Video Marketing

DNA-Rabatte: Aeroméxico nutzt Trumps Mauerstreit für brillante Kampagne

Um den Tourismus im eigenen Land anzukurbeln, hat sich die größte mexikanische Fluggesellschaft eine raffinierte Aktion überlegt, die international für Aufmerksamkeit sorgt.

© Aeroméxico/Ogilvy

Im Eklat um die US-amerikanische Haushaltssperre brilliert eine mexikanische Fluggesellschaft mit einem gelungenen Werbespot, der nicht nur in Übersee für Furore sorgt. Aeroméxico, die größte Fluggesellschaft Mexikos und in staatlicher Hand, vergibt „DNA Discounts“ für mexikanische Wurzeln an US-Bürger.

Aeroméxico testet Abstammung der Texaner

Die USA stellen den größten Markt für Aeroméxico dar. Das Problem: Auch wenn Mexikaner liebend gerne im Land der unbegrenzten Möglichkeiten Urlaub machen, reisen die US-Amerikaner nur widerwillig zu den südlichen Nachbarn. Doch in den USA herrscht momentan politischer Ausnahmezustand. Präsident Trump befindet sich im Streit mit den Demokraten um den Mauerbau zu Mexiko. Die Debatte hat sich zum Ende des Jahres so weit verschärft, dass der Staatsapparat vorübergehend lahmgelegt ist. Diesen Umstand macht sich Aeroméxico nun mit Unterstützung der Agentur Ogilvy zunutze und veröffentlichte ein zweiminütiges Video, das für die DNA Discounts wirbt. Der Deal: Je mehr mexikanische DNA eine Person vorweisen kann, desto mehr Rabatt bekommt sie auf ihren nächsten Flug.

Dafür reisten die Verantwortlichen nach Wharton, Texas, boten DNA-Tests an und filmten die Reaktionen. Anfangs ist die Haltung der Texaner noch eindeutig. Urlaub in Mexiko? „Pff…no way!“ Man bleibt lieber unter sich. Das ändert sich allerdings, als die Interviewpartner von ihren mexikanischen Wurzeln erfahren. Bei 22 Prozent mexikanischer DNA wehrt sich ein Proband noch mit „That’s bullshit!“ Bei 22 Prozent Rabatt auf den nächsten Urlaub in Mexiko jedoch fragt er gleich, ob er wohl seine Frau mitnehmen könne. „I love Discounts!“, freut sich eine Interviewte. Da scheint das mexikanische Erbe auf einmal nicht mehr so verwerflich.

Nach Texas führte Aeroméxico die Aktion in Nevada, Colorado und Utah fort. Das Ergebnis: 54 Prozent der Einwohner in diesen Staaten tragen mexikanische DNA in sich. Der Slogan der Kampagne „DNA Discounts – there are no borders within us“ trifft den Nagel auf den Kopf.

Internationale Berichterstattung über den Spot überwiegt Zweifel

Obgleich Diskussionen über die Authentizität der Tests und Interviews auftauchen, bringt sich Aeroméxico mit der Kampagne auf die Titelseiten. Denn auch wenn die Personen im Video gecastet sind, ist Ogilvy damit ein Coup geglückt. Der Clip reitet auf der Welle des politischen Eklats und führt zu enormer Aufmerksamkeit. Die Interviewpartner in dem Clip mitsamt Cowbowhut und imposantem Schnurrbart vor dem Waffenshop wirken zwar schon etwas überzeichnet. Allerdings – wenn nicht in Texas, wo sonst sollten diese Menschen zu finden sein?

Die Medienberichte in den USA und jetzt auch international häufen sich. So berichten beispielsweise das Time Magazine oder CNN ebenso wie die Daily Mail, Fox News oder USA Today. Allein Ogilvys Twitter Post mit dem Video konnte über eine halbe Million Aufrufe generieren. Unklar bleibt aber, wann der Spot genau produziert wurde. Denn er tauchte bereits Mitte des vergangenen Jahres erstmals im Netz auf. Man hüllt sich auf Advertiserseite jedoch in Schweigen. Bislang gab weder Ogilvy noch Aeroméxico einen offiziellen Kommentar ab.

Update 23.01.19 – Kampagne ging sieben Monate nach Launch viral

Die Verwirrung um den Launch der Kampagne hat sich inzwischen aufgelöst. César Agost Carreño, CEO und CCO von Ogilvy Mexico, verrät AdAge gegenüber, dass sie aus einer Zusammenarbeit zwischen Ogilvy Colombia und seiner eigenen Agentur vor über einem halben Jahr entstand:

We launched this campaign in June 2018. With no budget. Just YouTube. It was kind of an experiment to see what could happen. It’s a mystery why it suddenly went viral.

So mysteriös ist das gesteigerte Interesse an dem Clip jedoch nicht. Schließlich hat sich die Debatte über den Mauerbau zugespitzt und beträchtliche Spannungen auf Regierungsebene ausgelöst. Einen weiteren entscheidenden Anteil hat sicherlich auch Ogilvy selbst geleistet, indem die Agentur das Video am 9. Januar in den globalen Social Media-Kanälen gepostet hat und auch die Holding WPP aktiv wurde, als sie die Kampagne als Highlight promotete.

Die Interviewpartner in dem Clip, so beteuert Carreño, sind übrigens allesamt real. Die Personen seien keinesfalls Schauspieler und jede einzelne habe sich im Voraus einem DNA-Test unterzogen.

Über Anton Priebe

Anton Priebe

Anton Priebe ist Redaktionsleiter und seit Ende 2013 bei OnlineMarketing.de aktiv. Der studierte Germanist und Soziologe fokussiert sich auf Technologie, kreative Marketingstrategien und SEO. In seiner Freizeit klettert Anton gerne Wände hoch, bereist die Welt und freut sich über gutes Essen oder neue Musik.

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