Nach Twitter-Shitstorm: Solltest du dich nach dem Vorstellungsgespräch per Mail bedanken?

Der Artikel einer HR-Managerin löste eine rege Diskussion auf Social Media aus. Ohne Dankeschön bekomme man bei ihr keinen Job. Ist diese Einstellung richtig oder veraltet?

© Simon Maage - Unsplash

Geschafft! Deine Bewerbungsunterlagen haben überzeugt und du hast sogar das nervenaufreibende Bewerbungsgespräch überstanden. Doch wie geht es nun weiter, nachdem du wieder Zuhause angekommen bist? Die Meinung mancher Personaler: Schreib eine Mail, in der du dich noch einmal für das Gespräch bedankst. Jedoch gibt es wieder Andere, die keinen Wert auf eine solche legen. Diese kann gegebenenfalls sogar als „nervig“ empfunden werden. Schließlich quillt das Postfach der meisten ständig über. Jessica Liebman schrieb nun auf Business Insider einen Artikel zu den Thema, in welchem sie verriet, dass sie niemals jemanden einstellen würde, der sich nicht per Mail bedankt – und löste damit einen riesigen Shitstorm auf Twitter aus.

Ungeschriebene Regel der Höflichkeit: Eine Mail ist Pflicht

In ihrem Artikel erklärt Liebman, dass es zwei Gründe gäbe, aus denen das Dankeschön per E-Mail für sie so wichtig wäre: Erstens, wird signalisiert, dass der Kandidat tatsächlich Interesse an dem Job habe und es sich für ihn nicht nur um die zweite oder dritte Wahl handle. Zweitens, würde man mehr über die Person selbst erfahren:

The candidate is eager, organized, and well mannered enough to send the note. It shows resourcefulness, too, because the candidate often has to hunt down an email address the interviewer never gave them.

Einige User unterstützen Liebmans Ansichten und betonen ebenfalls, dass es sich bei dem Bedanken um ein ungeschriebenes Höflichkeitsgebot handle. Doch woher sollen beispielsweise Berufseinsteiger wissen, welche üblichen Umgangsformen es auf dem Arbeitsmarkt gibt? Besonders, wenn es immer wieder widersprüchliche Expertenmeinungen rund um das Thema „erfolgreich bewerben“ gibt? Sollte ein kleines Detail wie das fehlende Dankeschön per Mail wirklich zum Ausschlusskriterium für einen sonst fähigen Bewerber werden? Ein Großteil der Twitter-Community antwortet mit Nein.

Eine solche Kategorisierung erscheint oberflächlich und arrogant

Viele sehen das Voraussetzen einer Danksagung nach dem Job Interview als unsinnig an. So findet User Petty Mayonnaise, dass Bewerber so von oben herab wie Kinder behandelt werden würden:

Für Andere ist das ständige Danken eine Art „Buckeln vor der Obrigkeit“. Gemeint ist, dass ein ständiges Danken irgendwann unnatürlich wirkt. Viele handhaben es so, dass sie sich direkt nach Erhalt für die Einladung zum Gespräch bedanken und dann noch einmal am Ende des Gesprächs persönlich. Auf die Idee noch eine zusätzliche Mail zu schreiben, kommen viele gar nicht erst. Ein Grund dafür ist unter anderem der Eindruck, dass eine weitere Nachricht eher abschreckend und nervig wirkt – beispielsweise wie nach einem Date, wenn man von der anderen Person gnadenlos zugespammt wird. Gleichzeitig sehen einige nach dem Bewerbungsgespräch auch das Unternehmen selbst in der Bringschuld. Der Bewerber bewirbt sich, bereitet sich vor, gibt bis zum Schluss sein Bestes – danach ist es am potentiellen Arbeitgeber, den nächsten Schritt zu gehen.

Hinzu kommt, dass es immer noch zu viele Unternehmen gibt, die es nicht einmal für nötig halten, eine Absage zu senden – selbst wenn es nur auf den üblichen Standardtext hinausläuft. Auch das wird in weiten Kreisen als Unhöflichkeit gesehen. So ist es verständlich, dass Bewerber, die auf zig Bewerbungen keine Rückmeldung bekommen, irgendwann infragestellen, wieso sie diejenigen sind, die immer alles geben und alles beachten müssen. Schließlich sind Bewerbungsprozesse zweiseitig. Der Arbeitgeber möchte in diesem Sinne auch etwas vom Arbeitnehmer und sollte sich dementsprechend verhalten.

Die 5 besten Antworten auf Twitter

Viele User haben Liebman so verstanden, dass sie grundsätzlich jeden ausschließt, der kein Dankeschön per Mail verfasst. Und zugegeben, so könnte man den Text samt Überschrift auch verstehen. Das empfanden die meisten als unfair, besonders für Kandidaten, die sehr viel Zeit und Mühe in die Vorbereitung ihrer Bewerbung gesteckt haben. Vor allem die Bewerber aufgrund dessen als „unhöflich“ oder „desinteressiert“ abzustempeln, wurde kritisiert.

Der nächste User spricht das Problem an, dass Unternehmen selbst oft keine Höflichkeitsformen zu kennen scheinen:

Und auch dieser User empfindet das Danke im Nachhinein als überflüssig:

Simon Rippon kontert hingegen mit Sarkasmus:

Und auch andere Arbeitgeber sehen Liebmans Einstellung kritisch:

Wie wichtig ist das Dankeschön per Mail denn nun?

Nach dem Shitstorm auf Twitter ruderte Liebman etwas zurück und verfasste einen weiteren Artikel. In diesem erklärt sie, dass eine solche E-Mail natürlich nicht ihr einziges Kriterium wäre – auch wenn sie es zunächst so darstellte – und sie auch schon qualifizierte Personen eingestellt habe, die kein Dankesschreiben verfassten. Zudem geht sie auch noch auf andere Kritikpunkte der Twitter User ein. Die Meinung der Online Community zu dem Thema ist jedoch ziemlich eindeutig. Und auch wenn es in Ländern wie den USA zur ungeschriebenen Etikette gehört, beziehungsweise gehörte, so ist ein Danke per Mail hier in Deutschland ebenfalls nicht gängig.

Zwar gibt es Ratgeber, die genau dies suggerieren und Formulierungstipps geben, doch die Mehrheit der Bewerber schreibt nach dem überstandenen Bewerbungsgespräch keine Nachricht mehr. Und die Arbeitgeber selbst warten meist auch nicht darauf. Erhalten sie doch eine Danksagung, wird dieser nur in seltenen Fällen eine größere Bedeutung zugeschrieben. Ein Anruf wird sogar eher als lästig empfunden. Daher geben wir dir den Tipp mit auf den Weg, dich einfach direkt nach Erhalt der Einladung zu bedanken und am Ende des Gesprächs noch einmal persönlich mit einem einhergehenden Handschlag. Das hinterlässt definitiv mehr Eindruck, als eine schnell getippte Mail.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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