Wo arbeiten die glücklichsten Mitarbeiter – und was sind die Voraussetzungen dafür?

In Hamburg arbeiten die glücklichsten Mitarbeiter Deutschlands, das Ranking der Firmen führt SAP an, in den USA HubSpot. Doch was ist das Geheimnis?

Zusammenarbeit bei Google, © Google

Wenn es um die Zufriedenheit von Arbeitnehmern geht, wurde man medial zuletzt oft mit negativen Empfindungen in Arbeitsverhältnissen konfrontiert. Im Zuge dessen kann man sich aber auch fragen, wo denn nun die glücklichsten Mitarbeiter zu finden sind. Und was Unternehmen oder Standorte richtig machen, um bei der Popularität für die Arbeitnehmer zu gewinnen.

Das Glück in der Großstadt 

In Deutschland sind die glücklichsten Mitarbeiter in Hamburg, Berlin und Bremen zu finden. Das gibt jedenfalls der Happiness Index von Kununu an. Dafür wurden von Juli 2017 bis Juli 2018 knapp 150.000 Bewertungen auf der Website zu Rate gezogen. Demnach erreicht Hamburg einen Score von 3,72, Berlin 3,71 und Bremen 3,68. Das Saarland überrascht mit 3,66, während Schlusslicht Sachsen-Anhalt bei 3,45 liegt. Der Idealwert liegt bei 5.

Der Happiness Index von Kununu für 2018 (mit einem Klick aufs Bild gelangt ihr zur größeren Ansicht), © Kununu

Hamburg als „Tor zur Welt“ hat verschiedene große und populäre Arbeitgeber, Airbus oder einen Standort der Lufthansa, Google, OTTO, Gruner & Jahr. Außerdem liefert die Metropole eine breit gefächerte Startup-Kultur. Das gilt natürlich auch für Berlin, wo die Pepper Media Holding als beliebter Arbeitgeber gilt, wo aber auch Zalando und andere Modegrößen zuhause sind. Dass die Metropolregionen in der Zufriedenheit weit oben liegen, dürfte auch mit den im Schnitt höheren Gehältern zu tun haben. Ähnliches gilt sicher auch für Bayern oder Hessen, wo durch Banken und Automobilhersteller eine starke Industrie entstanden ist.

Bei Unternehmen zeigen sich international Unterschiede

In puncto Unternehmen ist in Deutschland aber SAP der beliebteste Arbeitgeber. Das geht aus einem weiteren Kununu-Ranking hervor, dass 30 DAX-Unternehmen in den Fokus nahm. Der Business Insider berichtete. Dabei sieht die Top 10 wie folgt aus:

  1. SAP
  2. Covestro
  3. Bayer
  4. Infineon
  5. Daimler
  6. RWE
  7. BMW
  8. Merck
  9. Volkswagen
  10. Beiersdorf

Covestro ging aus einer ehemaligen Sparte von Bayer hervor, während mit Volkswagen, BMW und Daimler traditionelle Autobauer im Zentrum der zufriedenen Mitarbeiter stehen. Vor allem SAP scheint für Angestellte jedoch ein guter Arbeitgeber zu sein. Dabei darf man hinsichtlich der Kununu-Rankings nicht vergessen, dass hier subjektive Meinungen zwar in der Masse als Daten erfasst werden, diese im Zweifel aber kein objektives Bild einer Arbeitsatmosphäre vermitteln können. Dennoch sind die Übereinstimmungen mit den attraktivsten Arbeitgebern Deutschlands, wie sie in der Studie Attraktive Arbeitger 2018 von Berufsstart genannt wurden, vorhanden. In den Top 20 der befragten Absolventen, Studenten und Young Professionals finden sich zum Beispiel BMW (auf Platz eins), Daimler, Merck, Bayer oder Volkswagen wieder.

Die Top 20 der beliebtesten Arbeitgeber in Deutschland, © Berufsstart

Außerdem ist dort auch die Rede von Siemens, Adidas oder Google. Tech-Unternehmen wie Google und Facebook, aber auch Adobe und HubSpot sind in den USA Arbeitgeber für die glücklichsten Mitarbeiter. Das geht aus einer Sammlung von Feedback aus 12 Monaten von Comparably hervor. Demnach ist der Top-Arbeitgeber der USA HubSpot, dicht gefolgt von Netflix und Google. Salesforce, LinkedIn, Adobe, Facebook, eBay und Co. zeigen auch, dass die digitalen Player in Übersee ebenfalls sehr glückliche Mitarbeiter haben; womöglich auch nicht zuletzt aufgrund der hohen Gehälter.

