Suchmaschinenmarketing

Dann lass’ es doch bleiben – das Märchen vom bösen Dr. Google [Kolumne]

Immer wieder steht Google wie der Böse in einem Märchen in der Kritik – völlig zu Unrecht, findet der Autor und lobt die Produktpalette.

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Im Krieg: Wie sich Axel Springer und die EU vor Google fürchten

In einem umfangreichen Brief an Eric Schmidt hat Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer, den Suchmaschinenriesen Google für seine Unternehmenspolitik kritisiert: Google sei alternativlos und verstoße gegen das Leistungsschutzrecht, weshalb Axel Springer sich an einer entsprechenden europäischen Kartellklage beteiligt habe. Er gesteht zudem ein:

Wir kennen keine Alternative, die auch nur ansatzweise vergleichbare technologische Voraussetzungen zur automatisierten Werbevermarktung bietet.

Darüber berichtet auch SEO United dieser Tage und veröffentlicht dazu eine entsprechende Stellungnahme von Eric Schmidt, nach der Schmidt Google als ein vollkommen dem Nutzer (und nicht irgendwelchen anderen Unternehmen) verschriebenes Unternehmen sieht:

After all we built Google for users, not websites.

Auch die EU prüft regelmäßig Schritte gegen Google. Mal geht es um Datenschutz, mal um kartellrechtliche Angelegenheiten und ab und zu auch um Persönlichkeitsrechte, weil Google Dinge im Internet findet, die Dritte dort eingestellt haben und mit denen jetzt plötzlich gegen geltendes Recht verstoßen wird. Kurz gesagt: Wo es nur irgendwie geht oder zumindest gehen könnte, wird gegen Google vorgegangen.

Paradox: Wenn die beste Dienstleistung plötzlich eine verbotene “marktbeherrschende Stellung” sein soll

Wer sich mit der Kritik von Seiten Axel Springer und insbesondere diverser Vertreter der Politik, etwa aus der EU oder Deutschland, am Tech-Konzern Google beschäftigt, der kann nur allzu schnell dazu neigen, diesen Stimmen beizupflichten: Immerhin geht es doch um die wertvollen Daten eines jeden Menschen unseres Landes, oder nicht? Insbesondere diese Angst, wie auch Andreas Helios von Adobe auf der dmexco betont hat, ist es, die die gesamte Online Marketing und Tech Welt seit dem Aufkommen der NSA Affäre maßgeblich prägt. Und vermutlich gerade deshalb, einfach, weil es gerade ein so dankbares Mittel beim Fang von Wählerstimmen ist, widmen sich auch Politiker mit Freuden dieser Angst. In Kombination mit der Steuervermeidung US-amerikanischer Konzerne (über die ich mich an dieser Stelle zwar nicht weiter auslassen, wohl aber dazu sagen möchte, dass sie zum einen nicht verboten ist und zum anderen doch einfach nur die vorhandenen Lücken einer schlechten Gesetzgebung auf internationalem Parkett ausnutzt) ergibt sich hieraus der schon in der Antike bekannte “Feind von Außen”, von dem man hofft, dass sich der unerbittliche Kampf gegen ihn doch positiv auf das Klima “Innen” auswirkt.

Und so legt man eben genau diesen Willen an den Tag und findet in der marktbeherrschenden Stellung Googles ein ganz wunderbares und zusätzlich gesetzlich legitimiertes Argument (denn die Steuervermeidung, aber auch die Angst um den Datenschutz scheinen ja nicht zu reichen), gegen das Unternehmen vorzugehen. Doch was sich offenbar nur wenige fragen, ist, wie es zu dieser marktbeherrschenden Stellung gekommen ist. Wie denn auch? Immerhin ist die Zeit knapp…

Wenn ich mir vorstelle, mich von Google Maps auf meinem Android Telefon von einem zum nächsten Termin in meinem Google Kalender lotsen zu lassen, während der Autofahrt noch einige Angelegenheiten per Mail – natürlich Gmail – regeln zu müssen und zwischendurch meiner Freundin einen guten Appetit per Google Hangout zum Mittagessen zu wünschen – wann soll man da noch dazu kommen, auf Google.de zu fragen, wie und warum Google zu seiner marktbeherrschenden Stellung gekommen ist? Nein, stattdessen ist es viel einfacher, zu kritisieren, das Google eine marktbeherrschenden Stellung hat und diese auch noch für seine eigenen Zwecke nutzt. Dies waren nur einige Beispiele von Google Services, die man kostenfrei nutzen kann – vielleicht macht sich ja jemand die Mühe und erstellt in Google Drive eine Google Tabelle, die über ein Google Formular gefüllt wird, wo jeder einen weiteren, in der Regel kostenfreien Google Service auflistet.

