Technologie

Chrome wird moderne Adblocker-Technologie auf Unternehmenskunden beschränken

Erweiterungen fürs weitreichende Adblocking könnten bei Chrome künftig Unternehmenskunden vorbehalten sein. Das Manifest V3 ist aber noch in der Entwicklung.

Screenshot YouTube, © Google Chrome

Google kündigte Anfang des Jahres Veränderungen für Chrome an, nach denen eine neue API die webRequest API ablösen sollte, was Erweiterungen für Adblocker wie uBlock Origin vor das Aus stellt. Nach negativem Feedback und Hinweisen auf die fortlaufende Entwicklungsphase deutet Google nun an, dass bestimmte Adblocking-Verfahren bei Chrome künftig nur für Unternehmen möglich sein werden.

Der normale Chrome-Nutzer wird Einschnitte beim Adblocking erleben

Das, vereinfacht gesprochen, Aussperren von Adblockern bei Google Chrome ist für die Netzgemeinde ein großes Diskussionsthema. Ein Entwickler hatte sich zum geplanten Wechsel von der webRequest API zur declarativeNetRequest API entsprechend geäußert:

If this (quite limited) declarativeNetRequest API ends up being the only way content blockers can accomplish their duty, this essentially means that two content blockers I have maintained for years, uBlock Origin (‚uBO‘) and uMatrix, can no longer exist.

Im Februar hatte Google zunächst beschwichtigend erklärt, dass man am Manifest V3, das diese Änderungen beinhaltet, noch arbeite und es keine konkreten Entscheidungen gebe. Jetzt hat Google aber, wie 9to5google berichtet, mehr Informationen preisgegeben, die sich auf das Manifest V3 beziehen. Darin heißt es konkret:

Chrome is deprecating the blocking capabilities of the webRequest API in Manifest V3, not the entire webRequest API (though blocking will still be available to enterprise deployments). Extensions with appropriate permissions can still observe network requests using the webRequest API. The webRequest API’s ability to observe requests is foundational for extensions that modify their behavior based on the patterns they observe at runtime.
Demnach werden nur zahlende Firmenkunden als Nutzer weiterhin auf die Option zurückgreifen können, Adblocking-Erweiterungen zu nutzen, die auf der webRequest API basieren. Für alle anderen gilt, dass sie mit Systemen arbeiten müssen, die über die declarativeNetRequest API laufen. Und diese zeigt sich in Bezug aufs Adblocking problematisch, da ein Filtersystem mit „nur“ 30.000 Elementen implementiert wird, während Adblocker meist Datenbanken mit an die 70.000 Einträge aufweisen, EasyList etwa hat 75.000.

Google will dem eigenen Geschäft nicht schaden und doch diplomatisch sein

Im Manifest V3 gibt Google auch an, dass man die Zahl der Elemente noch erhöhen könnte:

We are planning to raise these values but we won’t have updated numbers until we can run performance tests to find a good upper bound that will work across all supported devices.

Nüchtern betrachtet ist es aber nicht abwegig, dass für Chrome die Erweiterungen sehr umfassender Adblocker eingeschränkt werden. Immerhin ist der Browser ein Vehikel, mit dem Nutzer auf Seiten zugreifen, bei denen Google ihnen Werbung ausspielen möchte. Das ist schließlich das Kerngeschäft der Suchmaschine. Und so scheint eine größere Kontrolle über die Art der Adblocking-Erweiterungen, die mithilfe der zugrundeliegenden API ausgeübt wird, nur folgerichtig. Nichtsdestotrotz möchte Google weder User noch Entwickler vor den Kopf stoßen. Daher hat man bei 9to5google auch ein aktuelles Statement abgegeben, welches hervorhebt, dass die Entwicklung des Manifests V3 noch nicht abgeschlossen ist.

Chrome supports the use and development of ad blockers. We’re actively working with the developer community to get feedback and iterate on the design of a privacy-preserving content filtering system that limits the amount of sensitive browser data shared with third parties.

Der Verweis hierauf erlaubt natürlich eine gewisse Pufferzone, solange nichts endgültig beschlossen ist. Trotzdem können wir davon ausgehen, dass das Adblocking über Chrome bald in seiner Diversität und im Umfang eingeschränkt werden könnte. Den Grund für die Änderung darf man den Nutzern jedoch nicht vorenthalten, denn es geht um ihre eigene Datensicherheit, die durch die webRequest API mitunter gefährdet ist.

Wir dürfen gespannt sein, wie sich die Entwicklung des Manifests V3 schließlich auf die Nutzung von Chrome auswirkt – und welche Adblocker dadurch vor großen Problemen stehen.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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