Die Arbeitgeber mit den glücklichsten Mitarbeitern in den USA, © Comparably

Ursachen für Mitarbeiterzufriedenheit

Doch neben guten Gehältern spielt auch der Zweck der Arbeit eine Rolle. Das geht aus der Aussage eines Netflix-Mitarbeiters hervor, die der Business Insider zitiert:

What makes me most happy is that we’re working on something that brings stories to people around the world, and Netflix has great pay and benefits.

Bei Google sticht beispielsweise eine Durchlässigkeit zur Führungsebene heraus, während Mitarbeiter bei LinkedIn vom guten Essen und der Relevanz ihrer Arbeit für die Gesellschaft schwärmen. Durchweg sind gute Gehälter und Diversität Gründe für die Zufriedenheit der Mitarbeiter.

In Deutschland sind im Hinblick auf attraktive Arbeitgeber verschiedene Aspekte von Interesse, gerade für junge Leute auf dem Arbeitsmarkt. Bei den primären Punkten spielen neben dem Gehalt (58,6 Prozent) vor allem die Weiterbildung (69,5 Prozent) und die Aufstiegschancen (62,1 Prozent) eine immens wichtige Rolle. Die Studie Attraktive Arbeitgeber zeigt, dass nur für 27,8 Prozent die Internationalität, überraschenderweise nur für 43,7 Prozent die Sozialleistungen wichtig sind.

Primär geforderte Eigenschaften für attraktive Arbeitgeber in Deutschland, © Berufsstart

Bei den sekundären Voraussetzungen ist die Arbeitsatmosphäre (88,2 Prozent) mit Abstand am wichtigsten; gefolgt von Abwechslung (73 Prozent) und Work-Life-Balance (69,2 Prozent). Dabei bedingen sich die Aspekte wohl gegenseitig. Dazu gehört auch die Familienfreundlichkeit, die aber nur für knapp 39 Prozent zentral ist, wobei sogar nur jeder Vierte auf flache Hierarchien hofft.

Sekundäre Eigenschaften, die bei Unternehmen für Attraktivität gefordert sind, © Berufsstart

Abwechslung und Weiterbildung sind der Weg zur Attraktivität

Die populärsten Arbeitgeber hierzulande oder in den USA sind natürlich Unternehmen, die sehr gut zahlen und auch aufgrund ihrer Finanzstärke Freizeitangebote und Weiterbildungen stellen können; die wegen der Internationalisierung Diversität und kulturelle Vielfalt in die Arbeitsatmosphäre einbringen können.

Doch attraktive Arbeitgeber können sich ebenso entwickeln, indem sie Mitarbeitern die Chance zur beruflichen Fortentwicklung geben. Denn obwohl naturgemäß das Gehalt von bedeutendem Charakter für jeden Arbeitnehmer ist, werden von Young Professionals und Absolventen die Chancen zur Weiterbildung insgesamt als ein ganzes Stück wichtiger eingestuft.

Weiterbildung ist extrem wichtig, © Berufsstart

Dabei ist jede Weiterbildung – gerade aber im Prozess der Digitalisierung – nicht nur für potentiell künftig höhere Gehälter sinnvoll, sondern ebenfalls für das Fortbestehen der Wettbewerbsfähigkeit der Arbeitnehmer und somit genauso derer Arbeitgeber. Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel und nebenbei neuen Arbeitsfeldern müssen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber neu profilieren. Gute Gehälter sollten in angemessenem Rahmen ohnehin für jede Branche wieder in den Kontext von Lohn gestellt, angepasst und  in diesem Sinne als gebotenes Entgelt standardisiert werden. Es gibt keinen rationalen Grund, warum die Gehaltsspannen bei Unternehmen vom Vorstand bis zum Lageristen immer größer werden.

Da dieser Trend derzeit aber Realität ist, sollten Arbeitgeber, um sich für die Vielzahl an Arbeitnehmern und Absolventen auf der Suche nach passenden Jobs attraktiv darzustellen, mindestens darauf setzen, dass Jobs langfristige Potentiale bieten. Insofern ist diese Übersicht auch ein Plädoyer für Weiterbildungen und unbefristete Verträge. Die Mitarbeiter werden es den Unternehmen danken; mit Leistung, die rentabel ist. Und wer zu den populärsten Arbeitgebern gehört, wird sicher zukünftig bei der Akquise der besten Talente die Nase vorn haben.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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