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New Work
Bye, bye Boss: Verlieren Führungskräfte in Zukunft an Bedeutung?
© Renee Fisher- Unsplash

Bye, bye Boss: Verlieren Führungskräfte in Zukunft an Bedeutung?

Michelle Winner | 11.02.20

Wenn Mitarbeiter mehr Freiheit und Verantwortung bekommen, braucht es dann noch die Chefetage? Oder sollten wir eher fragen, was von modernen Führungskräften erwartet wird?

Kaum etwas wird derzeit heftiger diskutiert als New Work und die damit zusammenhängenden, neuen Arbeitskonzepte. Ein ständiges Thema dabei bleibt die Frage danach, wie ein modernes Unternehmen geführt werden sollte. Flache Hierarchien und mehr Freiheit für Mitarbeiter kollidieren hierbei mit der Angst des Machtverlusts von Führungskräften. Und mitten in dieser Diskussion nun die Frage: Brauchen wir überhaupt noch Führungskräfte?

Der Konflikt: Erwartungen vs. Tradition

Die Frage, die in den letzten Jahren immer wieder aufkam, wurde erneut von Kristina Knezevic, Country Manager Österreich für XING E-Recruiting GmbH, angeregt. Ihrer Meinung nach liegt das Hauptproblem darin, dass Mitarbeiter etwas anderes wollen, als Führungskräfte geben. Soll heißen, dass sich immer mehr Arbeitnehmer heutzutage nach Freiheit und Mitbestimmung sehnen. Sie wollen das Unternehmen aktiv mitgestalten und vor allem auch Verantwortungen übernehmen. Nach Knezevic und vielen anderen New Workern, sollte eine moderne Führungskraft das Folgende leisten:

  • Ziele setzen
  • Freiheiten lassen
  • Visionen vorgeben
  • als Vorbild agieren
  • innovative Ideen begrüßen
  • Mitarbeiter unterstützen
  • sich selbst als Teil des Teams verstehen

Doch hier entsteht der erste Stolperstein, denn viel zu viele Führungskräfte scheuen sich davor, Verantwortungen abzugeben oder Aufgaben zu delegieren. Für sie geht dies mit einem Machtverlust einher. Ein Grund hierfür könnte die eher traditionelle Ausbildung von Führungskräften sein. In vielen Fällen wird dabei immer noch Kontrolle großgeschrieben: Die zukünftigen Chefs lernen Strategien vorzugeben, Prozesse zu lenken, Entscheidungen zu treffen und Angestellten Vorgaben zu machen. Modelle des New Managements entsprechen diesen Richtlinien nicht ganz und treffen so auf viel Skepsis. Knezevic selbst findet jedoch deutliche Worte für die Skeptiker der oben aufgezählten Punkte:

Dies klingt für Ihr Unternehmen, Ihre Abteilung, Ihr Team nicht umsetzbar? Dann sollten Sie sich fragen, ob Sie Ihre Mitarbeiter als mündig und kompetent ansehen. Oder geht es Ihnen vielmehr um Macht und Kontrolle?

Die Frage nach der Umsetzung

Die Skeptiker des New Management bringen vor allem ein Argument häufig: Die Umsetzung der neuen Ideen sei utopisch. Doch an diesem Punkt widersprechen die New Worker ganz klar, so auch Knezevic. Die Umsetzung sei mit Herausforderungen verbunden, Umstrukturierungen und Aufwand, könne aber in so gut wie jeder Branche stattfinden. Natürlich sind solche Aussagen mit Vorsicht zu genießen. In manchen Branchen müssen bei der Umsetzung Abstufungen gemacht werden, weil ihre Strukturen nicht dem „klassischen“ Büroalltag ähneln. Doch die Grundzüge des New Management sollten sich überall zu Herzen genommen werden.

Knezevic bringt als Beispiel ihre eigenen Vertriebsteams, die sie leitet. Sie meint, dass besonders der Sales-Bereich durch Erfolgsdruck geprägt ist, was die Umsetzung von New Management nicht einfach mache. Dennoch begann sie als Führungskraft damit, die Grundlagen zu etablieren. Es gibt ein klar definiertes, gemeinsames Ziel und offene Kommunikation in beide Richtungen. Zudem werden Mitarbeiter unterstützt und deren Sorgen ernst genommen – anstatt gezogener Pistole hinter diesen zu stehen und Druck auszuüben. Kleine Schritte wie diese sind tatsächlich in jedem Unternehmen und in jeder Branche umsetzbar und können das Arbeitsklima verbessern. Denn mal ehrlich, wer arbeitet schon gerne unter einem tyrannischen Kontrollfreak?

Zurück zur Frage: Brauchen wir noch Führungskräfte?

Knezevic hat eine klare Antwort zu dieser ursprünglichen Problematik formuliert:

Braucht es mich also noch? Braucht es Führung? Meine klare Antwort ist ja – aber anders. Die neue Arbeitswelt braucht Leader und Visionäre, keine Manager und Verwalter. Leader, die selbst als Beispiel vorangehen und die nicht nur durch Worte, sondern durch Taten überzeugen.

Diese Worte wirken überzeugend. Was wir brauchen, sind keine leeren Worte, keine Überwachung, keine strikten Hierarchien. Wir brauchen Leader, die bereit sind, Verantwortung für ihr Team zu tragen – auch wenn mal etwas schiefgeht. Denn so wird Vertrauen aufgebaut und Ängste werden verringert. Wir brauchen Führungskräfte, die auf gemeinsame Ziele setzen und den Angestellten zeigen, welchen Stellenwert sie im großen Ganzen eines Projekts haben. Wir brauchen kurze Entscheidungswege, durch die Mitarbeiter mehr Verantwortung und Freiheit erhalten und im Gegenzug mit Vertrauen und kreativen Problemlösungen das Unternehmen bereichern. Natürlich sind manche Ideen und Vorstellung der New Work-Bewegung abstrakt und radikal. Doch es braucht nicht immer eine 180-Grad-Wende, um ein Unternehmen an die neue Arbeitswelt zu gewöhnen. Gerade in Bezug auf New Management sollte jede Führungskraft ihren Führungsstil reflektieren und hinterfragen, um so Raum für das Neue zu schaffen. Denn die hier genannten, kleinen, aber effektiven Änderungen sollte jeder umsetzen können. Oder?