Zum Scheitern verurteilt: So versaust du deine Bewerbung

Viele denken, sie wüssten, wie die perfekte Bewerbung aussieht. Und trotzdem schlagen sich Personaler täglich mit typischen Fehlern herum, die so einfach zu vermeiden sind.

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Nobody’s perfect und Fehler passieren. Doch gerade wenn du dich auf der Jobsuche befindest, können diese dir schnell das Genick brechen. Tatsächlich gibt es Fehler, die deine Bewerbung komplett versauen können. Sie lassen dich unprofessionell wirken, unmotiviert oder gar unfähig. Dabei gibt es Fauxpas, derer sich die meisten bewusst sind, aber auch solche, die seltener bedacht werden. Darum hier eine kleine Übersicht darüber, welche Fehler dir einen Strich durch die Bewerbung machen können.

1. Die elendigen Rechtschreibfehler

Zur ersten Fehlerart gibt es direkt verschiedene Meinungen. Früher galt, dass jeder kleine Rechtschreib- oder Grammatikfehler ein Ausschlusskriterium ist und auf fehlende Bemühungen hinweist. Heute denken manche Arbeitgeber anders. Denn jemanden wegen ein, zwei Fehlerchen auszuschließen, kann dazu führen, ein Talent zu vergraulen, dass das Unternehmen weitergebracht hätte. Und tatsächlich müssen Rechtschreibfehler oder eine falsche Endung an einem Wort nicht zwingend mit Schlusigkeit oder Unmotiviertheit zu tun haben. Wir alle kennen es aus Zeitungen, Büchern, ja sogar wissenschaftlichen Abhandlungen, allen Texten, die normalerweise mehrmals gegengelesen werden: Fehler tauchen trotzdem auf. Das liegt daran, dass man ab einem bestimmten Punkt einfach blind für Fehler ist und unser Gehirn uns vorgaukelt, dass Wort würde richtig auf dem Papier stehen. Da hilft selbst die digitale Rechtschreibprüfung nicht mehr.

Deshalb sind ein oder zwei kleine Fehlerchen vollkommen natürlich und sollten nicht direkt negativ ausgelegt werden. Anders ist es jedoch, wenn die Fehler überhandnehmen, der Satzbau zur Katastrophe wird und Grammatik nicht zu existieren scheint. Deine Bewerbung sollte verständlich und strukturiert sein – und natürlich solltest du trotzdem darum bemüht sein, so viele Fehler wie möglich auszumerzen.

2. Deine Bewerbung ist nur Standard

Zugegeben: Die Standard-Anschreiben aus dem Internet klingen meist schön und überzeugend. Jedoch können Personaler diese nicht mehr hören, beziehungsweise sehen. Sie sind eben Standard und viel zu oft genutzt. Und wenn dein potentieller Arbeitgeber die fünfte Bewerbung liest, die sich auf Internetseite XY bedient hat, ist es egal, wie gut deine Skills sind – dann bist du raus. Denn mit deiner Bewerbung sollst du vor allem eines: herausstechen. Anstatt also eine Vorlage aus dem Netz zu kopieren und mit deinen Daten zu füllen, solltest du dein Anschreiben auf das Unternehmen und die ausgeschriebene Stelle anpassen.

Ähnlich ist es mit den schicken Formatvorlagen für Lebensläufe. Zugegeben, viele von diesen haben wirklich einen ansprechenden Stil und wirken professioneller als der schnöde Lebenslauf, den wir in der Schule beigebracht bekommen haben. Gleichzeitig gilt wieder: Je mehr Bewerber diese Vorlage nutzen, umso genervter sind Personaler. Nutze die Vorlagen also entweder als Inspiration für ein eigenes Design, dass clean und professionell wirkt, oder bediene dich nicht direkt an den ersten Ergebnissen, die Google ausspuckt, sondern schau lieber auf der zweiten Seite der Suchergebnisse nach. Nichtsdestotrotz punktet Individualität mehr als alles andere.

Ein Beispiel für eine Vorlage des Lebenslaufs. Schön anzusehen, aber viel zu oft genutzt. Quelle: Screenshot

3. Überflüssige Angaben nehmen den Platz für Skills

Und apropos Lebenslauf: Viel zu viele Bewerber gestalten diesen noch nach veralteten Standards. Vor allem unnötige Angaben werden oft gemacht, welche wiederum den Platz für echte Qualifikationen nehmen. Die Namen und der Beruf deiner Eltern sind beispielsweise komplett irrelevant, ebenso wie die Grundschule, die du besucht hast. Denn hast du einen Abschluss gemacht, kann sich der Personaler denken, dass du irgendwann einmal auf der Grundschule warst. Langweilige Hobbies wie Netflix oder Musik hören haben ebenfalls nichts im Lebenslauf zu suchen. Diese Kategorie sollte nur eingefügt werden, wenn es sich um spannende Tätigkeiten handelt oder etwas, das deine Skills unterstreicht wie Teamsportarten. Streich also alles unnötige und schaffe Platz, um dich selbst zu präsentieren.

