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„Connected Home ist neben Wearables ein großer Trend“ – Cornelius Rabsch, BEACONinside, über den Heimgebrauch von Beacons

Cornelius Rabsch, Gründer und Geschäftsführer der BEACONinside GmbH, sprach mit uns über den aktuellen Stand und die Zukunft von Beacons.

Cornelius Rabsch, Gründer
und Geschäftsführer der
BEACONinside GmbH

Beacons sorgen seit einiger Zeit immer wieder für Furore. Für viele Marketer ist es die Technologie der Zukunft, andere wiederum tun die Aufregung als Hype ab. Doch niemand scheint sich dabei sicher zu sein, was diese Funksender eigentlich leisten können, wie sicher sie sind und in welchem Bereich ihre Anwendung Sinn macht.

Nachdem bekannt wurde, dass die ersten deutschen iBeacons in Serienproduktion gehen, stellte sich uns Cornelius Rabsch, Gründer und Geschäftsführer der BEACONinside GmbH, für ein Interview zur Verfügung. Sein Unternehmen produziert iBeacons für Deutschland und hat bereits 30 McDonald’s-Filialien hierzulande als Abnehmer gefunden. Im Interview versuchen wir gemeinsam, Licht ins Dunkle zu bringen.

OnlineMarketing.de: Was können iBeacons derzeit leisten – was noch nicht? Wohin wird die Entwicklung führen?

Cornelius Rabsch: Der iBeacon Markt ist derzeit sehr intransparent und viele Versprechungen werden gemacht, gerade was Batterielaufzeit, Reichweiten und Praxistauglichkeit betrifft. Es macht natürlich einen Unterschied ob man ein Developer Kit zum ersten Ausprobieren im Büro kauft oder ob es um eine kommerzielle langfristige Installation und den Einsatz beim Endkunden geht. Letztendlich muss man einen vertrauenswürdigen Anbieter finden und mit ersten Szenarien in überschaubarem Umfang starten und Erfahrungen sammeln.

Die technologische Grundlage für iBeacons ist festgelegt: Bluetooth Smart, oft auch als Bluetooth Low Energy bezeichnet. Dieser recht neue Standard wird mittlerweile von iOS, Android und Windows Phone in den neuesten Betriebssystemversionen unterstützt und ermöglicht unter anderem das Empfangen des Standortsignales.

Ein iBeacon definiert typischerweise Zonen mit fünf bis 35 Meter Radius und kann bei guter Konfiguration (hohe Sendefrequenz) über ein Jahr halten. Knopfzellen-Batterien ermöglichen sehr kleine Formfaktoren, aber die Wartungskosten können schnell höher als die Anschaffungskosten sein, zum Beispiel wenn zweimal statt einmal im Jahr die Batterien gewechselt werden müssen und der iBeacon sich eventuell in einer Zwischendecke befindet. Eine feste Stromversorgung mit Micro-USB ist natürlich auch eine Option.

Wir glauben an viele Formfaktoren für unterschiedlichste Szenarien, starten aber mit dem Verkauf eines universal verwendbaren iBeacons. Dies bietet die höchste Flexibilität bei den ersten Pilotprojekten.

In Zukunft wird es iBeacons mit eigenen Branding-Möglichkeiten geben, dann ist anstatt dem allgegenwärtigen QR-Code an jedem Schaufenster ein iBeacon mit dem Logo des Händlers platziert. Der Konsument weiß dann, dass eine mobile Anwendung angeboten wird und man zu dem aktuellen Standort Informationen oder Coupons bekommt.

Wer sind Ihre klassischen Kunden?

Da wir branchenübergreifend iBeacon-Szenarien ermöglichen ist es recht breit gestreut. Typischerweise Mobile-, Digital- und Marketingagenturen aber auch viele spezialisierte Anbieter von mobilen Lösungen und Diensten. Agenturen sind aktuell die Innovationstreiber, die sich viel mit der iBeacon-Technologie auseinandersetzen und dann natürlich das Know-how ihren Kunden zur Verfügung stellen. Wir verfolgen ein B2B2C-Modell und fokussieren uns auf die Infrastruktur, aber beraten auch bei größeren Projekten.

Gibt es Szenarien für iBeacons bezüglich des Heimgebrauchs oder in Büros?

Ja, Connected Home ist neben Wearables ein großer Trend. Es geht um die intelligente Vernetzung unterschiedlichster „smarter“ Geräte. Mit iBeacons im Wohnzimmer und im Schlafzimmer kann man z.B. beim Betreten des Raumes die Musik oder das Licht steuern. Viele Szenarien sind denkbar, aber es fehlen die klaren Mehrwerte und eine gute User Experience, sowohl beim Setup als auch bei der Nutzung. Aktuell ist es oft noch ein teurer Spaß für Tüftler. Unser Fokus liegt klar im B2B Bereich.

Es gibt erste iBeacon-Installationen in Büros, um festzustellen wer gerade einen Meeting-Raum belegt oder dass man direkt beim Betreten Informationen zu einen Meeting-Raum erhält, zum Beispiel die Einwahldaten für Telefon- oder Videokonferenzen.

Wie schätzen Sie das Potential für iBeacons auf dem deutschen Markt ein?

MS&C hat errechnet, dass für 5 Prozent iBeacon-Abdeckung des Einzelhandels ein Investitionsvolumen von 1,5 Millionen Euro notwendig sind. Man kann also kostengünstig große Flächen ausstatten und hat die Grundlagen für viele Anwendungsszenarien. Die iBeacon Technologie beschleunigt also nochmal das Wachstum von Location-Based Services und Location-Based Advertising.

Mit was für Kosten muss ich bei einer 100 Quadratmeter großen Ladenfläche rechnen, wenn ich iBeacons installieren und nutzen möchte?

Mit einem iBeacon im Eingangsbereich und einem im Ausstellungs- oder Kassenbereich kann man rechnen. Die reinen Hardwarekosten sind dabei unter 100 Euro. Wichtig ist, sich frühzeitig über die richtigen Mehrwerte für Konsumenten Gedanken zu machen. Dies können nützliche Informationen zum aktuellen Standort sein, zusätzliche lokale Services für die mobilen Nutzer, Indoor-Navigation bis hin zu Tagesangeboten oder klassischen Coupons.

Gibt es Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes beim Einsatz der iBeacons?

iBeacons speichern grundsätzlich keine Nutzerdaten und es wird keine Verbindung mit dem Gerät benötigt. Wenn der Nutzer Bluetooth aktiviert hat und den Standortdiensten zustimmt (Opt-in jeweils notwendig), kann aber ein genauer Standort des Nutzers ermittelt werden. Wie dieser innerhalb der App verwendet wird, muss klar in den Datenschutzregeln des Anbieters niedergeschrieben sein. Letztendlich zählt immer das Vertrauen in eine App und wie (in)transparent mit Daten umgegangen wird.

Vielen Dank für das Interview!

Über Anton Priebe

Anton Priebe

Anton Priebe ist Redaktionsleiter und seit Ende 2013 bei OnlineMarketing.de aktiv. Der studierte Germanist und Soziologe fokussiert sich auf Technologie, kreative Marketingstrategien und SEO. In seiner Freizeit klettert Anton gerne Wände hoch, bereist die Welt und freut sich über gutes Essen oder neue Musik.

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