Was passiert, wenn ich die Weihnachtsfeier schwänze?

Alle Jahre wieder … lockt die Firmenweihnachtsfeier. Für manche ist sie das Event des Jahres, anderen sind Unternehmensfeiern generell ein Dorn im Auge. Musst du als Beschäftigter daran teilnehmen?

© Sam Loyd - Unsplash

Manch ein Mitarbeiter möchte sich lieber verkriechen, während der Arbeitgeber seine Angestellten gern bei solchen Veranstaltungen sieht. Zum einen möchte er allen am Jahresende Respekt für die erbrachte Leistung zollen. Dazu gehört es, der Belegschaft mit gutem Essen (und Geschenken) etwas Gutes zu tun. Zum anderen hofft der Arbeitgeber auf eine Verbesserung des Teamspirits.

Gezwungen werden kann niemand

Zu viel Alkohol, lästige Flirtversuche, peinliche Tanzeinlagen – die Gründe können vielfältig sein, warum anderen beim Gedanken an eine Firmenweihnachtsfeier unwohl ist. Gehörst auch du dazu und hast generell kein Interesse am Event, kannst du beruhigt aufatmen: Gemäß Arbeitsrecht ist die Weihnachtsfeier keine Pflichtveranstaltung. Auch wenn dein Chef durchblicken lässt, dass er das Erscheinen aller Mitarbeiter erwartet.

Findet die Feier jedoch während der Arbeitszeit statt, darfst du nicht einfach den Stift fallen lassen und nach Hause gehen. Du bist verpflichtet, dich weiterhin am Arbeitsplatz aufzuhalten. Sollte dies nicht möglich sein, zum Beispiel weil die laute Feier kein konzentriertes Arbeiten zulässt oder alle Maschinen ausgeschaltet sind, hast du keinen Anspruch darauf, früher zu gehen. Du musst die Zeit quasi absitzen. Nach Hause gehen darfst du nur mit ausdrücklicher Genehmigung deines Chefs.

Immer öfter wird In-House gefeiert

Nach wie vor finden Weihnachtsfeiern überwiegend in einer externen Location am Abend statt. Laut einer aktuellen Studie von GfK im Auftrag des REWE Lieferservice ist fast jeder zweite Arbeitnehmer (42,5 Prozent) zu einer solchen Festivität eingeladen, während sich fast jeder Fünfte (16,1 Prozent) in den Räumen der Firma amüsiert. Die Studie zeigt auch, dass Weihnachtsfeiern in den letzten Jahren mit besserer Organisation gepunktet haben. Bei externen Locations werden gern spezielle Dienstleister eingesetzt, die sich um das A und O einer Feier kümmern.

Wir bemerken allerdings auch einen Trend dahingehend, die jährliche Weihnachtsfeier in den eigenen Räumen liebevoll und privat zu gestalten,

weiß Annika Bastians, Expertin für Bestellungen von Geschäftskunden beim REWE Lieferservice. Bei internen Feiern sind es meist die Kollegen, die die Feier in Abstimmung mit der Chefetage organisieren. Ein Fernbleiben würde hier besonders die Mitarbeiter treffen, die sich viel Mühe mit der Vorbereitung gegeben haben.

Weihnachtsgeschenke nur bei Anwesenheit

Wenn dein Chef zu der großzügigen Spezies gehört und während der Weihnachtsfeier Geschenke an alle anwesenden Mitarbeiter verteilt, solltest du besser nicht schwänzen. Dein Chef kann den Anspruch auf Geschenke davon abhängig machen, ob du zur Weihnachtsfeier kommst. Wenn nicht, gehst du leer aus. So ist es einem Angestellten ergangen, der das Firmenevent aus gesundheitlichen Gründen nicht besuchen konnte. Sein Chef hat iPads im Wert von mehr als 400 Euro an alle Anwesenden verteilt. Der Kläger und weitere 42 Kollegen, die nicht zur Weihnachtsfeier erschienen, gingen leer aus – und das zu Recht. Wie der DGB Rechtsschutz mitteilt, wies das Gericht die Klage ab.  Daraus folgt: Nur der, der kommt, kommt auch in den Genuss dessen, was es dort gibt.

