Social Media Marketing

Computergenererierte Influencer: Erobern virtuelle Charaktere das Influencer Marketing?

Haben Bibi und Co. ausgedient? Computergenerierte Influencer gewinnen immer mehr Aufmerksamkeit. Werden sie das Influencer Marketing virtualisieren?

© shudu.gram - Instagram

Instagrams Influencer sind die Stars auf der Plattform. Frauen und Männer verdienen mit Werbepartnerschaften und Marketingaktionen ihr Geld. Dabei bewerben sie auf mehr oder weniger authentische Weise Beauty-Produkte, Mode, Reiseorte, Lebensmittel oder auch Waschmittel. Diese Instagram-Stars haben unzählige Follower, die ihre Präsenz und Marketingaktionen verfolgen. Doch werden diese etablierten Influencer bald ersetzt? Die neue Generation steht derzeit in den Startlöchern: computergenerierte Accounts sind auf dem Vormarsch. Derzeit sind diese vor allem bei Beauty- und Modemarken von Interesse. Was bedeutet diese Entwicklung für das Marketing?

Digitale Nachbildungen von Influencern – ein Zukunftsmodell?

Die neue Generation der Instagram-Stars ist computergeneriert. Die lebensechten und menschlichen Versionen werben auf der Plattform bereits für viele Marken. Bei den meisten virtuellen Charakteren ist dennoch meistens unklar, wer für ihre Konten verantwortlich ist. Die digital kreierte Influencerin lilmiquela zählt mit 1,3 Millionen Followern zu den beliebtesten CGI Influencern. Sie teilte bereits Inhalte für Prada und Outdoor Voices. Wer sie erschaffen hat und zu welchem Zweck, ist unklar, denn diese Person möchte anonym bleiben. Letztes Jahr im August brachte der virtuelle Star sein erstes Lied auf Spotify heraus. In ihrem Instagram Feed versorgt sie ihre Follower mit Informationen über ihre Aktivitäten. Aber nicht nur das – sie will Meinungsgestalterin, Fashinbloggerin und Musikerin in einem sein. Das erklärt sie zumindest in einem per Chat geführten Interview. Auch die Biographie auf ihrem Profil ist menschengleich. Dort steht: „19/LA/Robot🍒Black Lives Matter […]  More of my life story on my Forever 19 highlights👇🏽“.

Eine weitere computergenerierte Berühmheit auf Instagram ist Shudu. Ihre Followerzahl ist zwar noch lange nicht in Millionenhöhe, aber mit 134.000 dennoch beachtlich. Sie beschreibt sich als das weltweit erste digitale Supermodel. Auf einem Foto „trägt“ das Model einen Lippenstift von Fenty Beauty. Die Firma repostete das Foto daraufhin. Mit jedem weiteren Foto werden Instagram User in den Bann der künstlichen Personen gezogen. Doch es gibt einige Überlegungen, die Marketer im Auge behalten müssen, wenn sie überlegen, auf diese neue Welle der künstlichen Influencer aufzuspringen.

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Psychologische Überlegungen: Wo bleiben Vertrauen und Authentizität?

Die Marken, die aktuell von computergenerierten Influencern beworben werden, profitieren sicherlich von diesem neuen Phänomen. Klar ist auch, dass die Erschaffen von Miquela und Shudu auf einem tieferen Wissen über Social Media Marketing beruht. Diese Charaktäre sind nämlich vor allem eins: perfekt.

Die Unternehmen, die sich bereits auf diese topaktuelle Marketingstrategie eingelassen haben, gelten sicherlich als hip. Dennoch muss bedacht werden, dass tatsächliche Produktempfehlungen oder Vermerke von den künstlichen Charakteren nicht mit denen der menschlichen Influencern gleichzustellen sind. Auch wenn Shudu die Farbe des Lippenstifts gut stehen mag, ist sie am Ende des Tages ein Kunstwerk und kein Mensch. Sie kann ihren Followern nicht berichten, wie ihre Haut die neue Farbe verträgt oder wie lang sie hält. Auch Miquela kann zwar in Sportanzügen von Outdoor Voices posieren, aber sie wird nie dazu in der Lage sein, ihrem Publikum etwas über das Gefühl des Stoffes auf der Haut mitteilen können.

Das Geheimnis des echten Influencer Marketings ist bekanntlich, dass diese nicht nur das Produkt oder eine Marke präsentieren können, sondern auch Vertrauen zu ihrem Publikum aufbauen. Durch dieses Vertrauen, dass die Follower gegenüber den Influencern entwickeln, werden Emotionen mit den Produkten verbunden und das Kaufverhalten beeinflusst.

Persönliche Verbindung zwischen Influencern und computergenerierten Charakteren

Die Tatsache, dass eine virtuelle Person kein wirklicher Charakter ist und keine tatsächliche Meinung hat, verschwindet nicht aus den Köpfen der Instagram User. Gerade die Bewerbung von Lebensmitteln scheint in diesem Zuge wenig vertrauenswürdig. Aber ist den Nutzenden die Virtualität wirklich bewusst? Kann es nicht sein, dass die Grenzen von computergenerierten und menschlichen Inhalten verschwimmen? Vielleicht entwickeln User auch eine ebenso persönliche Verbindung zu CGI Influencern wie zu den wahren menschlichen.

We were built for this.

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Julian Mohr arbeitet bei einer Agentur für Influencer Marketing und meint, dass computergenerierte Influencer langfristig das gleiche Problem bekommen werden wie die wahren Instagram-Stars. Irgendwann würden die Konsumierenden alles kennen. Der zweite virtuelle Influencer sei vielleicht noch interessant, aber viele Inhalte von verschiedenen Instagram Usern unterscheiden sich optisch nicht mehr besonders. Der entscheidende Unterschied sei demnach die Persönlichkeit. Doch die virtuellen Influencer haben eben keine. Nur die Personen hinter der Kunstfigur lässt ihre Meinung, ihre politische und kulturelle Überzeugung einfließen.

Die computergenerierten Influencer stecken noch in den Kinderschuhen und die Entwicklung ist nicht absehbar. Inwieweit sich dieses Phänomen durchsetzen wird, welche Marken auf diese Marketingstrategie zurückgreifen werden und ob die Funktionen eines solch virtuellen Charakters der eines menschlichen Influencers möglicherweise immer beängstigend ähnlicher werden, bleibt zu beobachten.

Über Maja Hansen

Maja Hansen

Maja studiert an der Universität Hamburg Germanistik und schreibt seit 2017 für das OnlineMarketing.de Karriere Magazin. Sie behandelt Themen rund um den Büroalltag.

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