Dabei ist die Antwort auf die Frage nach dem Wie und Warum der marktbeherrschenden Stellung ganz einfach: weil Google einfach den besten Service liefert. Google sagt mir, wie lange ich morgen zu Arbeit brauche, zeigt mir, wo ich mein Auto abgestellt habe und liefert mir sogar die Ergebnisse meiner Lieblingssportmannschaften. Die Google-Suche korrigiert meine Rechtschreibfehler, übersetzt ganze Texte und zeigt mir (fast immer) genau das an, was sich gerade brauche – ohne viel Aufwand. Für keinen einzigen Cent. Erst, wenn ich zu meinem kostenfreien Blog bei Blogger eine Domain dazubuchen will, werden die ein paar Euro pro Jahr fällig.

“Jaaaa, aber die Daten. Und die Werbung. Das muss doch auch mal ein Ende haben.” Wenn Google alle diese Daten nicht hätte, wäre es vermutlich eine ganz normale, durchschnittlich schlechte Suchmaschine. Und wenn es die Werbung nicht gäbe? Tja, dann wäre Google vermutlich gar nicht da, die Google Mitarbeiter könnten sich einen neuen Job suchen und wir müssten uns mit den Suchergebnissen von Bing, Yahoo oder der hoch gelobten Suchmaschine Wolfram Alpha zufrieden geben. Ich persönlich möchte Google jedenfalls nicht missen.

Eine Frage der Perspektive: Alternativen gäbe es ja genug

Trotz der – meiner Meinung nach – Brillianz Googles, gibt es natürlich für die unterschiedlichen Dienste auch verschiedene Alternativen, die man sich durchaus ansehen kann. Ausführliche Auflistungen dazu finden sich im Internet und können – erlauben wir uns den Spaß – mal über andere Suchmaschinen gefunden (oder doch nur gesucht?) werden.

Allen, die genau das vorhaben, sei an dieser Stelle viel Glück gewünscht. Nur so viel: Ein Unternehmen, das alles aus einer Hand liefert, die unterschiedlichen Dienste sauber und reibungslos funktionierend miteinander verbindet und nicht auch umfangreiche Daten über seine Nutzer sammelt, ist mir soweit nicht bekannt. Wer bei seiner Suche danach verzweifelt, nichts passendes findet und am Ende doch wieder bei Google landen würde, dem bleiben natürlich noch zwei Alternativen: Auf den Komfort verzichten und es in Zukunft mit dem Internet einfach lassen – oder sich damit beschäftigen, eine eigene, viel bessere Lösung aufzubauen.

Damit ergibt sich natürlich eine einfache Frage an die vielen, vielen Kritiker:

Warum bringen sie, die Google wahrscheinlich täglich oftmals nutzen und es doch so sehr kritisieren, denn nicht eine bessere Lösung auf den Markt?

Über Atilla Wohllebe

Atilla Wohllebe

Fokusthemen auf OnlineMarketing.de: CRM, (Web) Analytics & E-Mail Marketing. Studium: B. A. in Business Administration, M. Sc. in E-Commerce. Mitglied der Digital Analytics Association Germany. Schnittstelle zwischen Marketing & IT mit einem Herz für Analytics. Derzeit tätig im Digital Push Marketing bei OTTO (GmbH & Co KG). Vorher im Solution Consulting der netnomics GmbH.

Ein Gedanke zu „Dann lass’ es doch bleiben – das Märchen vom bösen Dr. Google [Kolumne]

  1. tom

    Immer schönen weinen… Wenn die ein gut aufbereitetes Angebot haben, dann gehe ich doch direkt auf stern.de, bild.de & co. So wie ich für Finanzinformationen auf meine zwei Lieblingsseiten gehe. Da google ich auch nicht, da ich die Informationen der zwei Plattformen als schneller und besser einschätze mit mit Hintergrundinformationen. Seit Jahren wird gejammert, aber ein knapper Konzept für bessere Ideen wird nicht vorgelegt. Hallo Verlage, ruft mich an, ich helfe Euch ;-)

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