Suchmaschinenmarketing

Allumfassendes Tracking: Zeichnet Google bald jeden deiner Schritte exakt auf?

Ein neues Patent von Google soll das Erstellen einer absolut detaillierten User Location History für den den Alltag ermöglichen.

© Flickr / Fotinakis, CC BY-SA 2.0

Mit dem zugelassenen Patent „systems and methods for generating a user location history“ möchte Google jeden Schritt des Users am Tag lokal verfolgen können. Noch ist es jedoch Zukunftsmusik.

GPS reicht nicht aus – welche Daten Google nutzen möchte

In der Beschreibung zum Patent gibt Google an, dass verschiedene Techniken zum Tracking einer User Location – wie etwa das Nutzen von GPS-Daten oder das Erkennen der Nähe zu WiFi-Zugangspunkten – eine Lokalisation des Users nur unzureichend ermöglichen. Denn beispielsweise Geodaten wie Längen-oder Breitengrade könnten zwar grob den Ort angeben, nicht aber eine detailgetreue Auskunft zu spezifischen Gebäuden, Einrichtungen, Treffpunkten etc. preisgeben.

In Punkt 6 der Description auf der Website des amerikanischen Patentamts heißt es:

As such, use of the raw data in furtherance of location-enhanced services can fail to provide any contextual (Hervorhebung d.Red.) information that would more appropriately personalize the location-enhanced services.

Google möchte demnach eine persönliche User Location History erstellen, die mit alltäglichen Gewohnheiten verknüpfte Plätze wie das Café für das Frühstück oder die Bar für das Feierabendbier präzise erfasst. Zudem soll neben dem ‚Wo‘ auch das ‚Wann‘, ‚Wie lange‘ und das ‚Wo geht es danach hin‘ Teil einer solchen History werden. Für diese Art des Trackings ist Google neben der Nutzung von GPS-Daten darauf aus, verschiedene andere Anhaltspunkte zu Rate zu ziehen:

  • Suchhistorie
  • Empfangene und versendete E-Mails
  • Social Media Posts
  • Fotos
  • Navigations-Anfragen
  • Quittungen von Onlinezahlungen

Mit Hilfe der über verschiedene Geräte eines Users so gewonnenen Daten soll eine auf ihn zugeschnittene Location History erstellt werden können. Punkt 4 der Patentameldung erklärt es:

Thus, one or more devices associated with a user can periodically determine their location and report this information to a central computing system (e.g. one or more servers) to provide a log of their location over time. Aggregating this information can result in a history of the user’s location over a period of time.

Diese Historie bietet Google natürlich auch die Möglichkeit, die Werbungtreibenden mit einzubinden. Ein Tracking mit Targeting-Optionen, von dem jeder Marketer träumt.

Zwischen Überwachung und Selbstkontrolle

Zunächst sei gesagt, dass es für User bei dieser noch theoretischen Methode die Option zum Opt Out geben soll, wenn sie mit dem Sammeln all dieser Daten nicht einverstanden sind. Damit verzichte man aber gleichzeitig auf die Vorteile, die diese Methode biete, so Google. Denn gegen die Freigabe der Daten gibt Google eine aufgezeichnete History an den User weiter, die detailgetreu seine Tage mit Ortsangaben und auch dort verbrachter Zeit aufgezeichnet hat. Für eine Rekapitulation eines bestimmten Tages könnte dies mehr als hilfreich sein.

Weiterhin argumentiert Google mit der Weiterentwicklung von Anwendungen wie Maps oder in Social Media sowie mit personalisierten Suchergebnissen für User, die mehr an ihren gewöhnlichen Tagesrhythmus angepasst sind. So heißt es in der Beschreibung weiterhin:

As other examples, the user location histories can be accessed to enhance social media, mapping applications, or other suitable applications.

Auch wenn Google eine Location eines Users falsch registriert hat, kann dieser eine Korrektur veranlassen.

Für den User erscheinen die Methoden des Patents wie Überwachung; wenngleich es im Konjunktiv heißt, sie könnten die Option zur Kontrolle über das Sammeln der Daten von Seiten Googles erhalten. Auf der anderen Seite sind die Möglichkeiten des neuen Patents immens, wenn es um die Optimierung von Local Search, locationbezogenem Marketing oder Geotargeting geht.

Wie immer werden diese Möglichkeiten mit einem Preis zu bezahlen sein, und zwar auf Schritt und Tritt technisch verfolgt zu werden. Das Patent ist, wie viele andere bei Google, noch eine Vision. Allerdings eine sehr deutlich formulierte. Ob und wann das Patent zur Anwendung kommt, ist noch nicht abzusehen.

Die kompletten Informationen lassen sich bei der Website des US Patent & Trademark Office nachlesen.

Quelle: Search Engine Journal

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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