Suchmaschinenmarketing

Geo-Rankings wirbeln die SEO-Welt durcheinander

Google passt sich immer mehr den lokalen Gegebenheiten der User an. Wir befragten Experten zum Thema: Immer größer werdende Bedeutung.

Thomas Siepmann / pixelio.de

Google hat seine Suchabfragekriterien geändert, sodass neuerdings die geographische Lage des Suchenden eine besonders große Rolle spielt. Somit gewinnt das Geo-Ranking immer mehr an Bedeutung und wirbelt so die SEO-Welt gehörig durcheinander. Eine Studie von Linkdex hat ergeben, dass sich in 69% der Fälle das Ranking einer Website unterscheidet, wenn die Abfrage von unterschiedlichen Location ausgeübt wird.

Doch welche Branchen sind besonders von den Geo-Rankings betroffen?

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass insbesondere der Dienstleistungssektor, wie beispielsweise Hotels, Restaurants und Cafés aber auch Handwerker, Frisöre und Zahnärzte betroffen sind. Sprich jede Branche, die einen regionalen Kundenstamm bedient. „Für diese Betriebe ändert sich in erster Linie, dass ein Ranking z.B. auf die Suchanfrage „Frisöre“ in den Zeiten vor dem GEO Ranking als sehr aufwendig und normalerweise vom Kosten-Nutzen-Verhältnis als nicht ganz so relevant eingestuft werden musste. Der Streuverlust war viel zu groß. Rankt jetzt jedoch ein Berliner Frisör mit der Suchphrase „Frisör“ in Berlin auf Platz 1, so ist der Streuverlust viel niedriger und das Ranking somit sowohl für den Nutzer als auch für den Anbieter hilfreich.“ sagt Markus Koczy von AKM3 GmbH. Ebenso „können „neumodische“ Rankingfaktoren wie öffentlich auslesbare CheckIns oder ein Google+ Unternehmensprofil zusammen mit einer Google+ Local Page durchaus Vorteile bringen, die im Endeffekt durch die besseren Rankings auch mehr Reichweite in Form von mehr Publikum bringen“ sagt Björn Tantau von TRG zu diesem Thema.

Das Geo-Thema erschwert das Controlling und Monitoring.

Björn Tantau

Es wird sich gefragt, wie zukünftig Reportings und Erfolgsmessungen gestaltet werden müssen. Sören Bendig von SEOlytics sieht durch den stärkeren Einfluss der Geolocations mittelfristig ein komplexeres Reporting auf sich zukommen. „Weil das Ranking in Suchmaschinen in Zukunft nicht mehr nur von Content, technischer Umsetzung und Links beeinflusst wird, müssen „variierende Rankingfaktoren“ wie Bewegungsdaten oder CheckIns beim Monitoring und bei der Auswertung ebenfalls berücksichtigt werden“, sagt Björn Tantau von TRG. „Das macht die Sache schwieriger, weil man sich bei der Festlegung von KPIs auf einen Standort begrenzen muss. Andernfalls wären keine Vergleiche mehr möglich. So kann man künftig thematische und inhaltliche ähnliche Websites, die aus Hamburg und München kommen und eigentlich in Konkurrenz stehen, nicht mehr so einfach vergleichen. Grund: Das lokale Suchverhalten kann an beiden Standorten unterschiedliche Ausprägungen haben (z. B. durch regionale Besonderheiten bei Nahrungsmitteln oder Einrichtungsgegenständen). Künftig muss wahrscheinlich ein Art „Grundindex“ beim Messen ermittelt werden, der dann als vergleichbarer Mittelwert für alle gilt.“


Die weiteren Stellungennahmen der Experten der Branche zu diesem Thema:

OnlineMarketing.de: Welche Branchen sind vom GEO-Ranking besonders betroffen? Was verändert sich für diese?

Julian Barkow | SEOSEO: „Erfahrungsgemäß sind vor allem Branchen betroffen die einen regionalen Kundenstamm bedienen: Zahnärzte, Eheberater, Catering-Firmen, etc. Das finde ich auch sehr sinnvoll, da der Suchende dadurch bessere Suchergebnisse angezeigt bekommt. Jedoch wird nach diesen Firmen in der Regel immer noch in Kombination mit der jeweiligen Stadt gesucht und für diese Kombis haben meine beobachtetet Fälle auch vor den GEO-Rankings schon gut gerankt. Darum konnte ich glaube ich auch kein Verbesserung im Traffic feststellen.
Außerdem konnte ich GEO-Ranking bei Onlineshop Kunden zum Beispiel aus dem Bereich „Wein“ oder „Fotoprodukte“ feststellen, die plötzlich in der Region des Firmensitzes besser ranken obwohl Sie deutschlandweit ausliefern. Da frage ich mich welchen Sinn das hat? Unsere Analysen haben übrigens gezeigt, dass sich der Umsatz der Onlineshops durch diese Geo-Rankings nicht verändert hat.“