Angst vor unpassendem Outfit

Es gibt Personen, die gerne auf mögliche Geschenke verzichten würden, wenn sie nur nicht an der Weihnachtsfeier teilnehmen müssten. Ängste machen sich breit. Wenn du ebenso zu den Personen gehörst, die nicht locker und selbstbewusst in diese Situation gehen, kannst du dich ein wenig trösten: Für viele Kollegen ist eine Firmenfeier eine ungewohnte Situation – verglichen mit dem normalen Arbeitsalltag. Es gibt viele Dinge, die Unbehagen hervorrufen können. Zum Beispiel der Dresscode, gegen den man nicht verstoßen sollte. Er kann von Firma zu Firma variieren. Plant dein Betrieb einen gemütlichen Spaziergang mit anschließendem Bummel über den Weihnachtsmarkt, sollte bequeme Kleidung gewählt werden. Hingegen ist elegante Kleidung bei einer Feier in einer gehobenen Lokalität angesagt. Bist du neu in der Firma, informiere dich vorab über die Gepflogenheiten. So musst du keine Panik vor einem unpassenden Outfit haben.

Angst vor enthemmten Verhalten

Zum anderen gibt es bei fast jeder Firmenfeier Alkohol, was zu enthemmten Verhalten führen kann. Zugegeben: Der Konsum trägt dazu bei, dass die Stimmung heiterer und lockerer wird. Doch wer zu tief ins Glas schaut, kann möglicherweise Dinge sagen, die er später bereut, Flirtversuche starten oder weitere Fauxpas begehen. Wenn du das Gefühl hast, dass deine Kollegen mit dem Alkohol übertreiben, kannst du jederzeit die Weihnachtsfeier verlassen. Niemand ist gezwungen, bis zum Ende zu bleiben. Haben deine Kollegen Beleidigungen geäußert oder dich gar sexuell belästigt, musst du dir das nicht gefallen lassen. Es gelten auf der Weihnachtsfeier dieselben Regeln, wie auch sonst im Arbeitsalltag. So etwas kann von der Abmahnung bis hin zur fristlosen Kündigung führen.

Angst vor dem Tanzparkett

Auch beim Tanzen gilt: Was des einen Freud, ist des anderen Leid. Laut der genannten GfK-Studie sind die Jüngeren deutlich aktiver auf der Tanzfläche. Für die 18- bis 39-Jährigen (34,4 Prozent) ist es vollkommen in Ordnung, ausgiebig zu tanzen, während ältere Arbeitnehmer sich eher dezent zurückhalten und ausgelassenes Tanzen als unpassend empfinden (46,7 Prozent). Nun muss du nicht zwangsläufig zu den älteren Arbeitnehmern gehören, um einen großen Bogen ums Tanzparkett zu machen. Niemand ist gezwungen zu tanzen. Wenn du es dennoch wagst und einen peinlichen Tanzstil hinlegst, musst du dich nicht schämen. Spätestens am nächsten Tag gibt es ein anderes Thema, über das getuschelt wird.

Auch an die Pluspunkte denken

Auch wenn du noch unentschlossen bist, die Weihnachtsfeier zu besuchen, denke nicht nur an deine Ängste und Befürchtungen. Führe dir auch die Pluspunkte vor Augen. Zum einen hast du auf der Weihnachtsfeier Zeit, dich mit Kollegen in gemütlicher Runde über Privates zu unterhalten und sie dabei ganz anders kennenzulernen – ohne Zeitdruck wie in der Pause. Zum anderen kannst du kostenfrei auf Firmenkosten schlemmen. Mit deiner Teilnahme honorierst du die Großzügigkeit der Firma und das Engagement der Kollegen, die das Event organisiert haben. Zudem sorgst du mit dafür, dass ein Wir-Gefühl entsteht, das dich und deine Kollegen zusammenschweißt. Vielleicht fällt es dir leichter, wenn du dir zuvor ein Zeitlimit setzt, an das du dich strikt hältst. Du benötigst zuvor nur eine Begründung, warum du zum Beispiel um Punkt 22 Uhr gehen musst.

Solltest du dennoch nicht teilnehmen wollen, lege dir eine gute Ausrede parat, um nicht als unkollegial abgestempelt zu werden. Dabei musst nicht deine wahren Gründe nennen.

Über Viola Klingspohn

Viola Klingspohn ist ausgebildete Redakteurin (Volontariat) und Diplom-Designerin (FH). Sie hat in Zeitungsredaktionen gearbeitet und ein Familienmagazin redaktionell betreut. Seit 2011 ist sie freiberuflich tätig in den Bereichen Grafikdesign und Textkommunikation.

Viola Klingspohn

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