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Karriere
Kleiner Fehler, große Wirkung: Wieso extrinsische Motivation im Jobinterview schlecht ankommt
© Randy Tarampi

Kleiner Fehler, große Wirkung: Wieso extrinsische Motivation im Jobinterview schlecht ankommt

Michelle Winner | 15.10.20

Bewerber versuchen im Bewerbungsgespräch so zu antworten, dass sie ihr Gegenüber überzeugen. Vorstellung und Realität liegen hier jedoch weit auseinander.

Nervosität begleitet die meisten von uns mit ins Bewerbungsgespräch. Es ist auch einfach eine verflixte Situation: Da sitzt du nun und versuchst herauszufinden, welche Antworten dein Gegenüber am ehesten von dir überzeugen. Natürlich wehrt auch hier Ehrlichkeit am längsten, doch an der ein oder anderen Stelle dürfen die eigenen Qualitäten auch mal etwas aufpoliert werden. Doch hast du dabei je bedacht, dass die falsche Art der Motivation dich den Job kosten könnte? Genau das wollen Forscherinnen der Cornell University und der University of Chicago nun in einer Untersuchung festgestellt haben.

Intrinsische Motivation überzeugt Personaler eher

Stell dir vor, dir wird die Frage nach deinen Zielen gestellt. Zwei mögliche Antwortmöglichkeiten wären:

  • Meine Karriere ist mir wichtig und in den nächsten Jahren möchte ich Position XY erreichen.
  • Ich suche eine sinnstiftende Arbeit, in der ich mich selbstverwirklichen kann und die meine Werte vertritt.

Was meinst du, welche der beiden Antworten besser von deinem potenziellen Arbeitgeber aufgenommen wird? Tatsächlich würden die meisten Bewerber zu Nummer 1 tendieren. Denn diese lässt dich zielorientiert, entschlossen und ehrgeizig erscheinen. Doch leider wäre deine Wahl damit falsch, wie die Untersuchungsergebnisse von Kaitlin Woolley und Ayelet Fischbach suggerieren. Die beiden Forscherinnen haben in fünf Studien über 1.400 Studenten und Angestellte befragt, welche Art der Motivation Bewerber für überzeugend halten. Die Antworten wurden mit der Einschätzung von Personalern verglichen und das Ergebnis ist eindeutig: Extrinsische Motivation ist weniger wert als intrinsische.

Personaler wünschen sich demnach eine Motivation von innen heraus, anstatt durch äußere Einflüsse wie Karriere oder Gehalt. Persönliches Interesse wird demnach von vielen Bewerbern unterschätzt, doch Ausbildung und Skills sind nicht mehr nur alles auf dem heutigen Arbeitsmarkt. Die Bewerberflut in hart umkämpften Branchen sorgt dafür, dass viele Bewerber mit den gleichen Qualifikationen den Weg in ein Unternehmen suchen. Nun ist es Aufgabe der Personaler herauszufinden, wer das Team bereichert. Und genau an dieser Stelle ist die intrinsische Motivation Gold wert. Denn wer seine Arbeit liebt und für seine Tätigkeit lebt, ist ein wertvoller Zugewinn für ein Team. Gerade in Unternehmen, denen der „Purpose“ ihres Konzepts wichtig ist, kann die intrinsische Motivation das Zünglein an der Waage sein.

Ist extrinsische Motivation nichts wert?

Nachdem die Befragten der Untersuchung die Rolle tauschen und aus der Sicht eines Personalers agieren mussten, erkannten auch die meisten von ihnen den Wert der intrinsischen Motivation. Doch bedeutet das nun automatisch, dass es von Nachteil ist ein klares Karriereziel vor Augen zu haben? Keinesfalls. Denn auch das Ausdrücken extrinsischer Motivation betont deine Qualitäten, beispielsweise deine Zielstrebigkeit oder deinen Ehrgeiz. Bei solchen Untersuchungen solltest du im Kopf behalten, dass ihr Ansatz ein theoretischer ist und die Ergebnisse nicht das eindeutig richtige Vorgehen beschreiben. Sie sind viel mehr ein Tipp, der dir helfen kann, aber nicht überall zutreffen muss.

Doch solltest du im Jobinterview nun lieber deine intrinsische oder extrinsische Motivation zum Ausdruck bringen? Die Antwort hierauf ist, dass es darauf ankommt. Eher konservative Unternehmen oder solche, die vor allem auf Expansion und Profit aus sind, wissen extrinsische Beweggründe vermutlich zu schätzen. Bei anderen, die auf Purpose und Sinnhaftigkeit setzen, punktest du mit intrinsischer Motivation. Schau dir vor der Bewerbung also das Unternehmen an und wie es seine Unternehmenskultur vermittelt. Und solltest du danach immer noch unsicher sein, versuch es doch mit der goldenen Mitte: Sprich im Bewerbungsgespräch sowohl von intrinsischen als auch extrinsischen Beweggründen. Denn ein Bewerber, der gern Karriere machen will, weil er seinen Beruf liebt, ist definitiv auch kein schlechter Kandidat.