4. Fehler bei Unternehmen und Adressat

Diese Art von Fauxpas nehmen dir die meisten Personen übel: Ein falsch geschriebener Name, die falsche Anrede oder ein Buchstabendreher bei der Bezeichnung des Unternehmens stechen mehr hervor, als ein einfacher Rechtschreibfehler. Wieso? Weil es um etwas „Persönliches“ geht. Vermutlich kennst du selber das unangenehme Gefühl, wenn jemand deinen Namen falsch geschrieben hat – ebenso geht es den Personalern, die deine Bewerbung lesen. Also an dieser Stelle wirklich drei oder viermal prüfen, ob alles korrekt ist. Und zwar nicht nur im Anschreiben selbst, sondern auch in der Mail, in der du deine Unterlagen abschickst.

5. Zu kleine Schrift und Comic Sans zerstören dein Anschreiben

Auch das Format deiner Bewerbung sollte stimmen. Im besten Fall ist dein Anschreiben eine Seite lang und in drei oder vier logische Absätze gegliedert. Ein reiner Fließtext oder zu viele Zeilensprünge stören das Gesamtbild und den Lesefluss. Und ja, es ist schwer sich auf eine Seite zu beschränken. Trotzdem ist es keine Option, in Schriftgröße 8 mit minimalem Zeilenabstand zu schreiben. Ein Abstand von 1,5 ist bei weitem angenehmer zu lesen, ebenso wie die Schriftgrößen 11 oder 12, je nach Schriftart. Diesbezüglich schwören viele noch auf Times New Roman oder Arial. Damit ist man immer auf der sicheren Seite. Gleichzeitig sind auch andere klare Schriftarten beliebt, wie Verdana oder Calibri. Die Existenz von Comic Sans vergisst du hingegen lieber. Achja und nicht vergessen, den Blocksatz für deinen Text zu aktivieren, um unnötige Lücken am Zeilenende zu vermeiden.

6. Schlecht formuliert und aus dem Rennen

Die Formulierung ist das Rückgrat deiner Bewerbung. Verabschiede dich also vom Konjunktiv, der auf mangelndes Selbstbewusstsein hindeutet. Anstatt zu schreiben „Ich könnte gut in ihr Unternehmen passen“, mach daraus lieber: „Ich bin überzeugt davon, mit meinen Skills eine Bereicherung für den Bereich XY zu sein“. Oder so ähnlich. Die erwähnten Skills solltest du außerdem immer beweisen. Schreibe zum Beispiel nicht einfach, dass du ein Teamplayer bist, sondern zeige es dem Personaler. Ergänze deine Fähigkeiten immer mit Beispielen, denn behaupten kann man viel. Benutze außerdem nicht nur ellenlange Schachtelsätze, die den Lesefluss stören, sondern auch kürzere.

7. Du bist der Beste der Besten – und abgelehnt

Natürlich solltest du dein Können in deiner Bewerbung nicht unter den Teppich klären. Zeige dich selbstbewusst und motiviert. Gleichzeitig solltest du aber bei der Wahrheit bleiben. Dir Skills auszudenken, die du gar nicht hast, fällt spätestens dann auf, wenn sie im Bewerbungsgespräch angesprochen werden. Außerdem solltest du nicht arrogant wirken. Formulierungen wie: „Mit meinem Gefühl für XY steche ich deutlich zwischen anderen Bewerbern hervor“ kommen gar nicht gut an. Fange auch nicht an darüber zu schleimen, wie toll das Unternehmen, in dem du dich bewirbst, ist. Stelle deine Fähigkeiten ehrlich dar und versuche anhand deiner Erfahrungen zu beweisen, dass du die richtige Person für die Stelle bist. Personalerin Amy Adler gibt außerdem noch einen wichtigen Tipp mit auf den Weg:

Die Leute haben tolle Karrieren und schreiben darüber, was sie schon alles erreicht haben. Aber kaum einer macht sich Gedanken darüber, was seine künftige Rolle sein wird und wie seine Fähigkeiten darauf einzahlen.

Blicke also in deiner Bewerbung nicht nur auf Vergangenes, sondern auch in die Zukunft. Vielleicht denkst du dir beim Lesen dieses Artikels: Ja klar, ist doch logisch, dass ich das nicht mache. Und trotzdem handelt es sich hierbei um die häufigsten Fehler, mit denen Personaler sich täglich herumschlagen müssen. Und vielleicht begehst du auch den ein oder anderen davon, ohne es zu merken. Wenn du also das nächste Mal auf Jobsuche bist, wirf einen zweiten und dritten Blick über Anschreiben und Co. und frage dich: Wenn du diese Bewerbung erhalten würdest, welchen Eindruck hättest du vom Bewerber? Du kannst dir zudem die Meinung von Freunden oder Verwandten einholen. Bemerkst du die hier genannten Fehler, korrigiere sie. Tust du dies und gibst dich außerdem selbstbewusst und ehrlich, erhältst du vielleicht schneller eine positive Antwort auf deine Bewerbung.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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