Social Media Marketing

Blogger-David gegen Verlags-Goliath: Die Unruhe nach dem Shitstorm

Leg Dich nicht mit Bloggern an: Das hat Bauer Media dank eines Shitstorms gelernt. Der Verlag äußert sich nun zum „Rhabarbergate-Skandal“.

© ArtFamily - Fotolia.com

Die Bauer Media Group wurde vom „Rhabarbergate-Skandal“, den die Wohnidee-Redaktion auf ihrer Facebookseite ausgelöst hatte, mit einer großen Welle an Kritik überrollt. Stein des Anstoßes: Das Rhabarberbild einer Bloggerin, das die Wohnidee-Redaktion unerlaubt nutzte (wir berichteten). Nun meldet sich der Verlag offiziell zu Wort. Ein Sprecher der Bauer Media Group erklärte gegenüber OnlineMarketing.de:

Das Urheberrecht gilt grundsätzlich für alle und wir verwenden nur Bilder auf unseren Webseiten und unseren Social-Media-Kanälen, wenn wir die Nutzungsrechte dafür erworben haben. Dass dies im vorliegenden Fall nicht geschehen ist, ist natürlich ein Fehler, der so nicht passieren darf. Dafür stehen wir selbstverständlich ein und haben uns auf direktem Wege entschuldigt und persönlich geeinigt.

Natürlich wirft die Angelegenheit Fragen auf, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass das Bild ohne Quellenvermerk in die Produktkommunikation der Zeitschrift Wohnidee gerutscht ist. Offensichtlich gab es mehr als eine Lücke im Freigabeprozess der verwendeten Bilder und in der Kommunikation auf Facebook.

Interne Prozesse auf dem Prüfstand

Auf die Frage, wie Bauer Media solche Fehler künftig vermeiden will, entgegnet der Sprecher: „Wir nehmen die Diskussion in der Community sehr ernst und schauen uns unsere internen Prozesse noch einmal genau an, damit solche Fehler nicht mehr passieren“. In den von Bloggerin Stefanie Bamberg öffentlich gemachten Fällen habe der Verlag sich „so schnell wie möglich mit den betroffenen Bloggern in Verbindung gesetzt und [sich] mit den entsprechenden Personen bereits geeinigt“.

Bloggerin freut sich über aktive Diskussion in der Community

Für Stefanie Bamberg, die quasi zum Sprachrohr der Blogger-Front im Kampf Blogger-David gegen Verlags-Goliath geworden ist, sei die Angelegenheit mehr als ein Fehler. Im Gespräch mit OnlineMarketing.de begründet sie, warum:

Wenn mal ein Bild ohne Zustimmung des Fotografen dazwischen rutscht, kann man das als Fehler bezeichnen, ja. Da das aber über einen längeren Zeitraum recht intensiv ,passiert‘ ist, könnte man als Außenstehender schon auf die Idee kommen, dass das nicht nur ein Versehen war. Anscheinend wurden inzwischen wenigstens die Fremdbilder gelöscht. Die Seite (gemeint ist die Facebook-Seite von Wohnidee, Anmerkung der Redaktion) wirkt im Gegensatz zu meinen Screenshots sehr, nun, sagen wir ,aufgeräumt‘.

Dass die Online-Community jetzt rege über den Fall diskutiert und immer mehr Betroffene sich zu Wort melden, freut Stefanie. Wenn Verlage wie Bauer Media „merken, dass da jemand tatsächlich ein Auge drauf hat, werden sie es hoffentlich wenigstens in Zukunft unterlassen. Damit wäre ja auch schon allen geholfen“, ist die freiberufliche PR-Expertin aus Leipzig überzeugt – und verweist darauf, dass die Bauer Media Group es eigentlich gar nicht nötig habe, sich bei „kleinen Kreativen“ zu bedienen: „Von Konzernen, die mit wehenden Fahnen das Leistungsschutzrecht eingeführt haben, darf man schon ein wenig was anderes erwarten. Zumal sie es ja auch gar nicht müssten, weil sie eine komplett eigene Redaktion haben, die den ganzen Tag eigentlich nichts anderes tut“. Damit ist der Hinweis auf den internen Content-Pool von Bauer Media gemeint:

In der Zentralredaktion deco & style der Bauer Living GmbH werden Wohn-, Deko-, Blumen- und Pflanzenthemen für die Titel der Bauer Media Group, wie z. B. tina, bella, Laura, Laura Wohnen kreativ, Wohnidee und Lecker konzipiert und produziert. Wir verfügen über ein Fotostudio mit Roomset sowie ein umfassendes Fotoarchiv.

Bauer Media Group beschreitet kooperative Wege

Bauer Media möchte sich zum Fall nicht weiter äußern, lässt die Verlagsgruppe mitteilen. Betroffene Blogger werden gebeten, sich weiterhin direkt an den Verlag zu wenden. Für die interne Social Media beziehungsweise Content-Strategie war die Rhabarbargate-Affäre sicherlich eine wertvolle Lektion, es sich nicht mit der Online-Community zu verscherzen. Dass sich ein Unternehmen gegen mögliche Shitstorms in Social Media wappnen muss, zeigen auch andere Fälle wie Barilla und Nestlé. Die Kollegen von Welt Online haben zusammengestellt, welche Möglichkeiten Firmen gegen Shitstorms haben.

Was Google angeht, beschreitet das Verlagshaus ebenfalls kooperative Wege. Wie jetzt bekannt wurde, beteiligt sich Bauer Media, gemeinsam mit anderen Verlagen wie Condé Nast, Spiegel Verlag und der Verlagsgruppe Handelsblatt, an Google’s neuem digitalen Zeitungskiosk.

Ein Gedanke zu „Blogger-David gegen Verlags-Goliath: Die Unruhe nach dem Shitstorm

  1. Atilla

    „…wir verwenden nur Bilder auf unseren Webseiten und unseren Social-Media-Kanälen, wenn wir die Nutzungsrechte dafür erworben haben.“ – Wie jetzt? Das war doch genau das Problem. Dass das eben offenbar nicht der Fall war. Also jetzt auch noch eine dreiste Lüge hinterher oder hat sich die Bedeutung des Wortes „nur“ plötzlich verändert?

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