Ungleiche Entlohnung bei Google: Mitarbeiterin veröffentlichte Gehaltstabelle

Google-Mitarbeiterin Erica Baker legte eine Gehaltstabelle an. Die Ergebnisse schockten nicht nur ihre Kollegen, sondern nun auch die ganze Welt.

© Ezio Gutzemberg

Über 53.000 Menschen arbeiten weltweit für Google Inc. – dass bei so vielen Individuen nicht immer alles fair zugehen kann, mag nicht großartig überraschen. Dennoch waren viele Mitarbeiter über das erstaunt, was Erica Baker, ihres Zeichens (mittlerweile) ehemalige Mitarbeiterin von Google, mit einer ganz einfachen Aktion zu Tage förderte. Vor etwa einer Woche erzählte sie per Twitter ihre Geschichte.

Excel-Tabelle zeigt Ungleichbehandlung im Lohnbereich

Dass die Löhne bei Google nicht unbedingt immer fair sind, ist nicht neu – schon der Personalchef des Unternehmens, Laszlo Bock, erklärte in seinem Buch „Work Rules!“, dass die Unterschiede enorm sein können. Die Unterschiede bei den Bonuszahlungen können bis zu 500 Prozent ausmachen. Er begründet dies mit der höheren Produktivität bestimmter Top-Talente, die deshalb auch überdurchschnittlich bezahlt werden müssten, um sie an den Betrieb zu binden.

Erica Baker wollte genauer wissen, was hinter der Geschichte steckt, und legte ein einfaches Excel-Sheet an, um die Gehälter zu vergleichen. Anfänglich bestand sie nur aus zwei Spalten: Name und Einkommen. Die ersten Kollegen trugen sich direkt ein und das Dokument verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Nach und nach erweiterte Erica die Tabelle um weitere Spalten (zum Beispiel Geschlecht) und eine automatische Umrechnung der Löhne in US-Dollar zwecks besserer Vergleichbarkeit. Dabei traten teilweise eklatante Gehaltsunterschiede und Diskriminierungen zu Tage.

Die Strafe folgt auf dem Fuße

Nachdem sie zum Gespräch mit ihren Vorgesetzten zitiert wurde, war zwar klar, dass man ihr nicht kündigen würde – ein US-Gesetz verbietet es, Arbeitnehmer daran zu hindern, sich über ihre Gehälter auszutauschen. Doch machte man ihr klar, dass ihr Verhalten nicht gebilligt würde. Und auch die indirekte „Bestrafung“ blieb nicht aus.

Sieben ihrer Kollegen hatten sie für einen Mitarbeiterbonus vorgeschlagen, der ihr eigentlich 150 Dollar einbringen sollte. So wollten sie ihr für die Erstellung der Gehaltstabelle danken. Immerhin hatten viele aufgrund ihrer Erkenntnisse aus der Liste Gehaltsgespräche mit ihren Vorgesetzten gefordert und schließlich tatsächlich eine Gehaltserhöhung erhalten. Die Vorgesetzten lehnten jedoch alle Vorschläge ab – ein Novum in der bisherigen Geschichte des Bonus. Der Kollege, mit dem Erica Baker die Liste gemeinsam angelegt hatte, hatte die Extrazahlung jedoch bekommen. Baker fühlte sich diskriminiert – als Frau und als Schwarze – und zog ihre Konsequenzen: Sie wechselte den Job und arbeitet jetzt glücklich für das US-Start-up Slack.

Was hältst du von der Gehaltspolitik von Google? Völlig gerechtfertigt oder einfach nur unfair?

Quelle: Business Insider UK

 

Über Sabine Hutter

Sabine Hutter

Sabine Hutter arbeitet seit 2008 als Online-Redakteurin und Texterin. Als Betriebswirtin und Personalerin schreibt sie bevorzugt über Themen rund um das Personalwesen sowie aus dem Online Marketing.

Ein Gedanke zu „Ungleiche Entlohnung bei Google: Mitarbeiterin veröffentlichte Gehaltstabelle

  1. Stefan Scheller

    Liebe Sabine Hutter,

    ohne die Gehaltspolitik oder jene besagte Excel-Liste konkret zu kennen, lässt sich doch vor allem feststellen, dass gerade wir Deutsche ein extrem ausgeprägtes „Gerechtigkeitsempfinden“ besitzen. Daher haben viele deutsche Unternehmen eher das Problem, aufgrund einer zu geringen Spreizung zwischen Top-Leister und Minder-Leister bzw. Top-Potenzialkandidat und Null-Potenzialkandidate keine echten Leistungsanreize zu bieten.

    Google ist umgekehrt dafür bekannt, dass es sich traut Innovationen mutig auf den Markt zu werfen. Wer das tut und damit dem Markenimage treu ist, der wird aus diesem System auch viel mehr erhalten als andere. Das ist erst einmal völlig legitim. ABER: Und das ist der wohl springende Punkt. Wenn sich in den unterschiedlichen Gehältern letztlich AGG-relevante Diskriminierungen zeigen, dann sieht die Welt komplett anders aus. Dann wäre das eher ein Skandal, der gegen die Arbeitgebermarke läuft.

    Aber mal ehrlich: Wer hat denn bitte geglaubt, dass bei Apple, Google und Co alles Gold ist, was vielen so glitzernd vorkommt …?

    Herzliche Grüße aus Nürnberg,
    Persoblogger Stefan Scheller

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