Sören Bendig | SEOlytics: „Analysen zufolge ist insbesondere der Dienstleistungssektor, wie beispielsweise Hotels, Restaurants und Cafés, von Geo-Rankings beeinflusst. Hier kann je nach Suchphrase die Geolocation das Keyword-Ranking verändern.
Wenn ich beispielsweise von Hamburg aus nach einem generischen Suchbegriff wie „Hotel“ recherchiere, dann versucht Google meine konkrete Fragestellung zu erraten und bezieht mangels Informationen meinen Standort in den Kontext mit ein. Dann erhalte ich primär Hamburger Hotels in den SERPs. Suche ich allerdings konkret nach Hotels in einer bestimmten Stadt – Beispiel „Hotel München“ -, dann sieht das Ergebnis ganz anders aus, da die Suchmaschine mehr Informationen über die Intention bekommt.
Dieser Sachverhalt sollte zukünftig stärker in der SEO-Strategie bedacht werden, denn wenn meine Branche von diesen Lokalisierungen betroffen ist, kann ich verstärkt über eine Short-Head vs. Longtail Strategie nachdenken bzw. die Suchintention meiner potenziellen Kunden deutlicher hinterfragen.“

OnlineMarketing.de: Das Controlling und Monitoring wird komplexer. Wie müssen Reportings und Erfolgsmessungen zukünftig gestaltet werden um mit dem Geo-Thema umzugehen?

Julian Barkow | SEOSEO: „Aktuell reporten wir unseren Kunden vor allem die „Nationale Rankings“. Zu finden zum Beispiel in den Suchergebnissen der t-online.de-Suche oder in der Regel bei den bekannten Tool-Anbieter. Wünschenswert wäre es wenn man in Zukunft bei den Tool-Anbieter wählen könnte von welchen Standort man die Google-Positionen angezeigt bekommt. Dann würde ich dort wo lokale Rankings eine Rolle spielen relativ einfach noch zusätzlich die regionalen Ergebnisse mit reporten. Grundsätzlich spielen aber einzelnen Keyword Positionen für mich nicht so eine große Rolle. Ich gucke mir viel intensiver den Traffic an der über Google kommt und vor allem die Umsätze die darüber generiert werden. Wenn ich den Umsatz meines Kunden um ein Vielfaches erhöhe ist es Ihm erfahrungsgemäß egal ob er nun in Buxtehude auf Position 1, 2 oder 3 rankt.“

Sören Bendig | SEOlytics: „SEO-Controlling und Monitoring wird mittelfristig durch den stärkeren Einfluss der Geolocation komplexer werden. Selbstverständlich bedarf es einer professionellen Messung von strategisch wichtigen Aktivitäten, wie SEO. Schließlich möchte ich wissen, ob meine Mittel in diesem Kanal gut investiert sind.

Sofern meine Branche betroffen ist, muss ich je nach Zeit und verfügbaren Ressourcen die Entscheidung treffen, ob mir die Korrelation bezogen auf den allgemeinen Trend genügt – bspw. Rankingdaten mit dem Standort Deutschland. Oder ob ich an verschiedenen Messpunkten (Städten) die Daten erfassen möchte, was aber gleichzeitig die Komplexität und den Umfang der Auswertung erhöht. Professionelle SEO-Tools können dabei helfen diese Aufgabe zu bewältigen.“

Markus Koczy | AKM3 GmbH„Ist es für ein Unternehmen essenziell notwendig, in einer bestimmten Stadt zu ranken, so ist für diesen Betrieb natürlich kein Durchschnittswert o.ä. über sämtliche Städte relevant. Daher sollte das Controlling und Monitoring auf die regionalen Rankings optimiert werden. Die Unternehmen sollten die regionalen Suchergebnisse ihrer Stadt auswerten und prüfen, welches Ranking sie bei Suchanfragen aus der zuvor definierten Stadt erreichen. Anhand dieser Auswertung lässt sich Erfolg und Misserfolg der Suchmaschinenoptimierung bestimmen – globale Ergebnisse haben hingegen für regionale Anbieter relativ geringe Aussagekraft.“


Wie nehmt ihr diese Veränderungen bei den Suchergebnissen wahr?

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