Social Media Marketing

Facebook testet Tracking der Location History über Instagram

Die Location History ist für Marketer eine wertvolle Datenquelle. Nun taucht bei Instagram eine Funktion auf, die diese Daten mit Facebook teilt.

Facebook und Instagram sind eng verzahnt, © Fancycrave - Unsplash

Instagram wird für das mehr und mehr durch öffentliche Kritik gebeutelte Facebook immer stärker zur Vorzeigeplattform. Auch in Sachen Vermarktung entwickelt sich das aktuell wohl populärste soziale Medium zu einem relevanten Zugpferd für das Unternehmen. Umso mehr, da nun bekannt wurde, dass Facebook eine Funktion testet, die die Location History der User Instagrams mit Facebook teilt; und solch ein Feature würde optimiertes Targeting auf den Plattformen erlauben.

Schanzt Instagram Facebook die Location History zu?

Diese Frage thematisiert TechCrunchs Josh Constine, der auf die Nutzerin Jane Munchin Wong verweist, welche Screenshots zu einer neuen Funktion bei Instagram vorlegt. Danach experimentiert Facebook mit einer Option, die das Tracking von Locationdaten der Instagram-User ermöglicht und diese Daten an Facebook weitergibt.

Screenshot zur Trackingfunktion von Jane Munchin Wong, Quelle: TechCrunch, © Jane Munchin Wong

Die Option war im Bereich Privatsphäre und Sicherheit zu sehen. Hier war bei den Location Settings der Aspekt Location History vermerkt. Dazu hieß es:

Allows Facebook Products, including Instagram and Messenger, to build and use a history of precise locations received through Location Services on your device.

Damit könnte Facebook die Locationdaten der User von Instagram nutzen, um noch präziseres Targeting für Werbetreibende anzubieten. Denn die Daten werden auch aufgezeichnet, wenn die App geschlossen, die Locationdaten aber aktiviert sind. Im Bereich zu mehr Informationen hierzu zeigt sich jedoch, dass das Sammeln der Daten jederzeit ausgeschaltet werden kann. Außerdem lassen sich auch zuvor gesammelte Daten löschen.

Mehr Informationen zur Location History bei Instagram, Quelle: TechCrunch, © Jane Munchin Wong

Wong, die das Feature entdeckt hatte, musste die Option zum Teilen der Geodaten mit Facebook aktiv einstellen. Facebook selbst gab nun gegenüber TechCrunch an, dass offiziell keine Updates zu den Location Settings eingeführt worden sind und dass Instagram derzeit keine Location History speichert oder mit Facebook teilt.

To confirm, we haven’t introduced updates to our location settings. As you know, we often work on ideas that may evolve over time or ultimately not be tested or released. Instagram does not currently store Location History; we’ll keep people updated with any changes to our location settings in the future.


 

 

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Was Worte wert sind und die Locationdaten auf der anderen Seite

Große Player im digitalen Wettbewerb können mit Locationdaten ihre Werbesystem natürlich stark optimieren. Davon profitiert zum Beispiel auch Google. Die Suchmaschine macht selbst bei deaktiviertem Standort Aufzeichnungen zur Location des Users. Die Nutzer müssen sich sehr gut mit den Bestimmungen mit dem Umgang ihrer Daten auseinandersetzen, um diese nicht an die Anbieter wie Google oder Facebook weiterzugeben. Laut der DSGVO muss die Verarbeitung personenbezogener Daten, darunter auch Standortdaten, etwa „dem Zweck angemessen und erheblich sowie auf das für die Zwecke der Verarbeitung notwendige Maß beschränkt sein („Datenminimierung“)“ (Artikel II, § 5, Abs. 1, (c) DSGVO). Damit wäre eine Funktion wie die beschriebene in der EU schon fragwürdig. Außerdem dürfte sie nach § 6 der DSGVO nur durch einen Opt-In aktiviert werden können.

