Social Media Marketing

Ende des Newsfeeds? Facebook testet Mischform aus Posts und Stories

In einem Test baut Facebook den Newsfeed zu einer Hybridform aus, die Stories und News quasi im Carousel zeigt und zum Durchswipen einlädt.

Die Relevanz der Stories wird für Facebook immer wichtiger, Facebook

In einem aufsehenerregenden Test verbindet Facebook seinen Newsfeed mit dem populären Stories Interface. Sowohl Posts als auch Stories könnten damit in einer Art Carousel durchgeswiped werden, was den Newsfeed letztlich zu einem Stories Feed verwandeln und den Scrolldown ablösen könnte. Ein so drastischer Einschnitt würde jedoch auch für das Facebook Advertising eine große Veränderung bedeuten.

Ändert Facebook wirklich seinen berühmten Newsfeed?

Die Expertin für Reverse Engineering, Jane Manchun Wong, entdeckte den Test in der Android-Version Facebooks. In seinem Bericht zum Thema erklärt Josh Constine bei TechCrunch, dass Facecbook ihm gegenüber bestätigt hat, dass es sich um eine frühe Entwicklungsstufe eines Tests handelt, um eine neue Navigation für den Newsfeed bei der Plattform zu etablieren. Allerdings werde das Feature nicht öffentlich getestet.

Wong zeigt, wie das Ganze aussehen könnte.

Es ist deutlich zu sehen, dass die Facebook-Beiträge ähnlich wie die Stories bei Instagram karussellartig und horizontal per Swipe durchgeschaut werden können; das würde im Umkehrschluss auch ein Ende des vertikalen Scrolldowns bedeuten. Wong zeigt per Sreenshot ebenso, dass die Stories Features quasi in den Newsfeed Content integriert werden können.

Weiterhin demonstrierte sie, wie sich Posts von Freunden, bekannt aus dem Feed, in der neuen Feed-Version direkt mit Stories abwechseln.

Während die Vorstellung, den altbekannten Newsfeeds Facebooks zu überholen und der Stories-Rezeption, wie sie bei Instagram für viele Nutzer im Vordergrund steht, stärker anzupassen, für Facebook vielversprechend sein könnte, weil so wieder mehr Engagement generiert werden könnte, bleiben in dieser frühen Testversion Schwachstellen. Denn Jane Manchun Wong erwähnt, dass der Timer bei diesem Interface nicht stoppt. So müssen auch längere Posts in sechs Sekunden gelesen werden; Wong relativiert jedoch, dass es sich dabei um einen Bug handeln könnte. Womöglich wird dies durch das Festhalten mit dem Daumen auf dem Display gelöst werden. Als Feature wäre dies jedenfalls problematisch. Die ersten Reaktionen auf die mögliche UI sind bei Twitter ebenfalls negativ gefärbt.

Content vs. Ads? Inwieweit werden Werbetreibende betroffen sein?

Ein Gedanke, der sowohl Facebook als auch den Advertisern auf der Plattform bei einer Kombination aus Newsfeed und Stories-Format kommen dürfte, ist die fehlende Sichtbarkeit von Ads durch den Mangel an Scrolling. Das könnte pessimistisch betrachtet zu einer Beeinträchtigung des Werbesystems führen. Allerdings werden beim Swipen durch den hybriden Stories Newsfeed ebenso Sponsored Posts angezeigt, ganz so wie im aktuellen Newsfeed.

Auf diese Weise könnte die Aufmerksamkeit für eine Werbeanzeige beim Nutzer sogar gesteigert werden, weil sie ihm visuell – und wenn auch nur für einen kurzen Moment – womöglich präsenter ist als beim Durchscrollen im Newsfeed. Immerhin sind Stories Ads formatfüllend. Die potentiell wirkungsvollere Werbeplatzierung in einem News/Stories-Umfeld hätte für Advertiser eventuell Vorteile, genauso aber auch für Facebook. Denn das Unternehmen dürfte für derlei Ads mehr Geld verlangen.

Constine vermutet zudem, dass das Soziale Netzwerk auf diesem Wege den Wandel vom Newsfeed, der für viele User an Bedeutung verliert und damit für Werbetreibende ebenfalls zu einem unbeliebteren Umfeld wird, zu einem Stories Feed vollziehen und gleichzeitig den Advertisern das Werben in diesem Format nahebringen kann. Immerhin sind Stories das Format der Zeit, selbst bei Facebook und im Messenger sind über 300 Millionen Menschen in Stories aktiv, während bei WhatsApp und Instagram 450 beziehungsweise 500 Millionen hinzukommen. Schon im vergangenen Jahr kündigte das Unternehmen an, dass 2019 das Teilen über Stories die im Newsfeed geteilten Beiträge überholen dürfte. Ob es dazu allerdings kommt, ist noch nicht mit Sicherheit zu sagen. Zumindest in Sachen Reichweite sind die Social Media Feeds bei Instagram oder Facebook den Stories noch deutlich voraus.

Das Ende des Newsfeeds, wie wir ihn kennen?

Der Newsfeed Facebooks bietet weiterhin eine gute UX, wenn es darum geht, diverse Posts mit einigem Textinhalt zu scannen und zu lesen. Allerdings ist der Newsfeed anders als etwa bei Twitter weniger von Text als vielmehr von visuellen Inhalten, von Ads und Videos beherrscht. Die Aufmerksamkeit für den Newsfeed hat längst nachgelassen und insbesondere mobil greifen User gern auf die Funktion des Swipens zurück, um visuellen Content präsentiert zu bekommen.

Ob und wann wir tatsächlich eine so starke Veränderung des Newsfeeds sehen werden, ist derweil noch nicht klar. Doch Facebook hat zwar trotz all der Skandale 2018 weiterhin eine ungemein große Nutzerbasis, diese interagiert aber weniger mit Inhalten als beispielsweise bei Instagram. Eine Änderung der Nutzererfahrung ist daher über kurz oder lang nur folgerichtig. Die hybride Form von Newsfeed und Stories könnte für Facebook letztlich einen sinnvollen Übergang schaffen, der verschiedene Entwicklungsstadien von Social Media verbindet und im Bestfall die Differenzen überbrückt. Und selbst für Werbetreibende könnte das zum Vorteil werden, wenn zum Beispiel unskippable Stories Ads integriert würden. Stories Ads gibt es bereits seit letztem Jahr bei Facebook. Das würde von den Usern sicher nur toleriert, wenn dieser neuartige Feed genau ihren Geschmack trifft. Zum Glück hat Facebook hierfür noch genug Zeit zum Testen; genügend Daten als Grundlage für eine optimale Newsfeed/Stories-Erfahrung sind jedenfalls vorhanden.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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