Verhältnis von Arbeit, Stress und Freizeit: Ein Problem für Entrepreneure?

Alles für den Erfolg durch Leistung und zeitliche Investition. Für junge Unternehmer Arbeitsalltag. Ab wann wird die Gesundheit riskiert?

© Aarón Blanco Tejedor - Unsplash

Viel Arbeit und wenig Freizeit – gesellschaftlich ist dieses Lebensmodell hoch angesehen. Wer einen vollen Zeitplan aufzeigen kann, wenig schläft und trotzdem maximale Leistung an den Tag legt, wird bewundert. Zurecht – denn so eine Leistung ist anerkennenswert. Vor allem Entrepreneure werden sich in diesem Lebensstil wiedererkennen, denn bei vielen jungen Unternehmern wird sich der Alltag nach dem Credo Erfolg durch Leistung richten. Doch kann so ein Verhältnis von Arbeit und Freizeit gesund sein? Was, wenn negativer Stress dauerhaft wird und der Körper eine Pause braucht? Die Glorifizierung von viel Arbeit, Stress und wenig Freizeit ist problematisch.

Alles für den Erfolg – auch die Gesundheit

Daniel Thomas Hind, Entrepreneur, erklärt, dass viel Arbeit und Stress bei ihm zunächst Teil des Alltags war, da er rund um die Uhr arbeitete. Seine Zeit investierte er ausschließlich für sein Unternehmen. So warf Hind sein Bewusstsein für die eigene Gesundheit, Schlaf, gesunde Ernährung und Beziehungen über Bord, um sich ausschließlich auf den Erfolg zu fokussieren. Er berichtet von schlaflosen Nächten, wachsender Verantwortung und dem Gefühl, dass ein Aufhören oder eine Reduzierung der Aufgaben nicht mehr möglich sei. Nachdem er zwangsweise in das offene Messer des Burnouts lief, weiß Hind nun:

I had been operating in survival mode. But there is a limit to how much you can handle before you break. I found that limit.

Stress – nicht zwangsweise negativ

Für sein Burnout sei der viele Stress verantwortlich gewesen. Stress – ein Begriff der zunächst neutral beleuchtet werden muss. Denn Stress muss nicht zwangsläufig negativ sein. Denn neben dem negativen Distress gibt es auch positiven Stress. Dieser Eustress motiviert uns, treibt uns an und befähigt uns zu Höchstleistungen. Das Gefühl, dass positiver Stress die persönliche Leistung und die Lösungsorientierung fördern, ist nicht von der Hand zu weisen. Dennoch kann positiver auch in negativen Stress, Distress, münden. Wenn negativer Stress zur Dauerbelastung wird, so wie bei Hind, wirkt sich dieser Zustand negativ auf Körper und Psyche aus. Dieses Stressempfinden ist dabei ganz klar subjektiv. Einige Personen finden bestimmte Situationen schon als besonders belastend, während andere Menschen diese noch gar nicht als stressig wahrnehmen. 

Hind hebt dennoch hervor, dass es für junge Unternehmer ein deutliches Problem darstelle, die persönliche Grenze zu erkennen und sich selbst weniger Aufgaben zu verordnen. Denn sobald er freie Zeit oder weniger Stress hatte, glaubte er, dass er nicht hart genug arbeitete. Hind liebte Stress:

I was addicted to stress. It was my validation for being enough — it always had been. I felt like I wasn’t working hard enough unless I was stressed to the point of overwhelm.

Er erklärt weiterhin, dass er immer härter und intensiver als er es je für möglich gehalten hätte arbeitete. Doch Hind stellte aufgrund seiner Erkrankung fest, dass wir niemals unser volles Potential erreichen können, wenn wir ein ungesundes Verhältnis zu unserer Arbeit entwickeln und so selbst krank werden. Der junge Unternehmer ist sich zwar sicher, dass es in gewisser Art und Weise auch in der Überzeugung von Entrepreneuren liegt, viel und hart zu arbeiten und dafür auf andere Dinge zu verzichten, aber er glaubt auch:

Our culture has glorified the hustle, so we feel like something is missing unless we’re working ourselves to death. We think this is the cost of admission to be successful, but that’s false.

Die Glorifizierung von viel Arbeit, Stress und wenig Freizeit ist problematisch

Hind erklärt, dass er zwei Gründe für seine Erkrankung verantwortlich macht. Auf der einen Seite seine eigene Bereitschaft viel zu arbeiten, aber auf der anderen Seite erkennt er auch, dass die gesellschaftliche Anerkennung von viel Arbeit, aus der in so machen Fällen dauerhaft negativer Stress entstehen kann, problematisch ist. Diese Tatsache würde so junge Entrepreneure, die von Natur aus schon hoch motiviert sind und auch viel arbeiten wollen, zusätzlich dazu antreiben, immer mehr geben zu müssen.

Aus dieser hohen Anerkennung von viel Arbeit können negative Auswirkungen entstehen. Wenn Personen nach dieser Anerkennung streben, dafür ihre eigene Gesundheit außer Acht lassen und eine Distressbelastung so dauerhaft wird, können sich physische Auswirkungen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Bauchschmerzen oder Rastlosigkeit bemerkbar machen. Auch psychisch werden sich Auswirkungen wie Schlafstörungen, Unwohlsein oder Konzentrationsschwierigkeiten den Weg in den Alltag bahnen. Wenn diese ersten Belastungsanzeichen von Stress erkennbar werden, bedeutet das nicht, dass ein Burnout diagnostiziert wird. In unserem Artikel zum Thema Stressmanagement findest du deshalb Hinweise, wie man den richtigen Umgang mit Stress findet, sodass es gar nicht zu einem Burnout kommt. Denn diese Erkrankung kommt nicht von heute auf morgen. Amerikanische Psychologen haben zudem zwölf Stufen des Burnouts definiert, die wir in einem Artikel zusammengefasst haben.

Für Selbstständige und junge Unternehmer stellt das gesunde Verhältnis von Arbeit und Freizeit demnach eine besondere Herausforderung dar. Für Angestellte hingegen machen sich mit der sogenannten 4-Tage-Woche und New Work Konzepten neue Gegenströmungen breit, die sich von der Idealisierung von viel Arbeit und wenig Freizeit im Hinblick auf Beschäftigte lösen. Diese Bewegungen haben es zum Ziel, die Work-Life-Balance in ein Gleichgewicht zu bringen. Für Entrepreneure ist die Umsetzung wohl durchaus schwieriger, da sie für sich selbst und ihr Einkommen verantwortlich sind. Für junge Unternehmer gilt es deshalb, ein Bewusstsein für die eigene Gesundheit und Grenzen der eigenen Belastbarkeit zu entwickeln, um das eigene Wohlbefinden und somit auch den Erfolg des Unternehmens sicherzustellen.

Über Maja Hansen

Maja Hansen

Seit 2017 unterstützt Maja die Redaktion von OnlineMarketing.de. Dabei widmet sie sich primär dem Karrieremagazin mit den Themenfeldern rund um Jobs und Karriere, schreibt aber auch über digitales Marketinggeschehen.

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