Social Media Marketing

80% FB-Fake Klicks? Das sagen die Experten

Das Thema Fake Klicks bei Werbekampagnen auf Facebook ist in den letzten Tagen verstärkt ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt.

Logo: Facebook

Vor einigen Tagen berichteten wir über ein amerikanisches Startup-Unternehmen namens Limited Run. Dieses sorgte mit der Meldung, 80 Prozent aller Klicks auf ihre Facebook-Ads seien computergeneriert, für einiges Aufsehen. Obwohl das Unternehmen damit kostenpflichtige Werbung über Facebook nicht unter Generalverdacht stellen wollte, bleibt unterm Strich eine absurd hoch anmutende Zahl an flaschen Klicks für das Unternehmen im Raum stehen.
Gestern dann veröffentlichte das soziale Netzwerk entsprechende Zahlen zu diesen falschen Konten. Demnach gibt es weltweit 83 Millionen (8,7%) Fake-Accounts auf Facebook, 4,8 % aller Accounts sind Duplikate von bereits bestehenden Nutzerkonten. Und: 1,5 % der Accounts wurden laut Facebook in erster Linie für Spam und Scam angelegt.

Wir wollten genauer wissen, was es mit der Causa FB-Fake-Accounts auf sich hat und haben einige Experten aus dem Online Marketing- und Social Media-Bereich nach ihren Einschätzungen und Erfahrungen zu der Angelegenheit befragt. Der Tenor: ein solches Szenario ist unwahrscheinlich, aber in Einzelfällen möglich.

Curt Simon Harlinghausen, GF – Strategie und Konzeption bei AKOM360:
80 Prozent Fake Klicks auf Ads ist nur in Einzelfällen realistisch und selbst hier bin ich skeptisch. Es gibt längst eine Vielzahl an guten Tracking-Möglichkeiten, sogar das Post-Tracking  auf Sponsored Stories ist kein Problem mehr. Somit würden derartige Unregelmäßigkeiten normalerweise sehr schnell ins Auge fallen.

Im Fall von Limited Run muss es einen ganz speziellen Grund für solche Zahlen geben, sofern sie denn wirklich stimmen. Wir von AKOM360 haben momentan über eine Million Klicks pro Monat und messen bei unseren Kunden bis in die Warenkörbe hinein. Bis auf wenige Ausnahmen existiert das Problem bei uns gar nicht.

Björn Tantau, Head of Social Media bei TRG The Reach Group:
Ein solches Ergebnis ist in Ausnahmefällen möglich und auch schon im Google-Werbenetzwerk vorgekommen. Generell sind unnatürliche Fanmuster aber schnell zu entdecken. Zeigen die Facebook Insights einen signifikanten Fanzuwachs oder die Zunahme anderer Aktivitäten an, müsste sich das beispielsweise in einem Analytics-Test bemerkbar machen. Kommt dort aber kein Traffic an, sollte man weitere Nachforschungen anstellen.

Im Übrigen ist es gar nicht so leicht, einen Nutzer zu simulieren, schon gar nicht eine größere Anzahl über einen längeren Zeitraum. Außerdem wird sich Facebook, schon aus Eigeninteresse, intensiv mit dieser Problematik auseinandersetzen.

Christian Byza, Account Manager bei Adobe Systems GmbH:
Die im Raum stehenden Vorwürfe sind eine sehr heikle Angelegenheit. Wenn wirklich heraus käme, dass Teile der Anzeigenklicks durch Bots oder unechte Profile entstanden seien, würde sich das sicher nicht positiv auf den Aktienkurs auswirken. Der aktuelle Vorwurf bezieht sich eigentlich nur auf Like-Anzeigen, die auf Fanpages und Applikationen innerhalb von Facebook verlinken. Allerdings wären auch alle anderen Anzeigen, die aus Facebook heraus linken, indirekt betroffen. Like Anzeigen würden mit einer künstlich hochgetriebenen Klickrate durch Bots einen geringeren CPC zahlen müssen. Andere Werbetreibenden müssten dann mehr bieten, um hier mitzuhalten und auf den gleichen eCPM zu kommen. Insgesamt also ein sehr umfassender Vorwurf. Jeglicher Fraud Traffic kann aber nicht im Interesse von Facebook sein.
Schlussendlich sollte aber jeder Advertiser selber heraus finden, ob seine Marketingaktivitäten den gewünschten Erfolg bringen. Professionelle Tools und Messmethoden von Adobe helfen dem Advertiser den Social ROI, also den Wert der Aktivitäten auf Facebook, genau bestimmen zu können.
Wir sind gespannt, wie sich der Fall weiter entwickelt.

Anna-Lena Radünz, Social Media Expertin und Inhaberin Social Passion e.K.:

Anna-Lena Radünz

Das ist anhand eines einzigen öffentlichen Falls schwer zu beurteilen, theoretisch kann ich mir aber nicht vorstellen, dass Facebook sich Fake Profil zu nutze macht, um mehr Klicks zu generieren. Das würde ich dann – wenn überhaupt – eher einzelnen Dienstleistern zutrauen, die davon profitieren. Wie in jedem anderen Online Marketing Kanal auch gibt es im Bereich Facebook leider einige graue Schafe auf dem Markt, die ihren Kunden Versprechen geben, welche unter normalen Bedingungen gar nicht zu erreichen sind.

Ganz unabhängig der bestehenden Vorwürfen rate ich jedem Unternehmen, welches das Thema Social Ads ernsthaft angeht, ein zweites Tracking zu implementieren, um Schwankungen oder Unregelmäßigkeiten kontrollieren zu können. Unternehmen sollten mit Facebook Ads genauso umgehen wie mit Google Ads, um den User bis zum Warenkorb verfolgen zu können und so z.B. auch durch Facebook Ads generierte Touchpoints oder Umsätze messen zu können.
In diesem Fall ist es vor allem sinnvoll, die Fanstruktur zu beobachten. Wenn hier gewisse Muster entstehen, werden Fakeprofile schnell deutlich. Von Facebook Ads abraten würde ich aufgrund dieses Einzelfalls nicht, ganz im Gegenteil rate ich dazu, das Tracking zu optimieren.

2 Gedanken zu „80% FB-Fake Klicks? Das sagen die Experten

  1. Spree-Liebe Hochzeitsfotografie

    Gleiches Problem bei mir, extrem genaues Targeting der Zielgruppe, aber die Visits auf meine Website sind zu 90% gleich wieder weg. Über andere Kanäle habe ich hier viel bessere Werte. Ich gehe auch davon aus, dass bei Facebook Klickfarmen gut mitverdienen. Ich werde die nächsten Tage meine Anzeige noch ein wenig optimieren aber ich glaube ich werde mich von Facebook Ads bald wieder verabschieden.

    Grüße aus Berlin,
    Alex

    Antworten
  2. Carsten

    Ich schalte nun seit ca. 7 Tagen Ads auf FB und ich habe am ersten Tag in den ersten paar Stunden ca. 7 Klicks gehabt bei denen die Besuchszeit 00:00 min lang war. Ich für meinen Teil könnte mir nicht erklären wieso ein normaler User auf die Anzeige klickt und eigentlich überhaupt nicht auf der Seite bleibt, nichteinmal für eine Sekunde. Ich habe mir da schon gedacht, ich beobachte es mal, mit diesem Artikel wird mir einiges klar. Ich bin wohl einer der Einzelfälle ;) Gruß

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