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Digitalpolitik
Beschwerde bei der EU: Konkurrenten wehren sich gegen Googles Jobsuche

Beschwerde bei der EU: Konkurrenten wehren sich gegen Googles Jobsuche

Niklas Lewanczik | 14.08.19

Seit Mai ist Googles Jobsuche-Tool auch in Deutschland ausgerollt. Jetzt reagieren 23 europäische Jobsuchmaschinen und fordern die EU zur Untersuchung desselben auf.

Wer heute einen Job sucht, der informiert sich zuallererst online. Und dabei ist häufig der erste Schritt die gesuchte Stelle als Suchanfrage bei Google einzugeben. Basierend auf diesem Nutzungsverhalten hat Google 2017 ein Tool für die Jobsuche eingeführt, das seit einigen Monaten auch in Deutschland und Europa ausgerollt ist. Doch einige Wettbewerber sehen darin einen Machtmissbrauch Googles und haben sich an die EU gewandt, damit diese eine Untersuchung einleitet – und Googles Tool solange einschränkt.

Googles Tool für die Jobsuche: Anreiz für den Wettbewerb oder unlauterer Eingriff?

Ende Mai launchte Google ein unterstützendes Tool für die Suche, das bei dem Finden von Jobs helfen soll.

Wenn bei Google etwa „Jobs in meiner Nähe“ eingegeben wird, tauchen in einem auffälligen Snippet Jobs auf. Außerdem wird hierbei auch auf andere Anbieter wie Indeed, StepStone und Co. verwiesen, bei denen nach Jobs gesucht werden kann.

Googles Jobsuche-Tool zur Anfrage „Jobs in meiner Nähe“ (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), Screenshot Google

Allerdings sind einige Wettbewerber über die Funktion nicht erfreut. Denn Googles Angaben sind das erste organische Ergebnis. Folglich rutschen Jobsuche-Websites im Blickfeld weiter nach unten. Wenn sie ihre Angebote mit Strukturierten Daten für Google optimieren, können sie bei Googles Tool auftauchen. Doch 23 Jobsucheanbieter haben inzwischen einen Brief an Margrethe Vestager, die noch aktuelle EU-Kommissarin für Wettbewerb, geschickt, wie Reuters berichtet. Zu den unterzeichnenden gehören demnach auch Best Jobs Online aus dem UK und Intermedia sowie Jobindex aus Deutschland. Sie glauben, dass Google mit dem Tool den Wettbewerb in Bezug auf die Jobsuche unlauter zu den eigenen Gunsten beeinflusst. Ein Link auf andere Jobsucheseiten sei keine Rechtfertigung für eine Gleichbehandlung. So wird im Brief gefordert, dass eine Untersuchung eingeleitet wird, während der Googles Tool eine Einschränkung erfährt. Noch aber ist keine offizielle Untersuchung im Gange.

Angst vor Googles Dominanz – die Suchmaschine bleibt diplomatisch

Einige Jobsuch-Websites aus der EU befürchten, dass Google künftig im Rahmen des Jobsuche-Tools Werbung schalten könnte, die die Sichtbarkeit anderer Seiten in den SERPs weiter verringert. Auch die Integration von Angeboten anderer Seiten in das eigene Tool könnte im schlimmsten Fall ausgesetzt werden, so eine weitere Befürchtung. Daher gehen die 23 Unternehmen davon aus, dass Google seine Marktmacht missbraucht, um Jobsuchende auf den eigenen Dienst zu verweisen.

Nick Zakrasek, Senior Product Manager für die Googlesuche, erklärt gegenüber Reuters, dass man das Feedback annehme. Außerdem könnten die Jobsuche-Websites aber von Googles Tool profitieren, was den Wettbewerb ganz neu belebe:

Any provider – from individual employers to job listing platforms – can utilize this feature in search, and many of them have seen a significant increase in the number of job applications they receive. By improving the search experience for jobs, we’re able to deliver more traffic to sites across the web and support a healthy job search ecosystem.

Alleine in den USA konnte das Tool im Juni 2019 laut Reuters 120 Millionen Klicks generieren. Und diese sind für die Unternehmen, die quasi mit Google kooperieren, sehr wertvoll. Und das sind einige. iCIMS, Provider für Job Listings, nennt Googles Tool als drittgrößte Referral-Quelle für die Seiten der Klienten.

Monster wiederum hatte sich wegen schwacher SEO in den vergangenen Jahren bei Google im Ranking verschlechtert. Durch das Tool hat man aber einen Anreiz gesehen, die eigenen Listings zu optimieren, um bei Googles Tool aufzutauchen. Und Chief Executive Scott Gutz sagt:

There’s been a leveling of the playing field.

Letztlich könnte Googles Macht weiter wachsen

Ob es weitere und dann formale Beschwerden bei der EU gibt, ist noch offen. Vestager prüft das Jobsuche-Tool des Suchmaschinenriesen, wird aber die lose Untersuchung an einen Nachfolger weiterleiten, da sie Ende Oktober aus dem Amt scheidet. Klar ist jedoch: für die Nutzer hat das Tool Googles durchaus seine Vorteile und es wird auch künftig sehr viele Klicks generieren. Anbieter, die mit Google kooperieren, um davon zu profitieren, könnten so relevant bleiben. Doch wenn Google hier kein Marktmissbrauch bescheinigt wird, sollte es zu einer offiziellen Untersuchung kommen, wird die Macht, die die Suchmaschine über die Job Listings und die Anforderungen bei Jobsuch-Websites hat, nur größer werden.

Kommentare aus der Community

Steffi am 26.11.2019 um 16:25 Uhr

Natürlich versucht Google damit, den Recruiting-Markt zu erobern. Ich halte es allerdings für aussichtslos, das mit Rechtsmitteln zu versuchen. Auch Google kann man mit Service und Inhalten schlagen – das haben viele Beispiele bereits gezeigt.

Aus Sicht von Jobsuchenden hat Google Jobs sogar viele Vorteile – hier sind die etablierten Portale nämlich oft ein nerviger Flickenteppich.

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