Auch wenn Facebook die Funktion noch als Zukunftsmusik abtut, scheint sie für das Unternehmen doch nur eine folgerichtige Option, um das Marketing über die Plattformen weiter voranzutreiben. Und was von Beteuerungen in diesem Umfeld zu halten ist, zeigen die Beispiele bei Google und andere diplomatische Aussagen von Facebook zu heiklen Themen des Datenschutzes. Letztlich dürfte der Reiz der Standortdaten all der Instagram-User größer sein als das Wahren einer integren Datenschutzpolitik, das mit eindeutigen Hinweisen zu den Datenverarbeitungen auf beiden Plattformen, Facebook und Instagram, einhergehen würde.

Mit der exakten Angabe von Standorten der User könnte Facebook lokales Advertising extrem verschärfen und den Usern noch aktuellere und passendere Werbeanzeigen für den aktuellen Aufenthaltsort ausspielen. Facebook hat definitiv Interesse an den Standorten der User. Erst kürzlich hatte Facebook im Test auch sein Feature Nearby Friends überarbeitet, wie Wong ebenfalls festgestellt hat.

Neuer Look für Nearby Friends bei Facebook im Test, © Jane Munchin Wong

Als optionales Feature soll Nearby Friends zwar eher für Engagement sorgen, könnte über die Angabe von Echtzeitdaten zum Standort aber auch für das Marketing an Relevanz gewinnen. Wenn Facebook nun noch Locationdaten von Instagram erhalten könnte, selbst wenn dafür die (nicht allzu hohe) Hürde einer Einwilligung von Userseite zu meistern wäre, ließe sich das lokale Targeting über Social Media beinah neu definieren.

Wird Instagram zum Wachstumstreiber – und damit an Authentizität verlieren?

Facebook selbst hat stark mit Imageverlusten zu kämpfen. Dabei ist Instagram, obwohl es unter deren Schirmherrschaft steht, bislang eher als Vorzeigeplattform rezipiert worden. Mit dem Weggang der Gründer Systrom und Krieger, der Angaben zufolge auch auf einem Zerwürfnis mit Mark Zuckerberg beruht, zeigen sich womöglich erste Risse in der heilen Instagram-Welt.

Denn Facebook möchte das Medium als sein Zugpferd für Userwachstum, Engagement und in der Folge natürlich auch Marketing einspannen. Dabei läuft man aber Gefahr, die eigentlich so innovative Plattform mit seinen sozialen Funktionen durch ein Übergewicht an Werbeoptionen und offensichtlich für die Datengenerierung angelegten Features zu überlagern. Das dürfte vielen Usern auf die Dauer nicht gefallen.

Allerdings scheint die Akzeptanz zum Weitergeben von Daten derzeit noch sehr groß; weshalb den Unmengen von Nutzern nahegelegt wird über bestimmte Funktionen marketingrelevante Daten freizugeben. Das würde mit einem Rollout des Trackings von Location Histories nur forciert. Die User sollten ihre Einstellungen also genauer überprüfen, sofern sie allzu konkretes Targeting zu ihrer Person unterbinden oder ein Wissen über ihre Aufenthaltsort minimieren möchten. Nach und nach sollten die Instagrammer erkennen, dass ihre Daten Facebook dienen – und womöglich auch etwaigen künftigen Hacks ausgesetzt sein könnten.

Die Idee, Locationdaten zu erfassen und schließlich zu vermarkten, ist wirtschaftlich betrachtet nur logisch. Lokales Tracking ist eine der größten Stärken von Google, Facebook und Co. Ein Wissen über die Abläufe sollte den Nutzern aber deutlich vermittelt und nicht hinter trendigen Features versteckt werden. Gleichzeitig müssen User sich nachhaltig mit den Einstellungen zu ihrer Privatsphäre beschäftigen. Solange das nicht umfassend geschieht, werden sich am Ende vor allem die Plattformen und die Advertiser freuen. Aber noch ist das Location History-Tracking keine allgemeine Funktion; noch.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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