Rede war.

Googles Einfluss auf die Coalition

Dass Google bei den Werbestandards eine große Rolle spielen würde, dürfte jedem klar sein. Die Suchmaschine ist der größte Player im digitalen Business. Das Mutterunternehmen Alphabet streicht das Gros aller globalen digitalen Werbeeinnahmen ein. Demnach ist es einerseits nur folgerichtig, dass ein Gutteil der Daten, die für die Bestimmung von Werbestandards verwendet wurden, von Google stammen sollte. Andererseits wirkt die Kommunikation in Bezug auf den eigenen Adblocker in Chrome im Rückblick nun etwas zu selbstgefällig.

Denn Google hatte letztes Jahr angekündigt, dass der Adblocker den Richtlinien der Coalition for Better Ads folgen solle. Seit gestern ist der Adblocker ausgerollt, aber mit dem faden Beigeschmack, dass die Blockingkriterien im Prinzip von Google selbst initiiert wurden. Auf die Frage hin, warum Google nicht als Quelle der Studien bei der CBA auftauchte, gab eine Sprecherin der Suchmaschine bei Ad Age vage an:

The Coalition for Better Ads made the decision as to what to publish and not to publish on their website.

Die Intransparenz bei der Erstellung der Better Ads Standards erscheint im Nachhinein berechnend. Denn Google weiß um das öffentliche Bild, dass das Unternehmen mehr und mehr eine Vormachtstellung im digitalen, aber auch im alltäglichen lebensweltlichen Bereich der Menschen einnimmt. Die Kontrolle, die das Unternehmen auf das digitale Nutzerverhalten ausübt, kann nicht geleugnet werden. Nun kann die Coalition deshalb nicht rundheraus kritisiert werden, da die Standards doch auf fundierten Erkenntnissen basieren und überlegt wirken.

Dennoch kann im Zuge der Erkenntnis, dass Google hier mehr Einfluss ausübte als zunächst öffentlich ersichtlich, Kritik an der Diversität der Standards geübt werden. Der Jura-Professor der Northwestern University in den USA, James Speta, fasst bei Ad Age zusammen:

If it can be shown that Google manipulated the standard setting process, that would be a concern to the Federal Trade Commission. The underlying issue in cases like these is how transparent is the trade body, and how fair is it? Was everyone able to see what was going on?

Was wird wann nach den Better Ads Standards geblockt?

Wenn ein Nutzer über den Chrome Browser eine Website besucht, dann wird der Adblocker prüfen, ob es bei dieser zuvor schon Verstöße gegen die Better Ads Standards gegeben hat. Diese Stadards sind hier einsehbar. Dabei können Nutzer übrigens auch den Adblocker deaktivieren. Widerspricht eine Ad oder gleich mehrere auf Websites den Richtlinien, werden diese geblockt und der User sieht, dass das Blocking aktiviert wurde.

Doch auch wenn es Verstöße gibt, können diese von den Publishern behoben werden. Die drei möglichen Einstufungen für Seiten sind:

  • Bestehen
  • Warnung
  • Durchfallen

In den zwei letzteren Fällen werden die Seitenbetreiber informiert; sind die Verstöße nach 30 Tagen nicht behoben, werden Ads auf deren Seiten geblockt. Der Bericht zur Nutzerfreundlichkeit von Werbeanzeigen, den Google bereitstellt, kann dir helfen, diese für deine Seite zu prüfen.

Matt Southern vom Search Engine Journal zufolge hatten am 12. Februar 2018 bereits 42 Prozent der Seiten, die zuvor bei den Better Ads Standards durchgefallen waren, ihre Verstöße bereinigt.

Doch all die Optimierungen in Bezug auf die Werbequalität – wie positiv sie sich für viele Nutzer auch auswirken mögen – sind, wie sich zeigt, irgendwo auf Google zurückzuführen. Man wird das Gefühl nicht los, dass das Unternehmen über digitale Werbung und auch deren Einschränkung eine erhebliche Kontrolle genießt.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.