Wie der Girls‘ Day die Berufswelt verändert

Bundesweit findet am 28. März der Girls‘ Day statt. Der einzige Tag im Jahr, an dem es im MINT-Bereich nicht an Frauen mangelt.

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In ganz Deutschland findet heute der Girls‘ und der Boys‘ Day statt und somit die jährliche Gelegenheit, einen Schnuppertag in tradiert andersgeschlechtlich belegten Berufsfeldern zu wagen. Die Idee hierbei ist, dass Mädchen und Jungen sich von klein auf motiviert sehen, auch Berufe anzustreben, die weitestgehend  vom anderen Geschlecht praktiziert werden. Der Fokus hierbei ist klar: Jungs in die Pflege, Mädchen in den MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik)-Bereich.

Klischeefrei

Seit 2001 gibt es nun den Girls‘ Day, seit 2003 den dazugehörigen Boys‘ Day. Die bundesweite Durchführung von letzterem gibt es jedoch erst seit 2011. Der Grundgedanke Schülerinnen zu ermöglichen sich in Berufsgruppen zu wagen, die von Männern dominiert werden, sei gut, für die Gleichberechtigung am Arbeitsplatz, jedoch nicht ausreichend. Auch Jungs müssen sich in Berufe trauen, die wiederum größtenteils weiblich besetzt sind. Maximal 40 Prozent der Berufsgruppe dürfen männlich sein, um sich als Beruf für den Boys‘ Day zu qualifizieren. Von Erfolgen lässt sich sprechen, jedoch nur auf einer der zwei Seiten. Circa 100.000 Mädchen nehmen jährlich am Girls‘ Day teil und ein Drittel der am Girls‘ Day beitragenden Unternehmen gibt an, dass diese auch anschließende Bewerbungen für Praktikum oder Ausbildung von den Schülerinnen erhalten. Auch heute nehmen diverse Unternehmen am Girls‘ und Boys‘ Day teil unter dem Hashtag „klischeefrei“, um ihre Berufe erfolgreich Schülerinnen und Schülern zu präsentieren. Beim Girls‘ Day liegt demnach eine gute Bilanz vor, ganz im Gegensatz zum Boys‘ Day. Gerade mal 30.000 Jungen nehmen jährlich am Boys‘ Day Teil, obwohl das Geschlechterverhältnis an Schülerinnen und Schülern verhältnismäßig ausgewogen ist. Die Begründung für diesen immensen Unterschied liegt allerdings nicht bloß im Altersunterschied der jeweiligen Aktionstage.

Von der Naturwissenschaft zur Pflege

Ein großes Problem und Teilgrund zur geringeren Teilnahme von Jungs ist die soziale und finanzielle Anerkennung der einzelnen Berufe. Dass Pflegeberufe wichtig sind, da sind sich allesamt alle einig, die dazugehörige Wertschätzung bleibt allerdings aus. Nach Angaben von Destatis lag der Anteil an männlichen Auszubildenden im Pflegebereich bei gerade einmal 22 Prozent, der weibliche im MINT-Bereich bei lediglich 17 Prozent. Vom MINT-Bereich lässt sich mangelnde Anerkennung hingegen nicht behaupten, denn mit der immer weiter voranschreitenden Digitalisierung wird dieser auch immer attraktiver. Dementsprechend liegt hierbei auch eine bessere Vergütung vor und viele Jungen sehen sich demzufolge mit der Frage konfrontiert, warum sie sich in der Pflege versuchen sollten, wenn es wesentlich besser bezahlte Optionen gibt, die ihnen dann angeblich ihres Geschlechts wegen noch wesentlich besser liegen. Ein Problem, mit dem sich Mädchen nicht konfrontiert sehen müssen und somit auch eines auf gesellschaftlicher Ebene. Die klassischen Rollenbilder aus den Köpfen junger Schüler vertreiben zu wollen ist eine lobenswerte Prämisse. Jedoch eine, für die bisher die notwendigen Maßnahmen fehlen.

Ein Blick in die Zukunft

Wenn sie auch ihre Macken haben mögen, lassen sich Sinn und Zweck von Girls‘ und Boys‘ Day nicht abstreiten. Sowohl der MINT- als auch der Pflegebereich brauchen kluge und fleißige Köpfe, unabhängig ihres Geschlechts. Es ist wichtig, beide Seiten mit den jeweiligen Berufsfeldern vertraut zu machen. Dass bedeutend mehr Männer in den Pflegebereich gehen, ist erstmal noch nicht absehbar, der dafür notwendige Reiz bleibt aus. Anders ist dies in der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Das Interesse seitens der Mädchen besteht und in einigen Jahren könnte sich die prozentuale Verteilung in diesen Berufen eventuell weiter verändern, ein Wachstum ist zu verzeichnen.

Immer mehr MINT-Studentinnen, ein Wachstum ist absehbar.

Womöglich hin zu einem Punkt, der sich nahezu einer Gleichverteilung nähert, sodass der Girls‘ Day seinen Fokus auf eine andere Männerdomäne richten kann, beispielsweise der Politik, um so der Gleichberechtigung von Mann und Frau einen Schritt näher zu kommen. Dass der Frauenanteil in den MINT-Bereichen steigen wird, ist zumindest absehbar und der Girls‘ Day hat hierzu definitiv beigetragen. Wenn dieser weitere Erfolge verzeichnet, bleibt die Vorstellung von Männer- und Frauenberufen eines Tages vielleicht komplett aus und für sowas wie den Girls‘ Day gäbe es keinen Bedarf mehr.

Über Toni Gau

Toni Gau

Toni Gau ist freischaffender Blogger, wobei sein Augenmerk auf Popkultur, Literatur und Storytelling liegt, mit eigens geschriebenen Geschichten zwischendrin. Nach dazugehörigem Studium setzt er hier nun seine Arbeit fort und unterstützt OnlineMarketing.de als Redakteur und Grafiker.

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